Microsoft steht vor einem entscheidenden Termin. Am Donnerstag, den 29. Juli 2026, legt der Konzern nach Börsenschluss seine Zahlen zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor. Im Mittelpunkt: die Frage, ob die massiven KI-Investitionen endlich sichtbare Erträge bringen.

Die Aktie notiert aktuell bei 348,75 Euro, ein Minus von 1,08 Prozent zum Vortag. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 8,49 Prozent zu Buche. Der Jahresverlauf bleibt aber deutlich negativ: Seit Januar hat das Papier 15,59 Prozent verloren.

Was Analysten von Q4 erwarten

Der Markt rechnet mit einem Gewinn je Aktie von rund 4,24 US-Dollar. Beim Umsatz gehen Schätzungen von 86,7 bis 87,8 Milliarden US-Dollar aus. Diese Zahlen würden das Wachstumstempo der Vorquartale grundsätzlich fortschreiben.

Im dritten Quartal hatte Microsoft die Erwartungen klar übertroffen. Der Umsatz kletterte auf 82,9 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 18 Prozent zum Vorjahr. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 4,27 US-Dollar.

Besonders stark performte die Cloud-Sparte. Microsoft Cloud erzielte 54,5 Milliarden US-Dollar Umsatz, ein Zuwachs von 29 Prozent. Azure wuchs währungsbereinigt sogar um 40 Prozent, getrieben von der KI-Nachfrage. Die bezahlten Copilot-Abos legten um mehr als 250 Prozent zu und überschritten die Marke von 20 Millionen.

Für das vierte Quartal wird sich zeigen, ob Azure dieses Tempo halten kann. Genau hier dürften die meisten Analysten-Fragen im Earnings Call ansetzen.

Milliarden für KI-Infrastruktur

Microsoft fährt seine Investitionen in Rechenzentren und Chips weiter hoch. Für das Kalenderjahr 2026 hatte der Konzern zuletzt Investitionsausgaben von rund 190 Milliarden US-Dollar avisiert. Steigende Kosten für Speicherchips und andere Komponenten treiben diese Summe zusätzlich.

Um die Abhängigkeit von einzelnen Zulieferern zu verringern, hat Microsoft seine Partnerschaft mit AMD ausgeweitet. Die beiden Unternehmen wollen AMD-Helios-Systeme im großen Stil in Azure integrieren. Ziel ist es, die KI-Rechenkapazität schneller auszubauen und gleichzeitig die Lieferkette breiter aufzustellen.

Diese Diversifizierung könnte mittelfristig auch die Kosten drücken. Ein einzelner Chip-Anbieter bedeutet immer auch ein Preisrisiko – das will Microsoft offenbar minimieren.

Kurs zwischen Tief und Hoch gefangen

Die Aktie hat sich vom 52-Wochen-Tief bei 307,10 Euro, erreicht am 25. Juni 2026, um 13,56 Prozent erholt. Zum bisherigen Rekordhoch von 478,10 Euro aus dem Oktober 2025 fehlen dem Papier aber weiterhin gut 27 Prozent. Diese Spanne zeigt: Der Markt bleibt vorsichtig, trotz der jüngsten Erholung.

Der Bericht am Donnerstag dürfte damit mehr sein als eine Pflichtübung. Er wird zeigen, ob die schweren Investitionen in KI-Infrastruktur bereits messbare Wachstumsschübe bei Azure und Copilot liefern – oder ob die Kluft zum Allzeithoch vorerst bestehen bleibt.