Micron Aktie: NVIDIA bestätigt HBM4-Zertifizierung

Micron-Aktie bricht um über zwölf Prozent ein, trotz bestätigter HBM4-Zertifizierung durch NVIDIA. Analysten sehen Übertreibung.

Micron Aktie
Kurz & knapp:
  • Tagesverlust von über zwölf Prozent
  • NVIDIA bestätigt HBM4-Zertifizierung
  • Breiter Sektorausverkauf belastet
  • Quartalszahlen am 24. Juni erwartet

Ein Minus von 12,16 Prozent an einem einzigen Tag – Micron verlor am Freitag massiv an Wert. Auf den ersten Blick ein weiterer Kollaps im überhitzten KI-Sektor. Aber der Reihe nach: Der Chipkonzern fiel auf 755,00 € zurück, der größte Tagesverlust seit Monaten. Für mich stellt sich die Frage, ob hier wirklich fundamentale Gefahr droht oder vielmehr eine überzogene Panikreaktion abläuft.

Der SemiAnalysis-Schock und die NVIDIA-Wahrheit

Der konkrete Auslöser für Microns Absturz – die Aktie war am Freitag der schwächste Wert im S&P 500 – war ein Bericht des Analysehauses SemiAnalysis. Darin hieß es, NVIDIA plane, den Speicherbedarf in seinen kommenden Vera-Rubin-Servern von 55 TB auf 28 TB zu halbieren. Für einen Hersteller wie Micron, dessen gesamte KI-These auf steigender Speicherintensität beruht, wäre das ein schwerer Schlag.

Die Wahrscheinlichkeit spricht jedoch für eine optimistischere Deutung. Am selben Tag bestätigte NVIDIA-CEO Jensen Huang offiziell die HBM4-Zertifizierung für Micron – gemeinsam mit SK Hynix und Samsung. Das ist kein kleiner Meilenstein. Die Zertifizierung sichert Micron den Zugang zur nächsten KI-Plattform-Generation. Und das Management widerspricht den Halbierungsgerüchten deutlich: HBM4 befinde sich bereits in der Massenproduktion, Lieferungen könnten sogar vor dem Zeitplan starten.

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Hinzu kommt: Der gesamte Halbleitersektor erlebte einen perfekten Sturm. Broadcom hatte die jährliche KI-Umsatzprognose nicht angehoben – das reichte, um den PHLX Semiconductor Index um 10,3 Prozent einbrechen zu lassen, der schlimmste Tag seit 2020. Der Ausverkauf bei Micron war also weniger ein unternehmensspezifisches Problem, sondern vielmehr eine systematische Risikoreduktion bei überkauften KI-Werten.

Makro-Gegenwind und die notwendige Abkühlung

Die US-Arbeitsmarktdaten für Mai kamen mit 172.000 neuen Stellen deutlich stärker als erwartet. Das schürt neue Ängste vor weiteren Zinserhöhungen der Fed. Für wachstumsstarke Tech-Aktien bedeutet die Aussicht auf länger hohe Zinsen eine unmittelbare Belastung für die Bewertung. Kein Wunder, dass Anleger hier Gewinne mitnahmen.

Technisch betrachtet argumentiert der Rücksetzer für eine gesunde, wenn auch schmerzhafte Korrektur. Micron notiert noch 41,53 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 533,47 € – der mittelfristige Aufwärtstrend ist intakt. Der Kurs liegt zudem 19,57 Prozent unter dem Rekordhoch von 938,70 € vom 3. Juni. Auf Jahressicht steht immer noch ein Plus von 180,67 Prozent, in den letzten zwölf Monaten sogar 712,53 Prozent.

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Interessant ist ein Blick auf die Analystenschätzungen: Der Konsens liegt bei 635,20 € – der aktuelle Kurs von 755,00 € übertrifft das um 18,8 Prozent. Morgan Stanley hat zuletzt ein Kursziel von 1.050 Dollar gesetzt. Die Bewertungslücke zeigt, dass der breite Markt mit dem jüngsten Anstieg noch nicht schritthalten konnte – und damit anfällig für Gewinnmitnahmen war.

Der 24. Juni wird Klarheit bringen

Ob der Freitag nun der Beginn einer tieferen Korrektur war oder eine Kaufgelegenheit darstellt, wird sich am 24. Juni zeigen. Dann legt Micron die Zahlen für das dritte Geschäftsquartal vor. Bis dahin bleibt die Aktie ein Kampfplatz zwischen denen, die einen Höhepunkt der KI-Investitionen fürchten, und denen, die auf den unstillbaren Hunger nach High-Bandwidth-Memory setzen.

Mein Urteil: Die fundamentale Basis für Micron ist mit der bestätigten HBM4-Zertifizierung durch NVIDIA deutlich solider, als es die Kursbewegung vom Freitag glauben machen will. Die Volatilität von annualisiert 101 Prozent spricht für extreme Nervosität – aber nicht für ein gebrochenes Geschäftsmodell.

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Über Dieter Jaworski 4706 Artikel

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Parallel zu meiner wachsenden Finanzexpertise war ich 29 Jahre bei Siemens in internationalen Positionen tätig (u.a. Netzplanung, technische Großprojekte, Vertriebsleitung). Diese Zeit verschaffte mir tiefe Einblicke in die Abläufe und Kennzahlen großer Konzerne – ein unschätzbarer Vorteil für die heutige Aktienbewertung. Ich war zudem im Research-Team eines Finanzinstituts und als Gutachter für einen Wirtschaftsverlag tätig.

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