Im Sog einer branchenweiten Halbleiter-Rally hat die Aktie von Micron Technology am Freitag um 3,8 % auf 884,00 Euro zugelegt. Auslöser der breiten Erholung im Chipsektor waren Äußerungen von Intel-Chef Lip-Bu Tan, der vor einer anhaltenden Verknappung von Speicherkapazitäten und weiter steigenden Preisen warnte. Anleger griffen daraufhin bei Herstellern von Speicherbausteinen zu.

Tan hatte auf dem AI Infrastructure Forum in Santa Clara davor gewarnt, dass der Engpass infolge des Booms bei künstlicher Intelligenz zunimmt. Das begrenzte Angebot verzögere bereits Projekte und erschwere die Beschaffung von Komponenten für Smartphones und Laptops im mittleren und unteren Preissegment.

Der Intel-Chef erwartet, dass sich die Knappheit im kommenden Jahr noch verstärken wird, da zusätzliche Produktionskapazitäten nicht ausreichen. Die Speicherpreise hätten mancherorts bereits das Fünf- bis Siebenfache früherer Niveaus erreicht.

Tarifkonflikt in Taiwan schwelt weiter

Trotz des Rückenwinds durch die Branchenstimmung steht das US-Unternehmen vor einer operativen Belastungsprobe. In Taiwan fand am Freitag einer von zwei zentralen Schlichtungsterminen mit der Arbeitnehmerseite statt. Die Gewerkschaften, die nach eigenen Angaben fast 10.000 der rund 15.000 Beschäftigten an den Standorten Taoyuan und Taichung vertreten, drohen mit einer Urabstimmung über Streikmaßnahmen.

Die Arbeitnehmervertreter fordern, das bisherige Bonussystem durch eine feste Beteiligung in Höhe von 15 % am operativen Gewinn zu ersetzen. Zwar kündigte Micron für das Geschäftsjahr 2026 Sondervergütungen im Gegenwert von 35 bis 68 Monatsgehältern für die dortige Belegschaft in der Fertigung an, die Gewerkschaft stuft diese jedoch als Einmalzahlung ein und verlangt ein dauerhaftes, transparentes Modell.

Zuvor hatte der Konzern bereits ein weltweites Vergütungspaket für über 60.000 Mitarbeiter vorgestellt, das erstmals aktienbasierte Vergütungen für die gesamte Belegschaft vorsieht.

Milliardeninvestition in die Forschung

Abseits der Verhandlungen treibt der Konzern seine technologische Aufstellung voran. Am 15. September berief Micron Deirdre Hanford zur Corporate Vice President und Präsidentin der Micron Research Labs. Die Managerin war zuvor 37 Jahre bei Synopsys tätig, unter anderem als Chief Security Officer und Co-General Manager der Design Group.

Die im August gegründete Forschungseinrichtung mit Hauptsitz in Boise im US-Bundesstaat Idaho soll die langfristige Technologieentwicklung absichern. Micron beabsichtigt, über das kommende Jahrzehnt rund 10 Milliarden Dollar in diese Labore zu investieren.

Mit dem jüngsten Kursanstieg notiert das Papier an den Börsen 20 % unter seinem 52-Wochen-Hoch. Aufschluss über die finanzielle Verfassung nach dem starken Vorquartal erhalten Marktteilnehmer in Kürze: Am 30. September 2026 legt Micron die Ergebnisse für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor.