Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 1,33 Prozent zu Buche, auf Monatssicht von 2,16 Prozent. Seit Jahresbeginn hat der Titel 16,39 Prozent verloren, binnen zwölf Monaten sogar 21,30 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 478,10 Euro vom 28. Oktober 2025 fehlen der Aktie 29,42 Prozent, während sie sich vom 52-Wochen-Tief bei 307,10 Euro vom 25. Juni 2026 um 9,88 Prozent entfernt hat. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 348,17 Euro, der Kurs damit 3,08 Prozent darunter; zum 200-Tage-Durchschnitt von 378,98 Euro beträgt der Abstand 10,96 Prozent. Der RSI von 49,1 signalisiert eine neutrale Marktlage, die Marktkapitalisierung beläuft sich auf 2.499,35 Milliarden Euro.

Analysten sehen günstige Bewertung

Trotz der Kursverluste bleiben die Analysten von Citi zuversichtlich für Aktien mit KI-Bezug im Softwaresektor. Sie sehen die IT-Ausgaben im zweiten Quartal verbessert und erwarten, dass die Ausgaben von Unternehmen für Künstliche Intelligenz das Wachstum weiter antreiben. Für Microsoft nennt Citi ein Kursziel von 620 US-Dollar. Auch der Anlagedienst Motley Fool zählt den Titel zu den vermeintlich günstigen KI-Werten: Microsoft notiert mehr als 30 Prozent unter seinem Allzeithoch, das Forward-KGV von 19 markiert den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Als Wachstumstreiber gelten annualisierte Erlöse aus KI-Produkten von 37 Milliarden Dollar, ein Plus von 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sowie ein Wachstum der Cloud-Sparte Azure von 40 Prozent.

Sammelklage wegen Copilot-Problemen

Parallel dazu erinnert die Kanzlei Rosen Law Firm Microsoft-Aktionäre an die Frist zur Anmeldung als Lead Plaintiff in einer Sammelklage wegen mutmaßlichen Wertpapierbetrugs. Die Frist läuft am 11. August 2026 ab. Die Klage bezieht sich auf den Zeitraum vom 1. Mai 2025 bis zum 28. Januar 2026 und wirft dem Konzern vor, falsche Angaben zu Problemen mit Copilot, zu KI-Modell-Benchmarks, zum Kapitalbedarf und zu Schwierigkeiten bei der Umwandlung von Nutzern in zahlende Abonnenten gemacht zu haben.

Kritik an US-Regulierung und Nachhaltigkeitsziele

Microsoft-Präsident Brad Smith kritisierte auf dem AI for Good Global Summit am 9. Juli 2026 die aktuelle US-KI-Regulierung als „Regulierung ohne transparente oder vollständige Regeln“. Als Beispiel nannte er Exportkontrollen gegen Anthropics Modelle Fable 5 und Mythos 5, die im Juni verhängt und Anfang Juli wieder aufgehoben wurden, sowie Beschränkungen beim Rollout von OpenAIs GPT-5.6. Smith wirbt für ein strukturiertes Regelwerk für Künstliche Intelligenz.

Zugleich räumt Microsoft ein, dass der Ausbau CO2-intensiver KI-Rechenzentren das eigene Nachhaltigkeitsziel für 2030 gefährdet. Ein leitender Nachhaltigkeitsverantwortlicher des Konzerns hält das Ziel dennoch weiterhin für machbar.

Produktoffensive mit GPT-5.6

Auf Produktebene treibt Microsoft die Integration neuer KI-Modelle voran. Seit dem 10. Juli 2026 stellt der Konzern Microsoft 365 Copilot auf die GPT-5.6-Modellfamilie mit den Varianten Sol, Terra und Luna um. Das Flaggschiff-Modell Sol erreicht im Benchmark „Agents‘ Last Exam“ 53,6 Punkte. Der autonome Assistent Copilot Cowork, Teil der E7 Frontier Suite, ist bereits seit Mitte Juni 2026 allgemein verfügbar; das verbrauchsbasierte Abrechnungssystem Copilot Credits mit Prepaid- und Pay-as-you-go-Optionen startete zum gleichen Zeitpunkt. Allerdings meldeten Nutzer bereits erste Abrechnungsfehler, etwa eine Belastung von 94,26 Euro trotz vorhandenem Guthaben.

Auch abseits des operativen Geschäfts bleibt Microsoft juristisch gefordert: Ein brasilianisches Gericht verurteilte den Konzern dazu, das gesperrte Xbox-Konto eines Spielers samt Spielebibliothek wiederherzustellen, nachdem Microsoft mit zwölf Anwälten gegen eine Forderung von umgerechnet rund 400 US-Dollar vorgegangen war. Zudem bleibt Microsoft neben OpenAI Mitbeklagter in der seit Ende 2023 laufenden Urheberrechtsklage der New York Times, in der die Klägerseite dem KI-Unternehmen zuletzt vorwarf, Beweismittel zurückzuhalten – ein Vorwurf, den OpenAI zurückweist.