Micron Technology treibt seine Aufholjagd im Speicherchipmarkt mit einem milliardenschweren Forschungsprojekt voran. Der Chiphersteller kündigte am Donnerstag den Bau seines ersten US-Speicherforschungslabors in Boise, Idaho, an. Zehn Milliarden Dollar sollen über ein Jahrzehnt in die Anlage fließen, der Baubeginn ist für nächstes Jahr geplant.
Zusätzlich zu bereits angekündigten Investitionsplänen von 250 Milliarden Dollar unterstreicht Micron damit seinen Anspruch, im Bereich High Bandwidth Memory zu den Marktführern SK hynix und Samsung aufzuschließen. SK hynix hält im ersten Quartal einen Marktanteil von 58 Prozent bei HBM, Samsung und Micron kommen jeweils auf 21 Prozent.
Analysten sehen deutliches Aufwärtspotenzial
Die Ankündigung trifft auf eine ohnehin positive Analystenstimmung. Nach jüngsten Quartalszahlen mit einem Umsatz von 41,46 Milliarden Dollar und einem Anstieg von 346 Prozent gegenüber dem Vorjahr sowie einer Bruttomarge von rund 85 Prozent bewerten 29 von 30 erfassten Analysten die Aktie mit „Buy“, nur einer rät zu „Hold“.
UBS nennt ein Kursziel von 1.625 Dollar, die Bank of America 1.550 Dollar, New Street Research liegt mit 1.250 Dollar vorsichtiger. Über eine breitere Erhebung von 57 Analysten ergibt sich ein Median-Kursziel von 1.585 Dollar bei einer Spanne von 361 bis 2.200 Dollar.
Untermauert wird der Optimismus durch strategische Kundenverträge im Volumen von 22 Milliarden Dollar an Anzahlungen, die aus 16 langfristigen Lieferabkommen (Supply Commitment Agreements) für den Zeitraum 2026 bis 2030 stammen.
Ein Bericht von Edgewater Research vom Donnerstag bringt zusätzliche Fantasie ins Spiel: Demnach dürfte Nvidia mehrjährige DRAM- und HBM-Lieferverträge sowohl mit SK hynix als auch mit Micron abgeschlossen haben. Micron produziert bereits seit dem ersten Quartal in Serie den HBM4-Speicher mit 36 Gigabyte und 12 Layern für Nvidias kommende Vera-Rubin-Plattform. Weder Nvidia noch Micron haben die Vertragsdetails offiziell bestätigt.
Kurs unter Druck trotz starker Fundamentaldaten
An der Börse zeigt sich das Bild gemischter. Die Aktie schloss am Freitag bei 827,40 Euro und gab damit 0,8 Prozent nach, auf Wochensicht steht ein Minus von 1,6 Prozent zu Buche. Damit notiert das Papier 2,1 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 844,80 Euro und rund ein Viertel unter seinem 52-Wochen-Hoch.
Die Kursschwäche der vergangenen Tage fällt in eine Phase, in der Ken Griffins Hedgefonds Citadel am Freitag mehr als 80 Prozent des Risikos seines auf künstliche Intelligenz ausgerichteten Fonds abgebaut hat – über rund 100 Blocktransaktionen im Volumen von über vier Milliarden Dollar, wobei Micron zu den betroffenen Top-Positionen zählte, neben SanDisk, Bloom Energy, Nebius und Taiwan Semiconductor.
Gleichzeitig verzeichnete Micron in den vergangenen drei Monaten Insiderverkäufe im Umfang von 181,8 Millionen Dollar, während gleichzeitig ein Teil der Marktbeobachter bei Analyseplattformen die Position aufstockte.
Trotz der kurzfristigen Volatilität – die annualisierte 30-Tage-Schwankung liegt bei 95 Prozent – bleibt die langfristige Kursentwicklung bemerkenswert: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 228 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar von 729 Prozent.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Strukturell treibt die KI-getriebene Speichernachfrage das Geschäft, das milliardenschwere Investment in Boise signalisiert langfristiges Vertrauen des Managements in diesen Trend. Kurzfristig sorgen jedoch große Portfolioumschichtungen institutioneller Investoren und steigende Anleiherenditen für Nervosität im gesamten Halbleitersektor, dem sich auch Micron nicht entziehen kann.
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