Metallium legt am Freitag um 2,39 Prozent auf 0,1841 Euro zu. Der Sprung wirkt wie eine kleine Erholung. Er kommt aber nur einen Tag, nachdem die Aktie auf ein neues 52-Wochen-Tief von 0,1601 Euro gefallen war.

Der Auslöser für die Talfahrt: der jüngste Quartalsbericht des australischen Unternehmens für kritische Rohstoffe. Er zeigt technische Fortschritte. Trotzdem bleibt die Aktie unter Druck.

Vom Elektroschrott-Recycler zur Rohstoff-Plattform

Metallium positioniert sich neu. Aus dem Elektroschrott-Recycler wird eine Technologieplattform für kritische Mineralien. Das Kernstück ist die firmeneigene Flash Joule Heating-Technologie, kurz FJH.

Das Verfahren soll künftig nicht nur Platinen verarbeiten, sondern auch Seltene Erden, Gallium, Germanium und Platingruppenmetalle. Im vergangenen Quartal absolvierte das Unternehmen an seinem Texas Technology Campus mehr als 100 Testkampagnen mit der FJH-Anlage. Drei Reaktoren liefen dabei parallel.

Die Kassenlage bleibt komfortabel: Zum Quartalsende verfügte Metallium über rund 65 Millionen australische Dollar in bar. Am Zeitplan hält das Unternehmen fest — die kommerzielle Verarbeitung von Platinen soll in der ersten Hälfte 2027 starten, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen.

Besonders bemerkenswert: Erste Versuche zeigen, dass sich unbehandeltes Seltene-Erden-Erz direkt in gemischtes Seltenerdchlorid umwandeln lässt. Gelingt das im großen Maßstab, ließen sich teure Aufbereitungsschritte am Anfang der Prozesskette einsparen.

Analysten mahnen zur Vorsicht

Der Sprung vom Labor zur Industrieanlage ist der wunde Punkt. Beobachter der Branche warnen: Laborerfolge und Pilotanlagen sind eine Sache. Ein wirtschaftlich wettbewerbsfähiger Industrieprozess eine andere.

Mehrere Fragen bleiben offen. Kann das Verfahren über lange Betriebszyklen hinweg verlässlich kommerzielle Rückgewinnungsraten erzielen? Wie sehen Ausbeute und Reinheit bei unterschiedlichen Erztypen aus? Lässt sich das gemischte Seltenerdchlorid reibungslos in bestehende Trennanlagen integrieren? Und liegen Betriebskosten sowie Kapitalbedarf tatsächlich unter denen etablierter Verfahren?

Analysten von Rare Earth Exchanges ordnen Metallium entsprechend ein: als Technologie-Wette, nicht als klassischen Seltenerd-Produzenten. Solche Unternehmen könnten dennoch Teil eines künftigen Industriesystems außerhalb Chinas werden. Westliche Regierungen suchen dringend nach günstigeren, weniger chemieintensiven Verfahren, um die Abhängigkeit vom chinesischen Mittelstrom bei Seltenen Erden zu verringern.

Chart zeigt tiefe Skepsis der Anleger

Der Kursverlauf spricht bislang eine andere Sprache als die Ingenieure. Die Aktie notiert rund 30 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 0,2643 Euro. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 0,4068 Euro klafft eine Lücke von mehr als der Hälfte.

Der Relative-Stärke-Index von 29,0 signalisiert überverkauftes Terrain. Das kommt nach dem Absturz auf das Jahrestief, ausgerechnet einen Tag nach der Veröffentlichung des Quartalsberichts. Die Diskrepanz zwischen technischem Fortschritt und Kursentwicklung unterstreicht die Skepsis, die Analysten seit Wochen äußern.

Die zentrale Frage bleibt unbeantwortet: Kann Flash Joule Heating vom beeindruckenden Ingenieursprojekt zu einem wirtschaftlich tragfähigen Industrieprozess reifen? Solange unabhängig geprüfte Produktionsdaten fehlen, bleibt Metallium eine der interessanteren, aber auch unbewiesenen Wetten im Sektor der kritischen Rohstoffe.