Microsoft bereitet sich auf eine Zäsur in seiner Finanzberichterstattung vor. Ab dem Geschäftsjahr 2027 wird der Softwaregigant seine Ergebnisse in zwei statt bisher drei Segmenten ausweisen, um die Organisation stärker auf künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste auszurichten. Parallel dazu herrscht nun Klarheit über die Finanzkraft der Cloud-Sparte Azure, deren Kennzahlen das Unternehmen erstmals separat veröffentlichte.

Neue Transparenz für die Cloud-Sparte Azure

Wie Microsoft bekannt gab, erwirtschaftete Azure im abgelaufenen Geschäftsjahr, das am 30. Juni endete, einen Umsatz von 101,9 Milliarden US-Dollar. Allein im letzten Quartal trug die Sparte 29,4 Milliarden US-Dollar zum Gesamtergebnis bei. Die erstmalige separate Ausweisung dieser Zahlen wird von Analysten als wichtiger Schritt für mehr Transparenz gewertet, da die Cloud-Leistung bisher oft innerhalb größerer Segmente aggregiert wurde.

Trotz der starken Wachstumszahlen gab es eine kleine Korrektur bei den Erwartungen. Microsoft senkte die Umsatzprognose für Azure geringfügig. Hintergrund ist die interne Umverteilung von Erlösen der Plattform GitHub, die künftig dem Bereich Microsoft 365 Cloud zugeordnet werden. In der Folge stieg die Aktie im nachbörslichen Handel am vergangenen Mittwoch zeitweise um etwa 1,4 %.

Strategischer Umbau der Berichtssegmente ab 2027

Die künftige Konzernstruktur gliedert sich in die Bereiche „Agents and Infra“ sowie „Devices and Consumer“. Im Segment „Agents and Infra“ bündelt das Unternehmen künftig Azure, Microsoft 365, GitHub sowie Server-Lizenzen, Industrie-Lösungen und Support-Dienste. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 erwartet das Management hier laut Reuters einen Umsatz zwischen 75,15 Milliarden und 75,75 Milliarden US-Dollar.

Das zweite Segment, „Devices and Consumer“, umfasst künftig das Geschäft mit Xbox-Konsolen, Windows-Lizenzen, Surface-Geräten sowie die Bereiche Suche und Werbung. Hier liegt die prognostizierte Umsatzspanne für das Startquartal 2027 zwischen 14,7 Milliarden und 15,2 Milliarden US-Dollar. Mit dieser Neuausrichtung will Microsoft die Berichterstattung enger an den Aktivitäten in den Bereichen Cloud und künstliche Intelligenz ausrichten.

Juristische Fronten und optimistische Analysten

Während der Konzernumbau voranschreitet, gab es für Microsoft am vergangenen Mittwoch juristische Rückendeckung aus Brüssel. Der Browser Edge bleibt weiterhin von den strengen Auflagen des Digital Markets Act (DMA) der EU ausgenommen. Ein Einspruch des Konkurrenten Opera gegen diese Entscheidung der Regulierungsbehörden wurde von einem EU-Gericht abgewiesen.

Herausforderungen gibt es hingegen an anderer Stelle: Am Samstag reichten die Zeitungen Seattle Times und Newsday eine Klage vor einem US-Bundesgericht ein. Sie werfen Microsoft und seinem Partner OpenAI vor, journalistische Inhalte ohne Genehmigung für das Training von KI-Systemen wie Copilot und Bing genutzt zu haben. Dies ergänzt die juristischen Auseinandersetzungen um das geistige Eigentum im KI-Zeitalter, zu denen auch eine bereits vor über einem Monat eingereichte Sammelklage gehört.

Analysten bewerten die strategische Positionierung des Konzerns dennoch positiv. Am 1. September erhöhte Tal Liani von BofA Securities das Kursziel für die Aktie von 500 auf 600 US-Dollar und bekräftigte die Kaufempfehlung.

An der Börse notiert das Papier aktuell bei 423,45 Euro, was einem Rückgang von 1,1 % am heutigen Dienstag entspricht. Ungeachtet der kurzfristigen Kursbewegung bleibt die langfristige Aufwärtstendenz intakt: Der Titel notiert derzeit etwa 14 % über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 370,57 Euro.