Juli legt der Softwarekonzern seine Zahlen zum vierten Geschäftsquartal 2026 vor. Der Termin fällt in eine Phase, in der Anleger nach einem Kurseinbruch der vergangenen Monate genau hinschauen, ob sich die milliardenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz endlich in harten Zahlen niederschlagen.
Stellenabbau und massive Investitionen parallel
Nur wenige Wochen vor dem Berichtstermin hatte Microsoft am 6. Juli rund 4.800 Stellen gestrichen, etwa zwei Prozent der Belegschaft. Parallel reichte der Konzern 2.879 H-1B-Arbeitsvisa-Anträge ein, überwiegend Verlängerungen und Übertragungen bestehender Mitarbeiter. Von den 8.750 Beschäftigten, die für ein freiwilliges Ausscheiden infrage kamen, nahmen rund 30 Prozent das Angebot an. Der Börsenwert des Konzerns ist seit seinem Hoch im Oktober 2025 um rund 1,2 Billionen Dollar geschrumpft – ein Kontrast zu den gleichzeitig laufenden Milliardeninvestitionen in KI-Infrastruktur.
Im zuletzt berichteten dritten Geschäftsquartal 2026 hatte Microsoft einen Umsatz von 82,9 Milliarden Dollar ausgewiesen, ein Plus von 18 Prozent, bei einem Gewinn je Aktie von 4,27 Dollar – beides über den Erwartungen. Die KI-Sparte erreichte eine annualisierte Umsatzrate von 37 Milliarden Dollar, ein Zuwachs von 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Azure wuchs um 40 Prozent, der Auftragsbestand im Commercial-Geschäft (Commercial RPO) kletterte auf 627 Milliarden Dollar, ein Plus von 99 Prozent. Allerdings sank die Bruttomarge im Cloud-Geschäft auf 66 Prozent, und der freie Cashflow fiel von 20,3 auf 15,8 Milliarden Dollar. Finanzchefin Amy Hood erklärte, die KI-Investitionen belasteten die Margen kurzfristig, sie bleibe jedoch von der Kapitalrendite überzeugt. Für das laufende Jahr plant Microsoft Investitionsausgaben von rund 190 Milliarden Dollar, davon rechnet der Konzern rund 25 Milliarden Dollar auf Preissteigerungen bei Komponenten zurückzuführen. Für das vierte Quartal hatte Microsoft einen Umsatz zwischen 86,7 und 87,8 Milliarden Dollar sowie ein Azure-Wachstum von 39 bis 40 Prozent in Aussicht gestellt, das Investitionsvolumen für das kommende Quartal sollte laut Hood über 40 Milliarden Dollar liegen.
Analysten senken Ziele, bleiben aber optimistisch
Vor dem anstehenden Bericht hat das Analysehaus BNP Paribas seine Erwartungen konkretisiert: Es rechnet mit einem Azure-Wachstum von 41 Prozent sowie mit sieben bis acht Millionen neuen Copilot-Abonnenten, in einem optimistischen Szenario auch mehr als 30 Millionen. Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet BNP Paribas ein Umsatzwachstum von 18 Prozent, deutlich über dem Marktkonsens von 16,8 Prozent, und hob seine Investitionsprognose für 2027 um 15 Prozent auf 262 Milliarden Dollar an. Die Einstufung lautet weiterhin Outperform, das Kursziel wurde leicht auf 549 Dollar gesenkt. Der Marktkonsens für das anstehende Quartal liegt bei einem Gewinn je Aktie von 4,24 Dollar und einem Umsatz von 87,67 Milliarden Dollar.
Auch andere Häuser haben ihre Kursziele zuletzt zurückgenommen, ohne von ihrer positiven Einschätzung abzurücken: Citi senkte sein Ziel von 620 auf 570 Dollar, Mizuho von 515 auf 490 Dollar, Wells Fargo von 650 auf 625 Dollar und Argus von 620 auf 510 Dollar. Der mittlere Analystenkonsens liegt bei rund 558 Dollar. Damit bleibt die Erwartungshaltung trotz der Kürzungen deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Beobachter werten Microsoft neben Alphabet zudem als vergleichsweise konservativen Investitionsplaner unter den großen Technologiekonzernen – sollte der Konzern seine Investitionsprognosen anheben, könnte das nach Einschätzung von Marktbeobachtern branchenweit neues Vertrauen in den KI-Investitionszyklus schaffen.
Kurs unter Druck, Bewertung historisch günstig
Die Skepsis der vergangenen Monate spiegelt sich im Kursverlauf wider. Am vergangenen Freitag schloss die Aktie bei 344,40 Euro, ein Minus von 1,77 Prozent auf Tagesbasis. Seit Jahresbeginn steht damit ein Rückgang von 16,64 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch, das die Aktie Ende Oktober 2025 markiert hatte, beträgt der Abstand mittlerweile 27,96 Prozent. Diese Kursschwäche fällt zusammen mit einer Konsolidierung im gesamten Halbleiter- und Technologiesektor, ausgelöst durch Zweifel an der kurzfristigen Kapitalrendite der branchenweiten KI-Investitionen.
Für Anleger bleibt der 29. Juli der entscheidende Prüfstein: Nur wenn Azure-Wachstum, Copilot-Monetarisierung und die Entwicklung der Cloud-Margen die hohen Erwartungen erfüllen, dürfte sich das seit Monaten gesunkene Kursniveau nachhaltig stabilisieren.
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