Meine These: Die „KI-Müdigkeit“, die Microsoft im Sommer noch begleitet hat, war ein Missverständnis. Wer sich die Auftragsbücher anschaut statt nur auf die Kapitalausgaben zu starren, sieht einen Konzern, der seine Investitionen längst mit echter Nachfrage unterfüttert hat.
Microsoft schloss den Freitag bei 432,35 Euro, ein moderates Minus von 0,30 Prozent zum Vortag. Das ist Rauschen. Entscheidend ist der Trend dahinter: Innerhalb von sieben Tagen kletterte die Aktie um 7,26 Prozent, auf Monatssicht steht ein Plus von fast 29 Prozent. Das ist keine Erholung mehr, das ist eine Neubewertung.
Der Auftragsberg spricht für sich
Der Markt hatte lange ein Problem mit Microsofts geplantem Investitionszyklus von 175 Milliarden Dollar fürs Geschäftsjahr 2027. Zu hoch, zu spekulativ, so der Vorwurf. Die jüngsten Zahlen zu den „Remaining Performance Obligations“ – dem vertraglich gesicherten Auftragsbestand – widerlegen das eindrucksvoll.
Dieser Auftragsbestand stieg im Jahresvergleich um 84 Prozent auf 678 Milliarden Dollar. Das ist kein Zufallswert, sondern das Fundament meiner bullischen Haltung. Azure wächst mit 43 Prozent, die zahlenden Copilot-Nutzer haben sich auf 30 Millionen verdoppelt. Wer angesichts dieser Dynamik noch von Spekulation spricht, blendet die Fakten aus.
Für mich bedeutet das: Der massive Infrastruktur-Ausbau ist keine Wette auf die Zukunft. Er ist eine Reaktion auf bereits vertraglich fixierte Nachfrage. Das rechtfertigt auch die aktuelle Marktkapitalisierung von 3.131 Milliarden Euro – ein Wert, der ohne diesen Auftragspuffer deutlich fragiler wirken würde.
Indien als strategischer Hebel
Am 6. August eröffnete Microsoft offiziell seine vierte Cloud-Region in Indien, in Hyderabad. Es ist die größte Anlage dieser Art im Land und Teil einer langfristigen Investitionszusage von 20,5 Milliarden Dollar für die Region.
Mit über 1.000 Megawatt gesicherter erneuerbarer Energie und Großkunden wie HDFC Bank und Bajaj Finance sichert sich Microsoft frühzeitig die Infrastruktur in einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Das untermauert meine Sicht: Microsoft ist längst kein reiner US-Softwarekonzern mehr. Der Konzern positioniert sich als globaler Infrastrukturanbieter für das KI-Zeitalter.
Überhitzt, aber nicht am Ende
Technisch gesehen wird es kurzfristig eng. Der 14-Tage-RSI steht bei 76,5 – klar im überkauften Bereich. Das erklärt den leichten Rücksetzer am Freitag und spricht für eine Verschnaufpause, bevor die nächste Aufwärtsbewegung startet.
Trotzdem bleibt der mittelfristige Trend intakt. Die Aktie notiert noch 9,57 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 478,10 Euro vom Oktober. Angesichts der fundamentalen Wucht hinter dieser Bewegung halte ich einen erneuten Test dieser Marke für eine Frage des Zeitpunkts, nicht des Ob.
Ein kleinerer, aber konkreter Termin liegt näher: Am 20. August wird die Aktie ex Dividende gehandelt, die Ausschüttung von 0,91 Dollar je Aktie folgt im September. Das dürfte kurzfristig als Kurskatalysator wirken, ändert aber nichts am größeren Bild.
Unterm Strich: Microsoft bewegt sich von der reinen Erholungsgeschichte in eine Phase, in der die operative Substanz die Bewertung trägt. Der Auftragsbestand von 678 Milliarden Dollar ist dabei mein wichtigstes Argument – er macht aus einem teuren Wachstumsversprechen eine bereits vertraglich abgesicherte Zukunft.
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