Zwei Großbanken haben ihre Kursziele für Micron Technology innerhalb eines Tages drastisch erhöht — und der Markt hat prompt reagiert. Die Aktie notiert am Donnerstag rund 5,5 Prozent im Plus bei 956,60 Euro. Damit fehlen nur noch gut zwei Prozent bis zum Allzeithoch von 976,40 Euro, das erst am Vortag markiert wurde.

DRAM-Knappheit als Treiber

Deutsche Bank-Analystin Melissa Weathers hob ihr Kursziel von 1.000 auf 1.500 Dollar an. Ihre Kernthese: Das Angebotswachstum bei DRAM hinkt der Nachfrage hinterher — und diese Lücke könnte sich bis 2028 und darüber hinaus halten.

Citi-Analyst Atif Malik zog nach. Er erhöhte sein Kursziel von 840 auf 1.200 Dollar und bestätigte seine Kaufempfehlung. Als Begründung nannte er bessere Speicherpreise als erwartet. Citi schraubte seine Umsatz- und Gewinnschätzungen für das laufende Quartal um 6 Prozent nach oben, für das Folgequartal um 5 Prozent.

Die Preiserwartungen dahinter sind bemerkenswert. Citi rechnet damit, dass die durchschnittlichen DRAM-Verkaufspreise im Jahr 2026 um 200 Prozent steigen. Bei NAND-Speicher erwartet die Bank einen Anstieg von 186 Prozent. Der globale DRAM-Markt soll 2026 rund 5 Prozent unterversorgt bleiben — mit einem Aufwärtszyklus bis mindestens 2027.

KI verschiebt den Bewertungsrahmen

Was hier passiert, ist mehr als ein klassischer Halbleiterzyklus. Investoren preisen zunehmend ein, dass KI-Rechenzentren die Nachfrage nach Hochleistungsspeicher strukturell verändert haben. Das erklärt auch die Dynamik der vergangenen Wochen: In den letzten 30 Tagen hat die Aktie knapp 60 Prozent zugelegt. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von über 255 Prozent.

Technisch ist das Bild überdehnt. Micron notiert mehr als 51 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt und rund 177 Prozent über dem 200-Tage-Schnitt. Der RSI liegt bei 66,2 — noch nicht im überkauften Bereich, aber nah dran. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von fast 96 Prozent zeigt: Die Rally kam mit erheblichen Kursschwankungen.

Quartalszahlen als nächster Prüfstein

Das letzte berichtete Quartal hatte die Messlatte bereits hoch gelegt. Micron erzielte im zweiten Fiskalquartal 2026 einen Umsatz von 23,86 Milliarden Dollar und ein GAAP-Nettoergebnis von 13,79 Milliarden Dollar. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von 33,5 Milliarden Dollar in Aussicht — plus oder minus 750 Millionen Dollar.

Am 24. Juni 2026 um 22:30 Uhr MESZ legt Micron seine Zahlen für das dritte Fiskalquartal vor. Dann entscheidet sich, ob die DRAM-Knappheit und die KI-Preisthese, auf die Deutsche Bank und Citi ihre neuen Ziele stützen, durch harte Zahlen bestätigt werden. Bleiben Umsatz und Marge hinter den hochgeschraubten Erwartungen zurück, könnte die gleiche Erwartungsdynamik, die den Kurs getrieben hat, schnell in die andere Richtung wirken.