Micron Aktie: 930 Prozent Jahresgewinn vor Quartalsbericht

Micron steht vor einem entscheidenden Test: Der Speicherchip-Hersteller muss am 24. Juni zeigen, ob die Bewertung trotz Rekordkurs und strukturellem Wandel gerechtfertigt ist.

Micron Aktie
Kurz & knapp:
  • Quartalszahlen am 24. Juni erwartet
  • Analysten sehen strukturellen Wandel
  • Aktie nahe Allzeithoch von 938 Euro
  • Überkaufte Signale und Insiderverkäufe

Der Speicherchip-Hersteller Micron steht vor einem entscheidenden Test. Die Aktie notiert nahe Allzeithoch, der Kurs hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verzehnfacht. Doch während einige Analysten von einem fundamentalen Wandel der Branche sprechen, mehren sich die warnenden Stimmen. Am 24. Juni legt Micron die Zahlen für das dritte Geschäftsquartal vor – und muss zeigen, ob die Bewertung noch trägt.

Die Bullen sehen einen Epochenwechsel

Am deutlichsten argumentiert Raymond-James-Analystin Melissa Fairbanks. Nach einer Forschungsreise durch Südkorea und Taiwan – mit Gesprächen bei Samsung, SK Hynix und Zulieferern – zieht sie einen klaren Schluss. Der Speichermarkt verändere sich strukturell. Hersteller agierten disziplinierter als in früheren Zyklen. Kunden schlössen langfristige Abnahmeverträge, die weit mehr Planungssicherheit böten als jemals zuvor. Die Produktionskapazitäten seien für „mehrere Jahre“ ausgelastet. Die Preise blieben stabil. Sorge um die Nachfrage hat Fairbanks nicht.

JPMorgan hat diese Sichtweise unabhängig bestätigt. Die Bank hob ihre Prognose für den weltweiten Speichermarkt an. Bis 2028 soll dieser auf 1,7 Billionen Dollar wachsen. Speicherchips würden sich von zyklischen Rohwaren zu zentralen KI-Infrastruktur-Assets entwickeln. Der Engpass bei HBM-Speicher werde bis 2028 anhalten. Microns gesamte HBM4-Produktion für 2026 ist bereits verkauft.

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Die Quartalszahlen als Stresstest

Für das Ende Mai abgelaufene dritte Quartal erwartet der Markt bereinigte Gewinne von rund 19,29 Dollar je Aktie – mehr als das Zehnfache des Vorjahreswerts von 1,91 Dollar. Der Umsatz soll auf knapp 34 Milliarden Dollar klettern, nach gut 9 Milliarden im Vorjahr. Im vorigen Quartal hatte Micron die Erwartungen klar übertroffen: 12,20 Dollar Gewinn je Aktie statt prognostizierter 9,31 Dollar. Die Bruttomarge nach GAAP hat sich binnen eines Jahres auf 74,4 Prozent verdoppelt.

Der Aktienkurs bildet diese Dynamik extrem ab. Am Mittwoch schloss das Papier bei 932,20 Euro – ein Plus von über 70 Prozent binnen eines Monats. Seit Jahresbeginn summiert sich der Gewinn auf 246 Prozent. Auf Jahressicht beträgt das Plus sogar 930 Prozent. Kein Wunder, dass sich die Aktie ihrem Allzeithoch von 938,70 Euro nur noch knapp annähert.

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Skepsis trotz Rekordkurs

Trotz des Optimismus warnen andere Analysten. Die technischen Indikatoren zeigen klare Überkauft-Signale. Der RSI liegt bei 83,1 – ein Wert, der in der Vergangenheit häufig Rücksetzer ankündigte. Hinzu kommt Insiderverkäufe und der Wettbewerbsdruck durch Samsung und SK Hynix, die um KI-Kunden wie Nvidia konkurrieren.

Der Konsens der Analysten lautet zwar „Strong Buy“. Allerdings liegt das durchschnittliche Kursziel rund 22 Prozent unter dem aktuellen Kurs. Eine ungewöhnliche Diskrepanz. Sie spiegelt weniger Zweifel am fundamentalen Wandel wider als vielmehr das Tempo des Kursanstiegs, der die Prognosen überrollt hat. Die Wahrscheinlichkeit weiterer Kurszielanhebungen ist hoch.

Vergangene Muster raten zur Vorsicht vor Quartalszahlen. Microns größte Kursgewinne traten historisch zwischen den Berichtsterminen auf, nicht unmittelbar danach. Ob der strukturelle Wandel die Milliardenbewertung rechtfertigt – das zeigt sich am 24. Juni.

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