Ein Kursziel von 1.750 Dollar für eine Aktie, die gerade erst um 300 Prozent gestiegen ist — KeyBanc-Analyst John Vinh traut Micron noch einmal 87 Prozent Aufwärtspotenzial zu. Citi zieht mit einem eigenen Kursziel von 1.400 Dollar nach und setzt den Speicherchip-Hersteller auf eine 90-tägige Beobachtungsliste für positive Kursimpulse. Die Wall Street bleibt bullisch, während die Aktie selbst zwischen Rekordhoch und heftigen Rücksetzern pendelt.
Zwei Analysten, ein Bild: Preise steigen weiter
Citi bekräftigt seine Kaufempfehlung für Micron und begründet das Kursziel von 1.400 Dollar mit der starken Preisdynamik bei DRAM-Speicherchips, angetrieben durch die KI-Nachfrage. Die Bank erwartet Engpässe am Speichermarkt bis mindestens 2027.
KeyBanc-Analyst Vinh geht noch weiter. Er ist eigens nach Asien gereist, um die Lieferkette vor Ort zu prüfen. Sein Fazit: Rechenzentren fragen massiv Speicher nach, und die Preise für DRAM und NAND-Flash-Speicher dürften bis Jahresende zweistellig zulegen.
Konkret rechnet Citi mit einem Anstieg der DRAM-Preise um 15 bis 20 Prozent im dritten Quartal, gefolgt von weiteren 15 Prozent im vierten Quartal. Bei NAND-Flash-Speicher sieht die Bank sogar ein Plus von 30 bis 40 Prozent im dritten Quartal. Die Preise für High-Bandwidth-Memory-Chips könnten sich im kommenden Jahr sogar mehr als verdoppeln.
Die Aktie zittert trotz guter Nachrichten
Der Kurs selbst erzählt eine andere, nervösere Geschichte. Nach einem Plus von 304 Prozent im ersten Halbjahr 2026 brach die Aktie am 13. Juli innerhalb eines Handelstages um 4,6 Prozent ein. Anleger nahmen Gewinne mit, zusätzlich belasteten steigende Spannungen im Nahen Osten die Risikobereitschaft am Markt.
Die Erholung kam prompt. Von diesem Tief aus legte die Aktie um 4,7 Prozent zu und erreichte im Tagesverlauf über 994 Dollar. Diese Schwankungsbreite zeigt sich auch im Euro-Kurs: Am Dienstag schloss Micron bei 861,50 Euro, ein Plus von 3,68 Prozent innerhalb von sieben Handelstagen.
Auf Monatssicht steht dennoch ein Minus von 7,91 Prozent zu Buche. Zum Rekordhoch vom 25. Juni bei 1.103,80 Euro fehlen der Aktie aktuell fast 22 Prozent. Seit Jahresbeginn bleibt trotzdem ein Plus von über 220 Prozent stehen — auf Zwölfmonatssicht sogar von mehr als 730 Prozent.
Die Zahlen stützen die Story
Hinter der Kursvolatilität steht ein Unternehmen, das seine Wachstumszahlen zuletzt drastisch beschleunigt hat. Im dritten Geschäftsquartal meldete Micron einen Umsatz von 41,46 Milliarden Dollar. Im Vorquartal waren es noch 23,86 Milliarden Dollar, vor einem Jahr gerade einmal 9,30 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 25,11 Dollar.
Nicht jeder Analyst zeichnet ein durchweg positives Bild. Einige verweisen auf Ausführungsrisiken beim Hochfahren der HBM-Produktion, wo Konkurrenten teils schneller skalieren konnten als Micron. Dieses Risiko dürfte die Stimmung immer wieder belasten, auch wenn die Preistrends grundsätzlich für das Unternehmen sprechen.
Technisch an einem Wendepunkt
Mit einem RSI von 49,4 zeigt die Aktie derzeit weder Überkauft- noch Überverkauft-Signale — der Markt sucht offenbar nach Orientierung. Der Kurs notiert 5,55 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt, aber weiterhin deutlich unter dem jüngsten Hoch. Die annualisierte Volatilität von rund 110 Prozent unterstreicht, wie nervös der Handel in den vergangenen Wochen verlaufen ist.
Citis 90-Tage-Fenster für positive Kursimpulse läuft parallel zu den nächsten Preisrunden am Speichermarkt, die laut Analysten bereits im dritten Quartal einsetzen sollen. Ob die Aktie von hier aus in Richtung der neuen Kursziele klettert oder erst einmal weiter die Gewinne des bisherigen Jahres verdaut, dürfte sich in diesem Zeitfenster zeigen.
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