Wolfe Research hat sein Kursziel für Micron von 550 auf 1.250 Dollar mehr als verdoppelt. Der Grund: Die Nachfrage nach Speicherchips für KI-Infrastruktur übersteigt das verfügbare Angebot — und das dürfte sich so schnell nicht ändern.
Ausverkaufte HBM-Kapazitäten treiben Kursziele
Micron hat seine gesamte Produktion an High Bandwidth Memory für 2026 bereits verkauft. Analysten sehen Speicher als zentralen Engpass in der KI-Lieferkette. Wolfe Research erwartet, dass die Nachfrage das Angebot bis mindestens 2027 übersteigt — möglicherweise sogar bis 2028. Begrenzte Reinraumkapazitäten weltweit machen einen schnellen Angebotsanstieg unwahrscheinlich.
Wells Fargo zog mit einem Kursziel von 1.220 Dollar nach und bewertet die Aktie mit „Overweight“. Goldman Sachs verdoppelte sein Ziel auf 900 Dollar, hält aber an „Neutral“ fest. Die Begründung: Die Erwartungen der Anleger könnten sich einem zyklischen Höhepunkt nähern — gerade vor den anstehenden Quartalszahlen.
100 Milliarden Dollar für New York
Parallel zu den Kurszielen schreitet Microns Fabrikausbau in den USA voran. Das Unternehmen hat Bechtel als Baupartner für die erste Phase seines Halbleiterwerks in Clay, New York, ausgewählt. Die Anlage soll zum größten Halbleiterkomplex der USA werden.
Micron plant, über die nächsten 20 Jahre bis zu 100 Milliarden Dollar in den New Yorker Standort zu investieren. Allein die erste Phase kostet bis Ende des Jahrzehnts 20 Milliarden Dollar. Das Projekt soll rund 50.000 Arbeitsplätze schaffen — davon 9.000 direkt bei Micron.
Breiter gefasst investiert Micron bis 2030 rund 50 Milliarden Dollar in US-Fertigungskapazitäten. Dazu gehören Werke in Boise, Idaho, und die ersten beiden Fabriken in Clay. Die Idaho-Produktion soll Mitte 2027 starten, New York folgt Ende 2030.
Quartalszahlen als nächster Prüfstein
Am 24. Juni legt Micron seinen Quartalsbericht für das dritte Geschäftsquartal 2026 vor. Der Konsens erwartet einen Umsatz von rund 34 Milliarden Dollar — gegenüber 9,3 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Der Gewinn je Aktie soll auf 19,46 Dollar steigen, nach 1,91 Dollar vor einem Jahr.
Die Aktie notiert aktuell bei rund 857 Euro und liegt damit knapp 9 Prozent unter ihrem Allzeithoch vom 3. Juni. Seit Jahresbeginn hat sie mehr als 218 Prozent zugelegt. Der RSI liegt bei 62,5 — erhöht, aber noch nicht im überkauften Bereich.
Allerdings zeigt das Insider-Bild eine andere Seite. CEO Sanjay Mehrotra verkaufte Ende Mai knapp 37.500 Aktien. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei über 100 Prozent. Institutionelle Investoren halten zwar mehr als 80 Prozent der Aktien — die Kursziele und die Fabrik-Ambitionen werden am 24. Juni ihren ersten großen Realitätscheck bekommen.
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