Micron Technology hat mit seinem jüngsten Quartalsbericht die Erwartungen deutlich übertroffen – und doch bleibt die Aktie meilenweit von ihrem Rekordhoch entfernt. Der Speicherchiphersteller meldete einen Umsatz von 41,46 Milliarden US-Dollar im dritten Quartal, ein Plus von 345,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag bei 25,11 Dollar. Für das laufende vierte Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar und einen Gewinn je Aktie von etwa 31 Dollar in Aussicht.
Am deutschen Markt schloss die Micron-Aktie am Freitag bei 760,90 Euro. Auf Wochensicht steht ein Plus von 6,49 Prozent zu Buche, ein Zeichen dafür, dass sich das Papier nach der jüngsten Schwäche wieder gefangen hat. Vom 52-Wochen-Hoch trennen die Aktie dennoch noch immer 31,07 Prozent – ein Abstand, der zeigt, wie stark die Korrektur der vergangenen Wochen ausgefallen ist, selbst nach den starken Geschäftszahlen.
Analysten mit unterschiedlichen Kurszielen
Die Reaktionen der Analysten auf die Zahlen fallen uneinheitlich aus. Citigroup senkte sein Kursziel von 1.400 auf 1.150 Dollar, hält aber an der Kaufempfehlung fest. Gegenläufig bewegen sich Stifel, RBC Capital, Wedbush und Rosenblatt, die ihre Kursziele auf 1.400 bis 1.500 Dollar anhoben. Insgesamt stehen der Aktie derzeit 4 Strong-Buy- und 31 Buy-Einstufungen gegenüber 3 Hold-Voten, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 1.260 Dollar.
Parallel dazu bleibt Micron bei institutionellen Investoren gefragt. Mehrere Vermögensverwalter bauten ihre Positionen im zweiten Quartal 2026 spürbar aus, institutionelle Anleger halten inzwischen 80,84 Prozent der Aktien. Auf der anderen Seite verkauften Unternehmensinsider in den vergangenen 90 Tagen rund 164.179 Aktien im Gesamtwert von etwa 169,4 Millionen Dollar – ein Vorgang, der angesichts der hohen Bewertungssprünge des Papiers in diesem Jahr wenig überrascht.
Speicherzyklus treibt die Nachfrage
Hinter der starken Geschäftsentwicklung steht ein globaler Angebotsengpass bei Speicherchips. Analysten von UBS rechnen mit steigenden DRAM-Vertragspreisen von 32 Prozent im dritten und 18 Prozent im vierten Quartal, während die Nachfrage nach High-Bandwidth-Memory-Chips für 2026 um 90 Prozent und für 2027 um 77 Prozent zulegen soll. Der Wettbewerber SK Hynix reagiert darauf mit einer milliardenschweren Investition von umgerechnet rund 38 Milliarden Dollar in zwei neue Fabriken in Südkorea – ein Signal, das die gesamte Speicherbranche und damit auch Micron in den Fokus rückt.
Auch südkoreanische Privatanleger setzen zunehmend auf US-Technologiewerte abseits von SK Hynix: Zwischen dem 3. und 6. August kauften sie netto Micron-Aktien im Wert von rund 151 Millionen Dollar, vergleichbar mit den Summen, die in Amazon und SanDisk flossen. Grund dafür waren die überraschend starken Cloud-Ergebnisse großer Technologiekonzerne Ende Juli, in deren Sog Micron am 31. Juli um 18,36 Prozent zulegte.
Langfristverträge stützen die Wachstumsstory
Micron hat nach eigenen Angaben 16 Kundenverträge mit Laufzeit bis 2030 abgeschlossen, die Preisuntergrenzen enthalten und damit einen Teil der künftigen Umsätze absichern sollen. Analysten rechnen auf dieser Basis mit einem Anstieg des Konzernumsatzes von 37,4 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2025 auf 263,8 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2028, das Nettoeinkommen soll im selben Zeitraum von 8,5 auf 182 Milliarden Dollar steigen. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,7 auf Basis der erwarteten Gewinne liegt die Aktie damit weit unter ihrem eigenen Zehn-Jahres-Durchschnitt von 22.
Skeptiker verweisen dagegen auf neue Fabrikkapazitäten, die zwischen Mitte 2027 und Ende 2028 an den Markt kommen sollen und das Angebot wieder ausweiten könnten. Zusätzliche Unsicherheit bringt der chinesische Speicherhersteller CXMT ins Spiel, der inzwischen einen Anteil von 7,6 Prozent am globalen DRAM-Umsatz hält und technisch zu westlichen Plattformen aufschließt – auch wenn Fragen zu Qualität und Ausbeute seiner Chips bestehen bleiben. Für Anleger bleibt Micron damit eine Wette auf die Dauer des aktuellen Speicherzyklus.
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