Micron hat mit seinen Zahlen zum dritten Fiskalquartal 2026 geliefert, was Bullen sich erträumt hatten – und trotzdem knickt die Aktie ein. Für mich ist genau das der spannendste Punkt dieser Woche.

Der Umsatz kletterte auf 41,46 Milliarden Dollar, ein Plus von 345,72 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Non-GAAP-Gewinn je Aktie lag bei 25,11 Dollar und übertraf die Konsensschätzung von 20,28 Dollar deutlich. Die Bruttomarge von 84,6 Prozent zeigt, wie stark Micron im aktuellen Speicherzyklus preisen kann.

Für das laufende Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz von 50 Milliarden Dollar (plus/minus eine Milliarde) und einen Gewinn von 31 Dollar pro Aktie in Aussicht – Zahlen, die noch vor wenigen Jahren utopisch gewirkt hätten.

Der Markt zweifelt trotz Rekordwerten

Und doch notiert die Aktie heute mit minus 3,0 Prozent bei 781,90 Euro, nach einem Schlusskurs von 806,00 Euro am Mittwoch. Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Minus von 6,3 Prozent, der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt inzwischen 6,2 Prozent nach unten. Das mag Anleger irritieren, die sich an die frühere Rekordjagd gewöhnt hatten – ich sehe darin aber eher eine überfällige Verschnaufpause nach einem außergewöhnlichen Lauf als ein Warnsignal.

Bemerkenswert ist die Substanz hinter den Zahlen: 16 Strategic Customer Agreements sichern Micron nach eigenen Angaben ein Auftragsvolumen von rund 100 Milliarden Dollar. Das ist kein spekulatives KI-Narrativ mehr, sondern vertraglich fixierte Nachfrage. Genau diese Visibilität unterscheidet Micron meiner Einschätzung nach von vielen anderen Profiteuren des KI-Booms, deren Wachstum stärker auf Erwartungen als auf Verträgen fußt.

Nvidia als Nachfragetreiber – und als Warnung

Dass Nvidia-Chef Jensen Huang bei seinem Besuch in Südkorea eine anhaltende Speicherknappheit „für Jahre“ erwartet, passt ins Bild. Huang bestätigte zudem, dass der kommende Vera-Prozessor auf DRAM von SK Hynix setzen wird – ein Hinweis darauf, dass die Nachfrage nach Hochleistungsspeicher branchenweit strukturell bleibt, nicht nur bei Micron.

Für mich ist das ambivalent: Es untermauert die These vom mehrjährigen Superzyklus, zeigt aber auch, dass Micron nicht allein am Tisch sitzt. Die Konkurrenz um Kapazitäten und Kundenverträge dürfte sich verschärfen, gerade wenn Nvidia mit NVLink Fusion und NVHBM auf höhere Speicherbandbreite bei gleichzeitig geringerem Stromverbrauch setzt – Technologien, die die Anforderungen an Speicherhersteller weiter verschieben.

Zölle als der eigentliche Unsicherheitsfaktor

Der Punkt, der mir aktuell mehr Sorgen macht als jede Bewertungsdiskussion, sind die politischen Risiken. Die Trump-Administration erwägt laut Berichten neue, teils hohe Zölle auf importierte Halbleiter – mit der Option einer breiten Ausweitung oder einer gestaffelten Einführung.

Handelsminister Lutnick brachte sogar Zollsätze von bis zu 100 Prozent für südkoreanische und taiwanische Unternehmen ins Spiel, sollten diese nicht ausreichend in US-Fertigung investieren. Das ist kein Detail am Rande, sondern ein Eingriff, der die globale Speicherlieferkette – und damit auch Microns Kostenstruktur und Wettbewerbsposition – direkt betreffen könnte.

Mein Fazit

Unterm Strich überwiegen für mich die operativen Argumente die kurzfristige Kursschwäche. Ein Unternehmen, das seine eigene Guidance mit vertraglich abgesicherter Nachfrage von rund 100 Milliarden Dollar unterlegt und gleichzeitig eine Bruttomarge von über 84 Prozent erzielt, befindet sich fundamental in einer Ausnahmeposition.

Die Volatilität der letzten Tage spricht für mich eher für eine Konsolidierung nach starkem Lauf als für einen Trendbruch. Der eigentliche Risikofaktor liegt nicht im Geschäft selbst, sondern in Washington: Sollten die diskutierten Zölle tatsächlich in der drastischeren Variante kommen, dürfte das die gesamte Bewertung der Speicherbranche neu justieren – Micron eingeschlossen.