Microsoft hat mit seinen Quartalszahlen den größten Ein-Tages-Wertzuwachs der Börsengeschichte ausgelöst. Der Kurs sprang um 15,5 Prozent nach oben. Die Marktkapitalisierung erreichte einen Rekordwert – nur einen Tag nach der Veröffentlichung der Zahlen.

Die Aktie schloss den Handel am Freitag bei 403,00 Euro. Das entspricht einem Tagesplus von 3,03 Prozent. Auf Wochensicht steht damit ein Zuwachs von über 20 Prozent zu Buche.

Zahlen übertreffen die Erwartungen deutlich

Microsoft war lange Zeit ein Nachzügler unter den Tech-Riesen. Grund waren Zweifel an den enormen KI-Investitionen und die Frage, wann sich diese Ausgaben auszahlen würden. Die jüngsten Quartalszahlen lieferten offenbar die Antworten, auf die Investoren gewartet hatten.

Der Konzern meldete einen Gewinn je Aktie von 4,74 US-Dollar bei einem Umsatz von 90 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten nur 4,25 Dollar und 87,7 Milliarden Dollar erwartet. Im Vorjahresquartal lagen beide Werte noch bei 3,65 Dollar und 76,4 Milliarden Dollar.

Das Cloud-Geschäft Azure wuchs im Quartal um 43 Prozent. Für das laufende Quartal stellt Microsoft sogar 45 Prozent in Aussicht. Die Zahl der Microsoft-365-Copilot-Nutzer stieg auf über 30 Millionen, und Azure knackte erstmals die Marke von 100 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz.

Milliarden-Investitionen zahlen sich aus

Bemerkenswert: Microsoft bestätigte seine Investitionspläne für 2026 und deutete sogar eine weitere Ausgabenerhöhung für das Geschäftsjahr 2027 an. Der Markt reagierte trotz der Sorge um steigende KI-Kosten positiv – ein deutlicher Kontrast zu Meta, dessen Aktie am selben Tag um fast 8 Prozent einbrach.

Ein Branchenanalyst kommentierte, die starke Umsatzentwicklung zusammen mit der beschleunigten Copilot-Akzeptanz zeige, dass sich der milliardenschwere Ausbau der Rechenzentren des Konzerns nun auszahle. Konkret geht es um Investitionen von rund 190 Milliarden US-Dollar in die Dateninfrastruktur.

Optionshändler rechnen mit einer Verschnaufpause

Mit den Quartalszahlen ist das größte Kursrisiko vorerst vom Tisch. Derivate-Strategen richten den Blick nun darauf, wie viel Luft für die Rally noch bleibt.

Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 22,6 auf Basis der erwarteten Gewinne liegt Microsoft nahe der Mitte seiner Bewertungsspanne der vergangenen 20 Jahre. Für einen Tech-Riesen mit zweistelligem Umsatzwachstum und dominanter Position im Cloud-Geschäft für Unternehmen wirkt dieses Niveau wie eine fundamentale Untergrenze. Ein Optionsstratege beschrieb die aktuelle Bewertung als weder Grund für einen nachhaltigen Einbruch noch für einen weiteren Ausbruch nach oben – ein ideales Umfeld für Strategien mit begrenzter Laufzeit und geringer erwarteter Schwankung.

Dividendentermin und überkaufte Technik

Für Dividendenanleger gibt es einen konkreten Termin: Microsoft zahlt 0,91 US-Dollar je Aktie, der Ex-Dividenden-Tag ist der 20. August 2026.

Das Ausmaß der Rally hat die technischen Indikatoren deutlich in überkaufte Bereiche getrieben. Der 14-Tage-RSI liegt bei 73,8 – ein Niveau, das nach einem derart schnellen Anstieg typischerweise auf eine Überhitzung hindeutet. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 52 Prozent zeigt zugleich, wie schnell sich die Stimmung wieder drehen kann.

Zum bisherigen Jahreshoch von 478,10 Euro aus Ende Oktober fehlen der Aktie noch gut 15 Prozent. Sollte die Euphorie nach den Zahlen anhalten, bleibt dort Spielraum nach oben. Die kommende Handelswoche dürfte zeigen, ob der Schwung nach den Quartalszahlen trägt – während der breitere Markt genau beobachtet, wie andere Tech-Riesen ihre steigenden KI-Ausgaben gegenüber den Renditeerwartungen der Investoren rechtfertigen.