Meta verschärft das Tempo bei seiner Transformation hin zu einem vollständig auf künstlicher Intelligenz basierenden Konzern. Während die operative Neuausrichtung intern für erhebliche Veränderungen sorgt, verdeutlichen neue Prognosen das finanzielle Ausmaß der Strategie: Laut Analysten von JPMorgan dürften die Investitionsausgaben des Unternehmens im Jahr 2027 auf 243 Milliarden US-Dollar steigen und im Folgejahr 2028 sogar ein Niveau von 284 Milliarden US-Dollar erreichen.
Vision eines KI-nativen Konzerns
Hinter diesen Summen steht das Bestreben von CEO Mark Zuckerberg, Meta als „AI-native“-Organisation neu zu definieren. Interne Details zu dem Vorhaben mit dem Codenamen „Projekt OT“ (Organization Transformation) zeigen, wie tiefgreifend dieser Prozess ist.
Ursprünglich wurden Szenarien geprüft, die eine Verkleinerung einzelner Teams um bis zu 60 Prozent vorsahen. Zwar wurde eine weitere Entlassungswelle im Mai gestoppt, nachdem zuvor am 20. Mai bereits rund 10 Prozent der Belegschaft – etwa 8.000 Arbeitsplätze – gestrichen worden waren, doch der Umbau der Strukturen hält an.
Die technische Beschleunigung zeigt erste messbare Ergebnisse, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. CTO Andrew Bosworth berichtete von einer Steigerung der internen Code-Änderungen um 220 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig stieg jedoch die Zahl der Sicherheitsvorfälle um 40 Prozent, und die Bearbeitungszeit für deren Behebung erhöhte sich um 70 Prozent.
Um die Prozesse zu stabilisieren, hat das Unternehmen damit begonnen, Mitarbeiter der spezialisierten „Applied AI“-Sparte gezielt dazu aufzufordern, wieder Führungsaufgaben zu übernehmen, nachdem Managementebenen zuvor massiv ausgedünnt worden waren.
Markterfolg von Muse sorgt für Optimismus
An der Börse wird die Entwicklung des neuen KI-Assistenten Muse genau verfolgt. Das Tool, das am vergangenen Dienstag in den USA startete, erreichte bereits nach zwei Tagen den dritten Rang im US-App-Store. Muse unterstützt Nutzer bei der Reiseplanung, verwaltet E-Mails und erledigt Einkäufe.
Analyst Doug Anmuth von JPMorgan stufte die Aktie jüngst von „Neutral“ auf „Overweight“ hoch und hob das Kursziel deutlich von 640 auf 820 US-Dollar an. Der Erfolg von Muse unterstreiche das Potenzial, im Markt für Konsumenten-KI eine führende Rolle einzunehmen.
Analysten von Morgan Stanley beziffern das Marktpotenzial für derartige KI-Assistenten auf bis zu 30 Billionen US-Dollar. Trotz dieses Optimismus bleiben einzelne Stimmen vorsichtig. Jason Helfstein von Oppenheimer verwies auf die Ungewissheit, ob Nutzer dauerhaft bereit sein werden, Abonnementgebühren von monatlich 20 US-Dollar für die erweiterten Funktionen von Muse zu zahlen.
Finanzielle Stabilität trotz juristischer Vergleiche
Flankiert wird die technologische Offensive von einer Bereinigung langjähriger Rechtsstreitigkeiten. Vor gut drei Wochen einigte sich der Konzern auf einen Vergleich im Bereich des Jugendschutzes, der Zahlungen von bis zu 18 Milliarden US-Dollar über einen Zeitraum von zehn Jahren vorsieht. Diese Einigung hat den jüngsten Aufwärtstrend des Papiers jedoch kaum gebremst.
Im heutigen Handel notiert die Meta-Aktie bei 552,50 €, was einem Rückgang von 1,1 % entspricht. Damit verbleibt das Papier in einer Konsolidierungsphase unterhalb seines 52-Wochen-Hochs von 672,70 €, das am 19. September 2025 markiert wurde.
Der aktuelle Abstand zu diesem Höchststand beträgt rund 18 %. Angesichts geplanter Investitionen von über 130 Milliarden US-Dollar allein für das laufende Jahr bleibt das Unternehmen einer der kapitalstärksten Akteure im globalen Wettbewerb um die Vorherrschaft bei künstlicher Intelligenz.
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