Elon Musk hat Micron Technology bei der Vorlage der SpaceX-Quartalszahlen für einen entscheidenden Beitrag zur Versorgung mit Speicherchips gedankt. Der SpaceX-Chef bezifferte gestern das weltweite Wachstum der Speichernachfrage auf 200 Prozent pro Jahr, während das Angebot lediglich um 20 Prozent zulege. Micron habe eine „signifikante Zuteilung“ an Chips bereitgestellt, um die KI-Infrastruktur des Raumfahrtunternehmens zu unterstützen. Bereits am 23. Juli hatte Musk bei der Tesla-Telefonkonferenz ähnliche Worte gefunden und Micron für eine „sehr signifikante Zuteilung“ von Speicherchips zu „vernünftigen Konditionen“ gedankt, trotz volatiler Marktpreise.
Die doppelte Wertschätzung aus zwei einflussreichen Tech-Konzernen fällt in eine Phase, in der die Micron-Aktie deutlich unter ihre Rekordstände zurückgefallen ist. Der Titel schloss am Mittwoch bei 778,00 Euro und liegt damit 29,52 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 1.103,80 Euro, das erst im Juni erreicht wurde. Über die vergangenen sieben Tage konnte die Aktie um 2,48 Prozent zulegen, was auf eine gewisse Stabilisierung nach dem starken Rückgang hindeutet.
Bank of America hält an ambitioniertem Kursziel fest
Bank-of-America-Analyst Vivek Arya bekräftigte gestern seine Kaufempfehlung für Micron Technology und beließ das Kursziel bei 1.550,00 US-Dollar. Arya bewertet den Rückgang der Aktie von rund 34 Prozent seit ihrem Junihoch als einen „Reset in der Stimmung“ und nicht als fundamentalen Abschwung. Diese Einschätzung deckt sich mit der Kursbewegung vom Montag, als die Aktie im vorbörslichen Handel rund 4 Prozent verlor. Ausgelöst wurde der Rücksetzer durch einen breiteren Ausverkauf im Halbleitersektor, nachdem Berichte über Entwicklungen des chinesischen Start-ups DeepSeek an eigenen KI-Chips die Runde machten – ein Vorstoß, mit dem sich das Unternehmen unabhängiger von westlicher Hardware machen will.
Der fundamentale Hintergrund für den Optimismus der Analysten liegt in den Geschäftszahlen, die Micron am 24. Juni vorgelegt hatte. Das Unternehmen meldete für das dritte Fiskalquartal einen Rekordumsatz von 41,46 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 345,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 25,11 US-Dollar und übertraf den Analystenkonsens von 21,39 US-Dollar deutlich. Parallel dazu unterzeichnete das Management 16 sogenannte Strategic Customer Agreements mit einem Mindestumsatzvolumen von 100 Milliarden US-Dollar auf Basis fester Preisuntergrenzen, abgesichert durch 22 Milliarden US-Dollar an Kundenanzahlungen und bindende „Take-or-Pay“-Verpflichtungen.
Insider verkauft, institutionelle Investoren stocken auf
Während Konzernchefs wie Musk öffentlich für die Liefertreue werben, nutzte Micron-Chef Sanjay Mehrotra selbst die Kursentwicklung, um Kasse zu machen. Am 28. Juli verkaufte er 8.715 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 951,72 US-Dollar, was einem Gesamtvolumen von rund 8,29 Millionen US-Dollar entspricht. Der Verkauf erfolgte im Rahmen eines vorab festgelegten Handelsplans nach Rule 10b5-1, wie aus einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht hervorgeht.
Auf der institutionellen Seite zeigt sich unterdessen Zukauflaune. Der Investor BDF Gestion stockte seine Position im zweiten Quartal um 13,0 Prozent auf 19.119 Aktien auf, wie aus einer Meldung an die US-Börsenaufsicht hervorgeht. Rathbones Group erhöhte seinen Bestand im ersten Quartal sogar um 31,4 Prozent auf 27.152 Aktien mit einem Wert von rund 9,17 Millionen US-Dollar. Solche Zukäufe fallen zeitlich mit dem Kursrückgang zusammen und deuten darauf hin, dass Teile der institutionellen Anleger die Schwäche als Einstiegsgelegenheit werten.
Technologievorsprung und HBM-Ausblick
Auf technischer Ebene demonstrierte Micron in dieser Woche gemeinsam mit Microchip Technology auf der FMS-2026-Konferenz ein Speichersystem auf Basis von PCIe 6.0. Im Zentrum stand die NVMe-SSD 9650 von Micron in Kombination mit dem Switchtec-PCIe-6.0-Switch von Microchip. Am 10. August wird Micron beim KeyBanc Capital Markets Technology Leadership Forum auftreten, um Nachfragetrends im Geschäft mit High-Bandwidth-Memory-Chips zu erläutern – jenem Segment, das angesichts der von Musk beschriebenen Nachfragedynamik im Fokus der Anleger stehen dürfte.
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