Mehr als 250 Prozent Kursgewinn seit Jahresanfang — und Analysten erhöhen die Kursziele weiter drastisch. Bei Micron Technology dreht sich die Debatte nicht mehr um die Frage, ob der KI-Speicherzyklus stark ist. Die neue Frage lautet: Wie lange hält er noch an?

RBC verdoppelt das Kursziel

RBC Capital hat am 15. Juni sein Kursziel für Micron von 525 auf 1.200 Dollar angehoben und die Einstufung auf „Outperform“ belassen. Die Begründung ist ungewöhnlich konkret. RBC argumentiert, der aktuelle DRAM-Aufwärtszyklus befinde sich bereits im zwölften Quartal — deutlich länger als die acht bis neun Quartale der Zyklen von 2014 und 2018.

Entscheidend ist der Ausblick. RBC sieht einen glaubwürdigen Pfad für weitere fünf bis sechs Quartale Expansion. Als Treiber nennt die Bank gedämpftes Angebotswachstum bis Ende 2027, knappe Reinraumkapazitäten sowie anhaltende Nachfrage aus generativer KI, Inferencing und agentischen KI-Anwendungen.

Drei Häuser, drei Kurszielerhöhungen

RBC war nicht allein. TD Cowen hob sein Ziel von 660 auf 1.500 Dollar an und verwies auf höheren DRAM-Inhalt pro Gigawatt sowie Preisbeständigkeit bis in die zweite Hälfte des Kalenderjahres 2027. Aletheia Capital ging noch weiter und setzte das Ziel auf 1.600 Dollar. Die Firma wechselte dabei ihren Bewertungsansatz — weg vom historischen Kurs-Buchwert-Verhältnis, hin zu einem Kurs-Gewinn-Modell auf Basis der 2027-Schätzungen.

Das Muster ist eindeutig: Alle drei Häuser preisen Micron nicht mehr als zyklischen Speicherchiphersteller, sondern als KI-Infrastrukturlieferant mit mehrjähriger Preissetzungsmacht.

Kurs nahe Allzeithoch, Erwartungen bereits hoch

Die Aktie notiert bei 947,30 Euro, knapp drei Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 976,40 Euro vom Dienstag. In den vergangenen 30 Tagen legte der Kurs rund 62 Prozent zu. Der RSI liegt bei 67,9 — stark, aber noch nicht im überhitzten Bereich.

Der Philadelphia Semiconductor Index stieg am 15. Juni um mehr als fünf Prozent auf ein Rekordhoch. Microns Bewegung war dabei ausgeprägter als ein reiner Sektoreffekt.

Quartalszahlen am 24. Juni als Belastungstest

Die Latte liegt hoch. Im zweiten Geschäftsquartal erzielte Micron einen Umsatz von 23,86 Milliarden Dollar und ein operatives Cashflow von 11,90 Milliarden Dollar. Für das dritte Quartal hat das Unternehmen einen Umsatz von 33,5 Milliarden Dollar sowie einen Non-GAAP-Gewinn je Aktie von 19,15 Dollar in Aussicht gestellt.

Am 24. Juni präsentiert Micron diese Zahlen. Der Markt erwartet dann nicht nur Bestätigung der Guidance — er erwartet Signale zur Preisdisziplin, zur Nachfragesichtbarkeit und zur Entwicklung der Hochbandbreitenspeicher bis weit in das Jahr 2027. Bleiben diese Signale aus, dürfte die Bewertung auf Basis künftiger Zyklusannahmen schnell unter Druck geraten.