Microsoft hat am Donnerstag den größten Tagesgewinn seiner Börsengeschichte hingelegt. Auslöser waren die Zahlen zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026, die an der Wall Street für Euphorie sorgten und den Cloud-Konzern kurzzeitig zum zweiten Unternehmen nach Nvidia mit einer Marktkapitalisierung von über vier Billionen Dollar machten. Im deutschen Handel schloss die Aktie am Donnerstag bei 391,35 Euro, ein Plus von 14,78 Prozent gegenüber dem Vortag.

Azure knackt erstmals die 100-Milliarden-Marke

Im vierten Geschäftsquartal erzielte Microsoft einen Umsatz von 90,01 Milliarden Dollar, ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über der Analystenschätzung von 87,7 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 4,74 Dollar, während der Markt im Schnitt nur 4,25 Dollar erwartet hatte. Kern der Überraschung war das Cloud-Geschäft: Azure wuchs um 43 Prozent, und der Jahresumsatz der Sparte überschritt erstmals die Schwelle von 100 Milliarden Dollar. Die Auftragsreserve, das sogenannte Commercial RPO, kletterte auf 678 Milliarden Dollar und übertraf damit ebenfalls die Konsenserwartung deutlich. Microsoft 365 Copilot verzeichnete nach Unternehmensangaben mehr als 30 Millionen zahlende Nutzer, nach 20 Millionen im April.

Besonders bemerkenswert fiel die Investitionsdisziplin aus: Die Investitionsausgaben lagen bei 41 Milliarden Dollar und damit unter der erwarteten Marke von 42 Milliarden Dollar. CFO Amy Hood erklärte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP, die Ausgabenerwartung für das Kalenderjahr 2026 bleibe bei rund 175 Milliarden Dollar unverändert, nachdem eine Bilanzänderung bei der Abschreibungsdauer von Gebäuden den Ausweis reduziert habe. CEO Satya Nadella betonte demnach, Azure habe die 100-Milliarden-Dollar-Schwelle überschritten und Copilot verzeichne mittlerweile mehr als 30 Millionen bezahlte Nutzer.

Analysten überbieten sich mit neuen Kurszielen

Die Reaktion der Wall Street fiel einhellig positiv aus. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters hoben mindestens neun Broker-Häuser ihre Kursziele an, im Schnitt auf 560,90 Dollar. Die Analysten von Bank of America sprachen laut einem Bericht von Proactive Investors von einer Validierung der Microsoft-KI-Strategie, während das Analystenhaus Jefferies das Quartal als „Slam Dunk“ bezeichnete. Für das laufende erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellte Microsoft ein Azure-Wachstum von rund 45 Prozent in Aussicht, mehr als die von Analysten erwarteten knapp 41 Prozent.

Meta als Gegenbeispiel für die gespaltene KI-Bewertung

Der Kurssprung von Microsoft fiel in eine Woche, in der die Investoren zwischen KI-Gewinnern und -Verlierern deutlich zu unterscheiden begannen. Zeitgleich brach die Meta-Aktie laut einem Bericht des Senders CNBC um rund acht Prozent ein und setzte damit eine Verlustserie von elf Handelstagen fort. Grund war eine schwache Umsatzprognose für das dritte Quartal sowie ein um 91 Prozent eingebrochener freier Cashflow von nur noch 784 Millionen Dollar. Während Microsoft seine milliardenschweren Investitionen zunehmend in nachweisbares Cloud-Wachstum ummünzt, fehlt Meta nach Einschätzung von Marktbeobachtern bislang der klare externe Umsatzbeleg für die eigenen KI-Ausgaben.

Kurs zwischen Rekordsprung und Jahresminus

Trotz des historischen Sprungs bleibt die Aktie von ihrem 52-Wochen-Hoch, das im Oktober 2025 markiert wurde, noch 18,14 Prozent entfernt. Der Kurssprung markiert damit eher eine kräftige Erholung als einen neuen Höchststand – ein Bild, das zur zuvor negativen Jahresperformance passt, mit der Microsoft in die Berichtssaison gestartet war. Für Anleger bleibt die Kernbotschaft des Quartals: Das milliardenschwere Investitionsprogramm in Rechenzentren und KI-Infrastruktur beginnt, sich in Auftragsbestand und Cloud-Wachstum niederzuschlagen – ein Beleg, den die Konkurrenz bislang nicht in gleicher Deutlichkeit liefern konnte.