Ein breiter Ausverkauf bei Speicherchip-Werten hat Micron am Freitag mit nach unten gerissen – trotz eines Quartalsergebnisses, das sämtliche Erwartungen übertraf. Die Aktie schloss bei 809,20 Euro und verlor damit 6,96 Prozent an einem einzigen Handelstag. Zum 52-Wochen-Hoch fehlen dem Papier inzwischen 26,69 Prozent.
Sektorweiter Ausverkauf erfasst Speicherchip-Werte
Der Philadelphia Semiconductor Index rutschte am selben Tag um 4,25 Prozent ab und ist damit nach einem Minus von mehr als 20 Prozent gegenüber seinen Höchstständen offiziell in einen Bärenmarkt gerutscht. Auch die südkoreanischen Speicherhersteller Samsung Electronics und SK Hynix gaben zwischen 7 und 8 Prozent nach, die SK-Hynix-Hinterlegungsscheine in den USA sogar 8,8 Prozent. Selbst Intel, das eigentlich starke Quartalszahlen vorgelegt hatte, verlor 7,9 Prozent. Nvidia-Chef Jensen Huang zeigte sich beim KI-Gipfel in San Francisco, wo er mit Südkoreas Präsident Lee Jae-myung zusammentraf, gegenüber den Aktienmärkten dennoch zuversichtlich und erwartet eine Erholung der Kurse. Kommende Woche stehen mit den Zahlen von SK Hynix, Samsung, Microsoft und Meta sowie der Fed-Sitzung mehrere Ereignisse an, die die Stimmung in der Branche weiter prägen dürften.
Der Kursrutsch bei Micron fällt in eine Phase, in der der 50-Tage-Durchschnitt bei 843,07 Euro liegt – die Aktie notiert damit rund 4 Prozent darunter und hat den kurzfristigen Aufwärtstrend zumindest angekratzt.
Rekordzahlen und ausverkaufte HBM-Kapazitäten
Fundamental gibt es an Micron wenig auszusetzen. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 verdiente das Unternehmen 25,11 US-Dollar je Aktie und übertraf damit die Konsensschätzung von 21,39 US-Dollar deutlich. Der Umsatz kletterte auf 41,46 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 345,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ebenfalls klar über den erwarteten 35,91 Milliarden US-Dollar. Für das vierte Quartal stellt Micron einen Gewinn je Aktie zwischen 30 und 32 US-Dollar in Aussicht.
Besonders bemerkenswert: Die für das laufende Geschäftsjahr verfügbaren HBM-Kapazitäten sind bereits vollständig verkauft, ein Lieferengpass bei High-Bandwidth-Memory wird über das Jahr 2027 hinaus erwartet. Micron hat nach Angaben aus der Berichterstattung bereits mit HBM4-Auslieferungen begonnen, HBM4E soll 2027 folgen. Langfristige Lieferverträge sichern dem Unternehmen laut vorliegenden Auswertungen ein Mindestumsatzvolumen von über 100 Milliarden US-Dollar bei Preisuntergrenzen, die Bruttomargen von mehr als 70 Prozent garantieren sollen.
Analysten bleiben trotz Kursrutsch optimistisch
Die Reaktion der Analysten auf den Kursrückgang fiel bislang verhalten aus – an den Kurszielen rüttelt kaum jemand. Nach Auswertung von 54 Analystenstimmen liegt das mediane Kursziel bei 1.600 US-Dollar, mit einer Spanne von 361 bis 2.200 US-Dollar. Andere Übersichten nennen ein durchschnittliches Kursziel von 1.268,93 US-Dollar bei einer Konsensempfehlung „Buy“, weitere Quellen sprechen von 1.455,65 US-Dollar bei 48 erfassten Analysten.
Auch prominente Marktbeobachter positionieren sich. Der bekannte Investor Jim Cramer bezeichnete Micron als „the real deal“ und stellte den Wert dem Festplattenhersteller Western Digital gegenüber, dem er attestierte, lediglich „Glück gehabt“ zu haben. Nach seiner Einschätzung bewegt sich Western Digital mit dem 46-Fachen des Gewinns in einem zu teuren Bereich, während er Micron im direkten Vergleich als solider einstuft.
Institutionelle Investoren uneinig, Insider verkaufen
Das Bild unter den großen Kapitalverwaltern ist gemischt. Renaissance Technologies reduzierte seine Micron-Position im ersten Quartal um 28,2 Prozent, hält mit rund 2,16 Millionen Aktien im Wert von 730,7 Millionen US-Dollar aber weiterhin die fünftgrößte Einzelposition im eigenen Portfolio. Senvest Management stieg dagegen neu mit 24.000 Aktien ein, Sustainable Insight Capital Management stockte seine – deutlich kleinere – Position um 165,8 Prozent auf. Modern Wealth Management wiederum verkaufte im gleichen Zeitraum einen Teil seines Bestands. Insgesamt zählte die Aktie im ersten Quartal 154 Hedgefonds als Anteilseigner, nach 137 im Schlussquartal 2025 – ein spürbarer Zuwachs. Auch der Investor David Tepper führt Micron über seine Beteiligungsgesellschaft Appaloosa Management unter seinen fünf größten Positionen, neben Uber, Alphabet, TSMC und Amazon.
Auf der Insiderseite überwiegen dagegen Verkäufe: Firmenchef Sanjay Mehrotra trennte sich im Mai und Juni von größeren Aktienpaketen, Direktorin Lynn Dugle verkaufte Ende Juni 1.300 Anteile, Konzern-Vizepräsidentin April Arnzen Anfang Juli 40.000 Stück. In den vergangenen 90 Tagen summierten sich die Insiderverkäufe auf 163.300 Aktien im Wert von 152,7 Millionen US-Dollar – ein Signal, das Anleger angesichts der parallel laufenden Kaufzurückhaltung institutioneller Investoren im Auge behalten dürften.
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