Lange Zeit feierte die Börse jeden KI-Fortschritt von Microsoft. Jetzt rückt die Rechnung in den Fokus. Die immensen Kosten für den Ausbau der Infrastruktur verschrecken Investoren. Am Donnerstag fiel der Kurs auf ein neues 52-Wochen-Tief bei 307,10 Euro.

Warnsignal für die Profitabilität

Ein aktueller Bericht der Investmentbank Stifel beschleunigt die Talfahrt. Analyst Brad Reback senkte sein Kursziel auf rund 373 Euro und warnt vor schrumpfenden Gewinnen. Er rechnet für das Geschäftsjahr 2027 mit einem Rückgang der Bruttomarge auf 63 Prozent. Das liegt deutlich unter den Markterwartungen.

Der Grund dafür ist das rasante Wachstum der Cloud-Sparte Azure. Dieser Bereich wächst dreimal schneller als der Rest des Konzerns. Die Folge: Die teure Skalierung drückt die Profitabilität massiv.

Milliarden für die KI-Infrastruktur

Der finanzielle Aufwand für das KI-Rennen sprengt bisherige Dimensionen. Microsoft meldete zuletzt Quartalsinvestitionen von fast 31 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Sprung von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Geld fließt primär in Rechenzentren und Spezialchips.

Auch der Energiehunger steigt rasant. Um den langfristigen Strombedarf zu sichern, schloss der Konzern einen 20-jährigen Vertrag mit Chevron ab. Das geplante Gaskraftwerk in Texas liefert allerdings erst ab 2028 Strom. Bis dahin muss Microsoft massiv in Vorleistung gehen.

Hardware-Preise steigen

Der Kostendruck erreicht parallel dazu das Endkundengeschäft. Microsoft erhöht ab August die Preise für seine Xbox-Konsolen drastisch. In einigen Märkten kostet das Modell mit einem Terabyte Speicher künftig 150 US-Dollar mehr. Die größere Variante verschwindet komplett aus dem Sortiment.

Das Management begründet diesen Schritt mit explodierenden Speicherpreisen. Diese haben sich laut Unternehmensangaben mehr als verdoppelt. Microsoft gibt die gestiegenen Produktionskosten damit direkt an die Käufer weiter.

Düsteres Chartbild

Technisch ist die Aktie stark angeschlagen. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf über 23 Prozent. Der Kurs notiert fast 20 Prozent unter der wichtigen 200-Tage-Linie. Ein RSI-Wert von 31 zeigt jedoch an, dass die Aktie überverkauft ist.

Die Mehrheit der Analysten bleibt trotz der aktuellen Schwäche optimistisch. Von 56 Experten raten 53 weiterhin zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 561 US-Dollar.

Die entscheidende Hürde für eine Trendwende steht fest. Microsoft muss beweisen, dass die jährlichen KI-Umsätze von 37 Milliarden US-Dollar bald echte Gewinne abwerfen. Gelingt das nicht, drohen weitere Kursabschläge.