Goldman Sachs traut Microsoft ein Kursziel von 610 Dollar zu. Fast 59 Prozent über dem aktuellen US-Kurs. Zeitgleich formiert sich eine Sammelklage wegen angeblich irreführender Aussagen zur KI-Strategie. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die Aktie derzeit an der Börse.
Am Donnerstag notiert das Papier bei 332,75 Euro, ein Minus von 0,79 Prozent auf Tagessicht. Der Börsenwert liegt bei rund 2.532 Milliarden Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 17,55 Prozent verloren, zum Rekordhoch von 478,10 Euro aus Ende Oktober 2025 fehlen fast ein Drittel.
Goldman Sachs setzt auf Azure
Am 9. Juli bekräftigte Goldman Sachs sein „Buy“-Rating für Microsoft. Die Analysten begründen ihren Optimismus vor allem mit der Cloud-Sparte Azure. Für das vierte Geschäftsquartal 2026 erwartet die Bank ein währungsbereinigtes Wachstum von 40 bis 41 Prozent – das würde die bisherige Konzernprognose übertreffen.
Der Preis dafür ist hoch. Goldman rechnet mit Investitionsausgaben von über 40 Milliarden Dollar allein im laufenden Quartal. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 taxiert die Bank das Investitionsvolumen auf rund 190 Milliarden Dollar. Das Geld fließt fast vollständig in den Ausbau der KI-Infrastruktur.
Microsoft muss diese Summen stemmen, während die Nachfrage nach Rechenkapazität weiter steigt. Der Markt wird die Antwort am 29. Juli bekommen, wenn der Konzern seine Quartalszahlen vorlegt.
Sammelklage wegen Copilot-Aussagen
Parallel zur bullishen Analystenstimmung wächst der juristische Druck. Eine Sammelklage gegen Microsoft ist mittlerweile formalisiert, die Frist für Hauptkläger endet am 11. August. Im Zentrum steht der Vorwurf, der Konzern habe zwischen Mai 2025 und Januar 2026 irreführende Angaben zu seinen KI-Fähigkeiten gemacht.
Konkret geht es um die angebliche Verbreitung von Copilot bei Fortune-500-Unternehmen. Die Kläger werfen Microsoft vor, technische Schwächen wie Datensilos und Interoperabilitätsprobleme verschwiegen zu haben. Die Aktie handelt inzwischen unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 348,30 Euro und deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 379,48 Euro.
Nachhaltigkeitsbericht zeigt Kehrseite des KI-Booms
Am selben Tag veröffentlichte Microsoft seinen Umweltbericht 2026. Die Zahlen dokumentieren die ökologischen Kosten der KI-Expansion. Die Treibhausgasemissionen stiegen im vergangenen Geschäftsjahr um 25 Prozent.
Besonders auffällig: Die Emissionen aus dem Stromverbrauch schnellten um 945 Prozent nach oben, getrieben vom Ausbau der Rechenzentren. Um die steigenden Kosten für KI-Anfragen zu senken und unabhängiger von Partnern wie OpenAI zu werden, testet Microsoft eigene Modelle unter dem Namen „MAI“. Diese kommen bereits bei Prompts in Excel und Outlook zum Einsatz und sollen laut internen Angaben ähnliche Effizienz wie Branchenstandards erreichen – zu einem Bruchteil der Kosten.
Technisches Bild bleibt angespannt
Der RSI von 46,1 signalisiert eine neutrale bis leicht schwächere Kursdynamik. Vom 52-Wochen-Tief bei 307,10 Euro, erreicht Ende Juni, trennen die Aktie nur noch gut 8 Prozent. Microsoft hat parallel rund 4.800 Stellen abgebaut, um Kosten zu senken.
Der Fokus der Anleger liegt trotz allem auf der Monetarisierung: M365 Copilot verzeichnet inzwischen mehr als 20 Millionen zahlende Nutzer. Die laufende KI-Umsatzrate liegt schätzungsweise bei 37 Milliarden Dollar pro Jahr. Am 29. Juli zeigt sich, ob Azure das von Goldman Sachs erwartete Tempo tatsächlich hält.
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