Micron Technology liefert historische Zahlen. Der Umsatz explodiert im dritten Quartal um 346 Prozent auf gut 41 Milliarden US-Dollar. Die Prognose für das Folgequartal liegt bei massiven 50 Milliarden Dollar.
Die Produktionskapazität für KI-Speicherchips ist bis Ende 2026 restlos ausverkauft. Die Börse reagiert trotzdem negativ. Die Aktie fiel am Freitag um 6,52 Prozent auf 995,60 Euro.
Anleger hinterfragen die extremen Margen nach einer Jahresrally von über 270 Prozent.
Die entscheidende Frage
Der weitere Weg der Aktie hängt an einem zentralen Punkt. Können die neuen Kundenverträge den Speichermarkt in ein berechenbares Infrastrukturgeschäft verwandeln? Oder signalisiert die angekündigte Abschwächung der Preissteigerungen einen nahenden zyklischen Höhepunkt?
Das Bullen-Szenario: Beispiellose Sichtbarkeit
Für Optimisten bietet das Auftragsbuch eine enorme Planungssicherheit. Micron hat 16 mehrjährige strategische Kundenverträge abgeschlossen. Diese umfassen finanzielle Zusagen von rund 22 Milliarden Dollar.
Darunter fallen 18 Milliarden Dollar an direkten Barzahlungen. Diese Verträge decken etwa 20 Prozent des DRAM- und 30 Prozent des NAND-Volumens ab.
Sie etablieren feste Preisuntergrenzen. Das Management erwartet dadurch Margen weit über früheren historischen Höchstständen.
Der Übergang zur neuen HBM4-Technologie verläuft rasant. Der HBM4-Umsatz überschreitet bereits die Marke von einer Milliarde Dollar. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Kursplus von fast 825 Prozent.
Analysten sehen weiteres Potenzial. Die durchschnittlichen Kursziele liegen zwischen 1.263 und 1.293 US-Dollar. Micron profitiert als einer von nur drei globalen Anbietern von einer enormen Preissetzungsmacht.
Das Bären-Szenario: Steigende Kosten
Pessimisten blicken auf die immense Kapitalintensität. Micron erhöht seine Investitionen für das laufende Geschäftsjahr auf rund 27 Milliarden Dollar. Für 2027 plant der Konzern noch höhere Ausgaben.
Neue Fabriken in Idaho und New York kosten Milliarden. Die Anlaufkosten steigen. Das Management erwartet ab dem vierten Quartal deutlich spürbare Belastungen.
Diese Kosten könnten die bereinigte Bruttomarge drücken. Zuletzt lag diese bei 84,9 Prozent. Ein weiteres Warnsignal: Das Management rechnet für das kommende Quartal mit einer spürbaren Abschwächung der Preissteigerungen.
Am 25. Juni markierte die Aktie noch ein 52-Wochen-Hoch bei 1.103,80 Euro. Seitdem kühlt die Stimmung etwas ab. Die offenen Forderungen kletterten auf 31 Milliarden Dollar.
Die Folge: Der Zahlungseingang hinkt den verbuchten Rekordumsätzen hinterher. Schwächt sich der KI-Ausbau der großen Tech-Konzerne ab, wird diese hohe Kostenbasis zum Problem.
Ausblick: Der nächste Katalysator
Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei HBM-Chips bleibt vorerst akut. Die Kundenanzahlungen von 22 Milliarden Dollar bilden ein massives Liquiditätspolster.
Das spricht für eine anhaltende Neubewertung von Micron als KI-Infrastruktur-Profiteur. Beschleunigt sich der abflachende Preistrend jedoch, droht Ungemach.
Fressen die Anlaufkosten neuer Fabriken die Margen stärker auf als erwartet, dürfte die Aktie ihr 52-Wochen-Hoch schwer zurückerobern. Der nächste entscheidende Termin sind die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal.
Die Aussagen des Managements zur HBM-Zuteilung für 2027 werden dann die Richtung vorgeben. Fällt der Kurs weiter, dient der 50-Tage-Durchschnitt bei 707,86 Euro als wichtige charttechnische Unterstützung.
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