Die Wall Street ruft den Beginn eines mehrjährigen Superzyklus aus. Im Vorstand von Micron Technology trennt man sich derweil von Aktienpaketen im zweistelligen Millionenwert. Bei dem Speicherchip-Hersteller klaffen externe Euphorie und interne Vorsicht derzeit weit auseinander.
Die Analysten von KeyBanc positionieren sich eindeutig. Sie zählen Micron neben Nvidia und Intel zu ihren Top-Favoriten im Halbleitersektor. Der eigentliche Aufschwung stehe erst noch bevor und dürfte getrieben vom KI-Ausbau bis in das Jahr 2027 anhalten. Ein wichtiger Faktor für diesen Optimismus ist der Abbau der Lagerbestände. Abseits des KI-Segments fielen die Reserven in der Lieferkette auf den historischen Schnitt von 75 Tagen.
Explodierende Speicherpreise
Die Entwicklung am Speichermarkt stützt diese These. Im ersten Quartal 2026 verdoppelten sich die Preise für DRAM- und NAND-Speicher im Vergleich zum Vorquartal. Für das laufende zweite Jahresviertel erwartet der Markt weitere Aufschläge von bis zu 50 Prozent.
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Micron profitiert massiv vom Hunger nach High-Bandwidth-Memory (HBM) für KI-Anwendungen. Die gesamte HBM-Produktion für das Kalenderjahr 2026 ist bereits vollständig ausverkauft. Bis 2028 rechnet das Unternehmen mit einem Marktwachstum auf rund 100 Milliarden US-Dollar.
Insider nehmen Gewinne mit
Innerhalb der Konzernführung zeigt sich ein anderes Bild. Führende Manager verkauften in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von rund 53 Millionen US-Dollar. Käufe aus der Chefetage blieben im selben Zeitraum komplett aus. Parallel dazu positionieren sich Marktteilnehmer am Optionsmarkt zunehmend defensiv. Das Put-Call-Verhältnis stieg zuletzt auf einen Wert von 0,84 an, was auf eine verstärkte Absicherung gegen Kursverluste hindeutet.
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Gewinnmitnahmen scheinen nach der jüngsten Rally naheliegend. Die Micron-Aktie notiert aktuell bei 388,70 Euro und hat sich auf Sicht von zwölf Monaten mehr als verfünffacht. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von knapp 45 Prozent auf der Kurstafel. Das Papier bewegt sich damit in direkter Schlagdistanz zu seinem 52-Wochen-Hoch.
Um das künftige Wachstum zu stemmen, muss der Konzern tief in die Tasche greifen. Das Management hob das Investitionsbudget für das Geschäftsjahr 2026 auf über 25 Milliarden US-Dollar an. Im Folgejahr sollen die Ausgaben für neue Fabriken um einen weiteren zweistelligen Milliardenbetrag steigen.
Trotz der hohen Investitionskosten bleibt die Wall Street auf der Käuferseite. Von 28 befragten Analysten empfehlen 25 das Papier zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 543,20 US-Dollar. Ein kurzfristiger Gegenwind droht lediglich von Nvidia. Deren neuer Rubin-Chip verzögert sich aufgrund von Zertifizierungsproblemen, was die Produktionsziele für die benötigten HBM-Speicher im laufenden Quartal drosselt.
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