Fünf Wörter sollen reichen, um Vertrauen zurückzugewinnen. Microsoft-Chef Satya Nadella wirbt intern für den Satz „Here is what is changing“ — eine Formel, die Stellenstreichungen als Umbau verkaufen soll, nicht als Abbau. Der Zeitpunkt ist heikel: Erst kürzlich hat der Konzern erneut Tausende Jobs gestrichen.

Die Aktie schloss am Freitag bei 337,45 Euro, ein Plus von 0,33 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 1,33 Prozent zu Buche. Der Kurs bewegt sich damit weiter in einem Abwärtstrend, der sich über Monate zieht.

Nadellas Kommunikationsstrategie

Nadella glaubt, dass die richtige Wortwahl bei Reorganisationen eine Art „soziale Erlaubnis“ schafft. Führungskräfte sollen Jobveränderungen als Neuordnung darstellen, nicht als Streichung. Die Botschaft kommt zu einem Zeitpunkt, der schwer zu ignorieren ist.

Anfang Juli strich Microsoft rund 4.800 Stellen. Das entspricht etwa 2,1 Prozent der weltweiten Belegschaft. Der Konzern begründet den Schritt mit einer Fokussierung auf Prioritäten, die das Unternehmen in einer sich schnell wandelnden Branche wettbewerbsfähig halten sollen.

Zugleich betont Microsoft die andere Seite der Medaille. Im vergangenen Jahr hat der Konzern nach eigenen Angaben mehr als 4.000 Mitarbeiter in neue Rollen versetzt, allein im Juli kamen 500 weitere hinzu. Vier Gaming-Studios laufen inzwischen unter neuem Management. Die Börse reagierte zunächst leicht positiv — die Aktie zog am Freitagnachmittag nach Nadellas Äußerungen minimal an.

Der Abschied von OpenAI und Anthropic

Parallel zur internen Kommunikationsoffensive schraubt Microsoft an der eigenen Kostenstruktur bei künstlicher Intelligenz. Der Konzern ersetzt Modelle von OpenAI und Anthropic zunehmend durch eigene Technologie — in Produkten wie Excel und Outlook.

Zehntausende KI-Anfragen pro Woche laufen inzwischen über Microsofts hausgemachte MAI-Modelle. Bislang griffen Excel und Outlook stärker auf externe Anbieter zurück. Marktbeobachter lesen den Schritt vor allem als Margen-Geschichte: Die Umstellung verbessere die Kostenstruktur von Copilot deutlich, weil teure externe Rechenleistung durch interne Modelle ersetzt wird.

Charttechnik zeigt anhaltenden Abwärtstrend

Der Kurs von 337,45 Euro liegt rund 29 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 478,10 Euro, erreicht im Oktober 2025. Zum 52-Wochen-Tief von 307,10 Euro, aufgestellt erst im Juni 2026, beträgt der Abstand knapp 10 Prozent.

Die Aktie notiert sowohl unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 348,17 Euro als auch unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 378,98 Euro. Das unterstreicht: Der Titel steckt weiter in einer mehrmonatigen Korrektur. Auf Jahressicht steht ein Minus von 16,39 Prozent, binnen zwölf Monaten sind es sogar 21,30 Prozent.

Der RSI von 49,1 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand. Die annualisierte Volatilität von 34,42 Prozent liegt erhöht, aber nicht in extremen Regionen.

Der nächste Prüfstein

Die Blicke der Anleger richten sich nun auf den Quartalsbericht. Microsoft veröffentlicht die Zahlen zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 nach Börsenschluss am Mittwoch, dem 29. Juli 2026.

Zusätzliche Unruhe kommt aus der Gaming-Sparte. Dort fallen im laufenden Umbau rund 3.200 Stellen weg — etwa 20 Prozent der Xbox-Belegschaft. Die Reorganisation soll die kriselnde Sparte wieder auf Wachstumskurs bringen.

Kostendisziplin auf der einen Seite, milliardenschwerer Ausbau der KI-Infrastruktur auf der anderen: Microsoft versucht beides gleichzeitig zu managen — und dabei die eigene Belegschaft bei Laune zu halten. Der Bericht am 29. Juli wird zeigen, ob sich diese Gratwanderung schon in den Zahlen niederschlägt.