Eine Aktie, die 87 Prozent unter ihrem Jahreshoch notiert, gilt normalerweise als Warnsignal. Bei Metaplanet ist genau dieser Kursverfall zum offiziellen Auslöser für die nächste strategische Maßnahme geworden. Das Unternehmen kauft weiter Bitcoin – und denkt gleichzeitig über Aktienrückkäufe nach, weil der eigene Kurs so tief gefallen ist.
Am Freitag legte die Metaplanet-Aktie um 6,73 Prozent zu und schloss bei 1,23 Euro. Auf Wochensicht steht ein Plus von 12,39 Prozent. Über 30 Tage bleibt trotzdem ein Minus von 8,06 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 45,07 Prozent.
Der Blick auf zwölf Monate zeigt das eigentliche Ausmaß: Die Aktie liegt 86,86 Prozent unter ihrem Stand von vor einem Jahr. Vom Rekordhoch bei 9,42 Euro, erreicht im Juli 2025, trennen den Titel inzwischen 87 Prozent.
Ein Rabatt kehrt die Logik um
Was diese Woche bemerkenswert macht, ist nicht die kurze Erholung. Es ist der Mechanismus, der Metaplanets Strategie inzwischen steuert. Das Unternehmen koppelt seine Kapitalentscheidungen an das sogenannte mNAV – das Verhältnis zwischen Börsenwert und dem Bitcoin-Bestand in der Bilanz.
Anfang Juli lag dieser Wert bei 0,85 auf Unternehmensbasis und bei 0,57 je Aktie. Das bedeutet: Die Aktie wird günstiger gehandelt, als es der reine Bitcoin-Bestand rechtfertigen würde.
Für ein Bitcoin-Treasury-Unternehmen ist das eine Umkehrung der üblichen Logik. CEO Simon Gerovich hat die Firmenpolitik mehrfach bekräftigt: Fällt das mNAV unter 1,0, prüft Metaplanet ernsthaft Aktienrückkäufe. Der Gedanke dahinter ist einfach. Je tiefer das mNAV, desto größer der Effekt eines Rückkaufs – wer Aktien unter ihrem Bitcoin-Wert einzieht, erhöht den Bitcoin-Anteil je verbleibender Aktie, ohne einen einzigen zusätzlichen Coin zu kaufen. Die Kursschwäche, die den Chart 2026 geprägt hat, wird damit laut Unternehmenslogik selbst zum Kaufargument.
Zurück zum Kaufen, aber auf Pump
Die eigentliche Nachricht der Woche war trotzdem der Rückkehr zum aktiven Bitcoin-Kauf. Am 1. Juli meldete Metaplanet den Erwerb von 2.823 Bitcoin im zweiten Quartal 2026. Der Gesamtbestand wuchs damit auf 43.000 Bitcoin.
Für diese Käufe gab das Unternehmen 225 Millionen Dollar aus, im Schnitt 78.872 Dollar je Coin. Finanziert wurde das laut Unternehmensangaben vor allem über Kreditlinien, die Ausgabe gewöhnlicher Anleihen und Einnahmen aus dem eigenen Optionsgeschäft – nicht über neue Aktien.
Diese Finanzierungswahl ergibt angesichts des mNAV Sinn. Neue Aktien auszugeben, während der Kurs unter dem Nettoinventarwert notiert, würde bestehende Aktionäre verwässern statt ihnen zu nutzen. Also greift das Management stattdessen zu Schulden und zum hauseigenen Optionsgeschäft.
Genau dieses Optionsgeschäft kühlte im vergangenen Quartal deutlich ab. Metaplanet betreibt eine separate Einheit, die über besicherte Optionsstrategien laufende Einnahmen erzielt und damit die Nettokosten neuer Bitcoin-Käufe senkt. Die Erlöse dieser Sparte fielen auf umgerechnet rund 11 Millionen Dollar – ein Rückgang von 41 Prozent gegenüber den Vorquartalen.
Die Rechnung hinter dem Ziel
Der eigentliche Druck entsteht durch die Firmenziele. Metaplanet will bis Ende 2026 mehr als 100.000 Bitcoin halten, bis Ende 2027 sogar 210.000.
Bei aktuell 43.000 Bitcoin müsste das Tempo der Zukäufe in den kommenden sechs Monaten drastisch steigen – weit über das hinaus, was das letzte Quartal geliefert hat. Jeder zusätzliche Coin muss dabei entweder über Schulden, über Optionserlöse oder über verwässernde Aktienausgaben zu einem Discount-Kurs finanziert werden. Genau diese Spannung zwischen ambitioniertem Ziel und einem mNAV unter eins steckt hinter der Kursbewegung dieser Woche.
Charttechnik bestätigt das Tauziehen
Die technischen Daten spiegeln diese Unsicherheit. Bei 1,23 Euro liegt die Aktie 17,98 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1,49 Euro und 45,28 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 2,24 Euro.
Zum 52-Wochen-Tief von 1,04 Euro, erst am 30. Juni erreicht, beträgt der Abstand nur 17,65 Prozent. Der RSI von 44,4 zeigt weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen an. Die annualisierte Volatilität von 72,43 Prozent macht deutlich, wie heftig die Stimmung auf einzelne Meldungen reagieren kann – sei es ein neuer Bitcoin-Kauf, eine Rückkaufankündigung oder erneut schwache Optionserlöse.
Das größere Bild
Metaplanets Lage steht für eine Abrechnung, die gerade die gesamte Gruppe der Bitcoin-Treasury-Unternehmen erfasst. MicroStrategy selbst pausierte seine Bitcoin-Käufe, nachdem die eigene Aktie 82 Prozent vom Hoch aus 2025 verloren hatte und das Unternehmens-mNAV zeitweise unter eins fiel. Vor diesem Vergleich wirkt Metaplanets Entscheidung, weiter zu kaufen, wie ein bewusster Gegenentwurf.
Beweist diese Fortsetzung der Käufe tatsächlich Disziplin – oder verschiebt sie nur dieselbe Abrechnung, der sich MicroStrategy bereits stellen musste? Der Markt wird diese Frage Woche für Woche neu bepreisen, während die Lücke zwischen 43.000 gehaltenen und 100.000 angepeilten Bitcoin immer schwerer zu ignorieren wird.
Bis Ende 2026 bleiben Metaplanet noch sechs Monate, um diese Lücke zu schließen. Bei einem mNAV unter eins bedeutet jeder weitere Coin einen weiteren Schritt in die Verschuldung – solange der Aktienkurs keine Wende schafft.
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