Microsoft bringt Copilot Cowork auf den Markt — und stellt damit eine zentrale Frage in den Raum: Wie viel sind Unternehmen bereit, für KI-Arbeit pro Aufgabe zu zahlen? Das neue Tool für agentenbasierte Workflows ist ab sofort weltweit verfügbar. Das Preismodell dahinter könnte die Diskussion um Microsoft-Aktionäre stärker prägen als der Launch selbst.
Abrechnung nach Aufwand, nicht nach Flatrate
Copilot Cowork richtet sich an Nutzer, die Microsoft 365 Copilot bereits abonniert haben. Darüber hinaus zahlen sie pro Aufgabe — berechnet aus Modellnutzung, Datenabruf, Tool-Aufrufen und Laufzeit. Die Einheit heißt Copilot Credits. Kunden können zwischen Pay-as-you-go zu einem Cent pro Credit oder einem Volumenmodell mit Rabatt wählen.
Das Tool ist standardmäßig deaktiviert. Administratoren können Zugriffsrechte und Ausgabenlimits auf Mandanten-, Gruppen- und Nutzerebene steuern. Microsoft plant außerdem nutzerbezogene Aufgabenpreise, die nach dem allgemeinen Start folgen sollen.
Warum das Modell die Aktie bewegt
Agentenbasierte KI verbraucht deutlich mehr Rechenkapazität als einfache Assistenzfunktionen. Microsoft erkennt das offen an: Langläufige Aufgaben schaffen Mehrwert, binden aber erhebliche Ressourcen. Deshalb ist Kostenkontrolle keine Randnotiz, sondern das eigentliche Produkt.
Um Modellkosten zu senken, setzt Microsoft auf mehrere Optionen. Copilot Cowork läuft bei allgemeiner Verfügbarkeit auf Anthropic-Modellen — Opus 4.8 und Sonnet 4.6. Frontier-Kunden erhalten Zugang zu GPT 5.5 und später zu Microsofts eigenem Modell Cowork 1, das für Alltagsaufgaben zu deutlich niedrigeren Kosten ausgelegt ist. Berichten zufolge prüft Microsoft außerdem eine fein abgestimmte Version von DeepSeek V4 als günstige Open-Source-Option — vollständig auf Azure gehostet, mit Kundendaten innerhalb der Microsoft-Cloud.
Das Geschäftsmodell hinter dem Launch ist klar: Microsoft will intensive KI-Nutzung direkt bepreisen, ohne Kunden mit unkalkulierbaren Rechnungen zu verschrecken. Die Kostenkontrollmechanismen sind dabei kein Zugeständnis, sondern Verkaufsargument.
Starkes Cloud-Fundament, schwacher Kurs
Die Quartalszahlen zum 31. März 2026 zeigen, wie groß die Basis ist: Microsoft erzielte einen Umsatz von 82,9 Milliarden Dollar — ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Azure wuchs um 40 Prozent. Der verbleibende Auftragsbestand im Cloudgeschäft stieg auf 627 Milliarden Dollar.
Trotzdem steht die Aktie unter Druck. Der Kurs liegt bei 331,00 Euro — rund 18 Prozent unter dem Jahresanfang und fast 31 Prozent unterhalb des 52-Wochen-Hochs von 478,10 Euro. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt gut 14 Prozent. Investoren warten offenbar auf den Beweis, dass KI-Ausgaben sich in stabilen Margen niederschlagen.
Copilot Cowork ist dabei mehr als ein Produktlaunch. Es ist Microsofts erster großer Test, ob agentenbasierte KI als eigenständige Umsatzquelle funktioniert — und ob Unternehmenskunden bereit sind, für jede erledigte Aufgabe zu bezahlen. Mehr als die Hälfte der Fortune-500-Unternehmen nutzt das Tool bereits, darunter Accenture, Capital Group und Zurich Insurance. Ob daraus messbarer Ertrag wird, zeigen die nächsten Quartalszahlen.
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