Xbox hat ein Problem. Und Microsoft hat es jetzt schriftlich bestätigt.

Am 10. Juni veröffentlichte die Xbox-Führung eine interne Botschaft an die Belegschaft. Darin steht: Die Spielesparte steuert auf eine Accountability-Marge von rund drei Prozent am Ende des laufenden Geschäftsjahres zu — ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Parallel berichtete Reuters unter Berufung auf Bloomberg, dass die Division im Juli größere Entlassungen plant.

Milliarden rein, Umsatz raus

Die Zahlen im Memo sind ernüchternd. Ohne Activision Blizzard King hat Xbox in den vergangenen fünf Jahren mehr als 20 Milliarden Dollar in Inhalte, Plattform und Hardware-Subventionen gesteckt. Der jährliche Umsatz sank in diesem Zeitraum um fast eine halbe Milliarde Dollar.

Das ist kein Schönheitsfehler. Es zeigt, dass Skalierung allein keine Rendite erzeugt. Xbox erreicht nach eigenen Angaben mehr als eine Milliarde Spieler pro Jahr — auf Konsole, PC, Mobilgeräten und Streaming. 72 Milliarden Spielstunden kommen dabei zusammen. Reichweite ist vorhanden. Profitabilität nicht.

Entlassungen, Komponentenkrise, Strategiewechsel

Reuters zufolge plant Xbox die Stellenstreichungen kurz nach dem 30. Juni — dem Ende des Microsoft-Geschäftsjahres. Es wäre die erste größere Umstrukturierung unter Asha Sharma, die im Februar die Leitung der Spielesparte übernahm.

Hinzu kommt ein Hardwareproblem. Die Kosten für Konsolenspeicher haben sich seit Sharmas Amtsantritt mehr als verdoppelt — und könnten bis zur Weihnachtssaison 2027 weiter steigen. Speicherkosten entwickeln sich ähnlich. Xbox kann nach eigenen Angaben derzeit nicht so viele Konsolen produzieren, wie Käufer haben wollen.

Das Memo räumt außerdem ein, dass das Studio-System zu weit ausgedehnt wurde. Xbox hatte Entwickler für mehrere Strategien gleichzeitig aufgebaut — Abo-Dienste, Streaming, Geräte. Nun sollen Investitionsprioritäten neu bewertet werden.

Aktie weit unter Hochs

Die Stimmung im Kurs spiegelt die Unsicherheit wider. Microsoft notiert bei 336,95 Euro — rund 17 Prozent unter dem Jahresanfang und fast 30 Prozent unterhalb des 52-Wochen-Hochs von 478,10 Euro. Beide gleitenden Durchschnitte liegen deutlich über dem aktuellen Kurs.

Xbox allein erklärt diesen Rückgang nicht. Microsoft kämpft an mehreren Fronten: Cloud-Wachstum, KI-Monetarisierung, Bewertungsdruck. Aber das Gaming-Memo liefert nun ein konkretes Margenproblem in einem Bereich, der jahrelang mit Wachstumsversprechen gerechtfertigt wurde.

Der nächste Fixpunkt ist der 30. Juni. Danach zeigt sich, wie weit Microsoft bereit ist, die Spielesparte tatsächlich umzubauen — und zu welchem Preis für die Belegschaft.