Vor einem Bundesgericht in Oakland hat am Mittwoch ein Verfahren begonnen, das Meta bis zu 1,4 Billionen Dollar kosten könnte. 29 US-Bundesstaaten werfen dem Unternehmen vor, Instagram und Facebook bewusst süchtig machend gestaltet und Daten von Kindern unter 13 Jahren ohne Zustimmung der Eltern gesammelt zu haben.
Kalifornien allein beziffert den Schaden auf 193 Milliarden Dollar. Meta selbst hält eine Zahlung von rund 200 Milliarden Dollar für angemessener und weist die Vorwürfe insgesamt zurück – ein Firmenanwalt nannte die Anschuldigungen „absurd“. Der Prozess soll rund sechs Wochen dauern, Zuckerberg und Instagram-Chef Adam Mosseri sollen als Zeugen aussagen.
Whistleblower belastet Zuckerberg schwer
Zum Auftakt sagte der frühere Meta-Ingenieur und Engineering-Direktor Arturo Bejar aus, dass Kindersicherheit bei Instagram ein Nebenschauplatz gewesen sei. Er beschrieb eine „Don’t ask, don’t tell“-Praxis gegenüber Nutzern unter 13 Jahren: Interne Technik habe solche Konten zwar erkennen können, das Unternehmen habe aber nicht konsequent danach gefragt oder gehandelt.
Bejar erklärte, er habe Zuckerberg mehr als hundertmal über die Missstände informiert, und zitierte den CEO mit den Worten, wenn Zuckerberg etwas zur Priorität mache, „bewegen sich Berge innerhalb von Monaten“ – Kindersicherheit habe zu diesen Prioritäten offenbar nicht gehört.
Nach seinen Angaben fanden interne Studien, dass 51 Prozent der Instagram-Nutzer wöchentlich schädliche Erfahrungen machten, während nur ein bis zwei Prozent der beanstandeten Inhalte entfernt wurden. Eine „Take a Break“-Funktion sei zudem so gestaltet gewesen, dass sie leicht zu ignorieren war.
Der Fall reiht sich in eine wachsende juristische Belastung ein. Im März hatte ein Gericht in New Mexico Meta bereits zu Schadenersatz und Strafzahlungen von 942 Millionen Dollar verurteilt, ein weiteres Urteil brachte im August zusätzliche 567 Millionen Dollar. Meta bezifferte allein für das zweite Quartal 2026 Rechtskosten von 2,4 Milliarden Dollar.
Kurs unter Druck, Analysten bleiben zuversichtlich
Die Aktie hat auf die juristischen Risiken empfindlich reagiert. Sie fiel im Vorfeld des Prozessauftakts um 4,4 Prozent und notiert inzwischen 30 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom 19. September 2025, während der Abstand zum jüngsten Jahrestief vom 27. März nur noch gut 3 Prozent beträgt.
Mit einem 14-Tage-RSI von rund 35 gilt das Papier charttechnisch als überverkauft, der Kurs liegt zugleich fast 10 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt.
Trotz der Rechtsrisiken bleibt die Wall Street überwiegend optimistisch. BNP-Paribas-Analyst Nick Jones bekräftigte am Mittwoch sein Kaufvotum mit einem Kursziel von 855 Dollar und verweist auf eine mögliche Chance, überschüssige KI-Rechenkapazität kurzfristig zu vermarkten.
Der Analystenkonsens sieht im Schnitt ein Kursziel von 752,18 Dollar bei 38 Kauf- und 5 Halte-Einstufungen – deutlich über dem aktuellen Niveau. Ob diese optimistische Einschätzung Bestand hat, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie das Gericht die Aussagen von Bejar sowie die noch ausstehenden Zeugenauftritte von Zuckerberg und Mosseri bewertet.
Für Anleger bleibt der Prozess damit über Wochen ein zentraler Unsicherheitsfaktor, der operative Fortschritte im KI-Geschäft in den Hintergrund drängen könnte.
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