Die Aktie von Microsoft feierte nach den Zahlen zum vierten Geschäftsquartal den größten Tagesgewinn seit fast zwei Jahrzehnten. Kaum ist die Euphorie verklungen, mehren sich kritische Stimmen: Starinvestor Michael Burry hat seine Microsoft-Position komplett verkauft, und eine Analyse zeigt, dass ein Teil des ausgewiesenen Gewinnwachstums auf Bilanzierungseffekten aus der OpenAI-Beteiligung beruht statt auf operativem Geschäft.
Rekordquartal treibt den Kurs
Im vierten Geschäftsquartal des Fiskaljahres 2026, das Ende Juni schloss, erzielte Microsoft einen Umsatz von 90,0 Milliarden Dollar, ein Plus von 18 Prozent. Der Nettogewinn kletterte nach US-Bilanzstandard GAAP um 31 Prozent auf 35,8 Milliarden Dollar, das Ergebnis je Aktie stieg um 32 Prozent auf 4,81 Dollar. Für das gesamte Fiskaljahr weist Microsoft einen Umsatz von 331,8 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von 133,7 Milliarden Dollar aus, jeweils ebenfalls mit zweistelligen Wachstumsraten. Die Cloud-Sparte wuchs um 27 Prozent auf 59,3 Milliarden Dollar, Azure legte um 43 Prozent zu. Der Auftragsbestand (RPO) sprang um 84 Prozent auf 678 Milliarden Dollar. Die Reaktion an der Börse war entsprechend heftig: Die Aktie legte nach den Zahlen um rund ein Viertel zu.
Im deutschen Handel notiert das Papier aktuell bei 420,00 Euro und gibt am heutigen Donnerstag um 0,60 Prozent nach. Auf 30-Tage-Sicht steht dennoch ein Plus von 23,38 Prozent – ein Tempo, das den Relative-Stärke-Index inzwischen auf 73,6 getrieben hat und damit in überkauftem Terrain markiert.
Woher die Gewinnzahlen wirklich kommen
Genau hier setzt eine Analyse an, die das ausgewiesene GAAP-Wachstum von 31 Prozent relativiert. Bereinigt um Sondereffekte aus der OpenAI-Beteiligung wuchs der Gewinn im Fiskaljahr 2026 nicht um 31, sondern lediglich um 22 Prozent. Der Unterschied erklärt sich durch die Bilanzierung der Beteiligung: Während OpenAI im Fiskaljahr 2025 noch einen Verlust von 3,6 Milliarden Dollar in die Microsoft-Bücher schrieb, trug die Position im Fiskaljahr 2026 einen Gewinn von 5,0 Milliarden Dollar bei. Allein im vierten Quartal steckte im ausgewiesenen Ergebnis je Aktie von 4,74 Dollar (non-GAAP) ein Beitrag von 3,2 Milliarden Dollar aus der Anthropic-Position. Die operative Marge lag bei rund 46,8 Prozent, die Investitionsausgaben im Quartal bei etwa 41 Milliarden Dollar – der freie Cashflow sank im Jahresvergleich um 23 Prozent. Das operative Geschäft wächst also solide, aber die spektakulären Prozentzahlen an der Gewinnzeile sind zu einem erheblichen Teil das Ergebnis von Bewertungsgewinnen aus KI-Beteiligungen, nicht von klassischem Umsatzwachstum.
Burry verkauft, Fondshäuser bauen aus
Vor diesem Hintergrund wirkt der Schritt von Michael Burry bemerkenswert: Der Investor, der seine Microsoft-Position seit April 2026 gehalten hatte, hat sie vollständig verkauft. Gleichzeitig schloss er seine Oracle-Short-Position mit Gewinn und reduzierte seine Wette gegen Palantir. Zur Einordnung der Bewertungen verweist die Analyse auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne: Microsoft handelt mit rund dem 25-fachen, Oracle mit dem 18,1-fachen und Palantir mit dem 86,2-fachen der für die kommenden zwölf Monate erwarteten Gewinne.
Während Burry ausstieg, bauten mehrere institutionelle Investoren ihre Positionen im ersten Quartal 2026 aus – also noch vor dem Kurssprung nach den Quartalszahlen. Lowe Brockenbrough & Co. erhöhte seinen Bestand um 7,3 Prozent auf gut 150.000 Aktien, Dimensional Fund Advisors stockte um 10,5 Prozent auf mehr als 29 Millionen Aktien auf, und Leith Wheeler Investment Counsel weitete seine vergleichsweise kleine Position um über 1.100 Prozent aus. Im selben Zeitraum verkauften Unternehmensinsider laut den Pflichtmeldungen rund 28.600 Aktien.
Analysten bleiben zuversichtlich
Der Analystenkonsens lautet trotz der aufgeworfenen Fragen zur Gewinnqualität weiterhin „Moderate Buy“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 558,87 Dollar – deutlich über den zuletzt gehandelten Kursniveaus. Das Ergebnis je Aktie von 4,74 Dollar übertraf im vierten Quartal den Konsens von 4,24 Dollar. Für Einkommensorientierte Anleger bleibt zudem der Dividendentermin im Blick: Microsoft zahlt 0,91 Dollar pro Aktie, der Ex-Tag ist der 20. August, die Auszahlung erfolgt am 10. September. Nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Wochen dürfte sich die Debatte, wie viel vom Gewinnwachstum tatsächlich operativ und wie viel bilanziell getrieben ist, in den kommenden Quartalen fortsetzen.
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