Microsoft steht massiv unter Druck. Mehrere Anwaltskanzleien haben Sammelklagen wegen mutmaßlichen Wertpapierbetrugs eingereicht. Im Zentrum stehen der KI-Chatbot Copilot und die Cloud-Plattform Azure. Der Vorwurf wiegt schwer: Das Management soll Investoren gezielt getäuscht haben.

KI-Hoffnung enttäuscht

Die Klageschriften umfassen den Zeitraum bis Januar 2026. Copilot kämpfte offenbar mit schwacher Nutzererfahrung und fehlender Kompatibilität. Obendrein schnitt das Vorzeige-KI-Modell in Tests schlechter ab als Konkurrenzprodukte. Die Folge: Bisher buchten nur 15 Millionen Kunden die kostenpflichtige Copilot-Version. Das ist ein Bruchteil der riesigen kommerziellen Nutzerbasis von Microsoft 365.

Diese Schwächen zeigten sich deutlich bei den Quartalszahlen Ende Januar. Microsoft meldete damals ein verlangsamtes Wachstum bei Azure. Der Grund dafür waren Engpässe bei der Rechenleistung. Das Unternehmen hatte Kapazitäten für Copilot und KI-Forschung abgezogen. Parallel dazu explodierten die Investitionsausgaben. Allein im zweiten Geschäftsquartal flossen 37,5 Milliarden US-Dollar in neue Infrastruktur.

Aktie im Abwärtssog

Anleger reagierten auf diese Entwicklung extrem nervös. Der Aktienkurs rutschte nach den Januar-Zahlen um fast zehn Prozent ab. Seitdem hat sich das Papier kaum erholt. Am Montag schloss die Aktie bei 322,85 Euro.

Damit verlor der Titel auf Monatssicht rund 18 Prozent an Wert. Vom Rekordhoch bei gut 478 Euro ist Microsoft mittlerweile weit entfernt. Der Kurs notiert aktuell deutlich unter der 200-Tage-Linie. Einige Analysten sehen in diesem Rücksetzer jedoch eine Einstiegschance. Sie verweisen auf das starke Momentum bei Cloud-Diensten.

Um operativ gegenzusteuern, baut der Konzern seine Software-Angebote weiter um. Microsoft integriert neue KI-Funktionen in die Plattform Dynamics 365. Das soll den Kundenservice und das Personalmanagement effizienter machen. Ein weiteres Signal für den Markt: Microsoft wurde frisch in den Russell 1000 Value Index aufgenommen.

Ende Juli präsentiert Microsoft die nächsten Quartalszahlen. Analysten erwarten einen Gewinn von 4,21 US-Dollar je Aktie. Der Umsatz soll auf über 87 Milliarden US-Dollar steigen. Ein starkes Ergebnis könnte den Fokus der Investoren wieder auf das operative Geschäft lenken.