Scotiabank und Oppenheimer haben heute ihre Kursziele für Microsoft auf jeweils 625 US-Dollar angehoben. Beide Häuser setzen vor den Quartalszahlen auf eine starke Azure-Nachfrage. Ihre Einschätzungen zeigen allerdings auch: Für eine positive Überraschung dürfte Microsoft mehr liefern müssen als die eigene Wachstumsprognose.

Im Mittelpunkt steht damit nicht allein die Frage, ob das Cloud-Geschäft weiter kräftig wächst. Entscheidend wird auch, ob zusätzliche Rechenzentrumskapazitäten die Nachfrage bedienen können und der Ausblick die hohen Erwartungen bestätigt.

Scotiabank setzt auf beschleunigtes Wachstum

Scotiabank-Analyst Patrick Colville erhöhte sein Kursziel von 615 auf 625 US-Dollar und bestätigte die Empfehlung „Sector Outperform“. Zugleich setzte er Microsoft vor der Ergebnisvorlage auf die Liste seiner bevorzugten Aktien.

Seine Zuversicht reicht über das anstehende Quartal hinaus. Colville beurteilt auch Copilot positiv. CoWork könnte seiner Einschätzung nach dazu beitragen, KI auf Anwendungsebene stärker zu monetarisieren. Damit richtet sich der Blick neben der Infrastruktur auf zusätzliche Erlöse aus KI-Anwendungen.

Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 erwartet Scotiabank ein Azure-Wachstum von 47–48 %. In einem günstigen Szenario hält das Haus sogar mehr als 49 % für möglich.

Das liegt über der Unternehmensprognose. Microsoft hatte für Azure rund 45 % währungsbereinigtes Wachstum in Aussicht gestellt. Für das Folgequartal rechnet Scotiabank mit einer weiteren Beschleunigung auf 48–50 %.

Oppenheimer sieht ebenfalls Aufwärtspotenzial

Auch Oppenheimer-Analyst Brian Schwartz begründet seinen optimistischen Blick mit der Nachfrage. Er bestätigte „Outperform“ und hob das Kursziel von zuvor 570 US-Dollar an. Die Übereinstimmung beim neuen Ziel verdeckt allerdings Unterschiede bei den operativen Erwartungen.

Schwartz prognostiziert für Azure ein währungsbereinigtes Wachstum von 46 %. Die Erwartungen auf der Käuferseite des Marktes verortet er bei 47 %. Damit könnte selbst ein Übertreffen der Unternehmensprognose die Anleger nicht vollständig zufriedenstellen.

Für das Folgequartal erwartet Schwartz zunächst ein ähnliches Wachstumstempo. In einem positiven Szenario könnte sich die Rate der Marke von 50 % nähern. Als Risiko nennt er die Investitionsausgaben im Geschäftsjahr 2027.

Zusätzliche Kapazitäten sind dabei Chance und Kostenfaktor zugleich. Microsoft plant, seine Rechenzentrumskapazität binnen zwei Jahren zu verdoppeln. Der Ausbau soll weiteres Wachstum ermöglichen. Für Anleger bleibt wichtig, wie sich diese Investitionen in Geschäftsentwicklung und Profitabilität niederschlagen.

Der Ausblick muss die Zuversicht tragen

Microsoft legt am Mittwoch nach US-Börsenschluss die Ergebnisse vor. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 liegt die Umsatzprognose des Unternehmens bei 89,85–90,95 Mrd. US-Dollar. Die tatsächlichen Quartalszahlen sind noch nicht veröffentlicht.

Die heutigen Kurszielanhebungen stärken den optimistischen Blick auf Microsoft. Sie erhöhen zugleich die Messlatte für den Bericht: Azure muss nicht nur kräftig wachsen, sondern einen überzeugenden weiteren Wachstumspfad erkennen lassen.

Scotiabank erwartet allerdings keine Investitionsprognose für das gesamte Geschäftsjahr oder Kalenderjahr 2027. Anleger sollten daher nicht allein auf eine neue Ausgabenzahl setzen. Aussagekräftiger werden das Zusammenspiel von Azure-Ausblick, Cloud-Margen und den Erläuterungen zum Kapazitätsausbau sein. Daran lässt sich prüfen, wie belastbar die Zuversicht der Analysten ist.