Microsoft-Aktien kosten am Mittwoch 424,80 Euro, ein Rückgang von 0,65 Prozent gegenüber dem Dienstagsschluss. Der kleine Dämpfer ändert wenig am großen Bild: Binnen 30 Tagen ist der Kurs um 25,68 Prozent gestiegen. Auslöser war ein Quartalsbericht, der die Stimmung gegenüber dem Technologiekonzern grundlegend gedreht hat.

Am 30. Juli sprang die Aktie an einem einzigen Tag um 15,5 Prozent nach oben. Grund waren die Zahlen zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das Ende Juni auslief. Der RSI-Wert von 76,7 signalisiert inzwischen eine überkaufte Lage nach dem steilen Anstieg. Vom bisherigen Rekordhoch aus dem Oktober 2025 bei 478,10 Euro ist der Titel trotzdem noch 11,15 Prozent entfernt.

Cloud liefert, Copilot wächst

Die Zahlen hinter der Rally sind eindeutig. Der Umsatz mit Microsoft Cloud kletterte um 27 Prozent auf 59,3 Milliarden Dollar. Noch deutlicher zeigt sich der Trend bei den vertraglich gesicherten künftigen Einnahmen: Sie wuchsen um 84 Prozent auf 678 Milliarden Dollar.

CEO Satya Nadella brachte es auf den Punkt: Azure habe im vergangenen Jahr erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar Umsatz überschritten. Microsoft 365 Copilot zählt inzwischen mehr als 30 Millionen zahlende Nutzer. Für Nadella spiegelt das wider, wie sehr Kunden dem Konzern bei ihrer KI-Transformation vertrauen.

Für das laufende Geschäftsjahr 2027 bleibt Finanzchefin Amy Hood zuversichtlich. Sie stellt einen Umsatz zwischen 89,85 und 90,95 Milliarden Dollar in Aussicht, ein Plus von 16 bis 17 Prozent. Das kommerzielle Geschäft soll weiter beschleunigen, gebremst nur durch die schwache PC-Nachfrage. Microsoft will laut Hood auch im neuen Geschäftsjahr frei cashflow-positiv bleiben.

Xbox kämpft mit explodierenden Bauteilkosten

Während Cloud und KI den Kurs treiben, steckt die Spielesparte in Schwierigkeiten. Am 1. August erhöhte Microsoft die Preise für Xbox Series S und X in Großbritannien und Europa – um bis zu 170 Pfund beziehungsweise 200 Euro. Der Konzern nennt einen weltweiten Engpass bei Speicherbausteinen als Grund.

Die Preise für Speicher und Arbeitsspeicher in Konsolen hätten sich bereits mehr als verzweieinhalbfacht, teilte Microsoft mit. Bis zum Herbst 2027 erwartet der Konzern eine weitere Verdopplung. Das trifft eine Sparte, die ohnehin schon angeschlagen ist.

Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 brach der Xbox-Umsatz um 1,7 Milliarden Dollar ein, ein Minus von 7 Prozent. Der Hardware-Umsatz fiel über das Gesamtjahr um 29 Prozent, allein im vierten Quartal um 13 Prozent. Xbox-Chefin Asha Sharma kündigte gegenüber der Belegschaft an, bis zum Geschäftsjahr 2027 rund 3.200 Stellen zu streichen. 1.600 Positionen fielen bereits am selben Tag weg, im Zuge konzernweiter Kürzungen.

Institutionelle Anleger positionieren sich neu

Die Kursrally hat unter Großanlegern eine Welle von Portfolio-Anpassungen ausgelöst. Fisher Asset Management stockte seinen Microsoft-Bestand um 670.134 Aktien auf. Cryder Capital baute seine Position ebenfalls aus.

Andere Fonds gingen den umgekehrten Weg. Guardcap Asset Management reduzierte seinen Bestand um 50.176 Aktien, Suncoast Equity verkaufte 15.382 Aktien. Das Bild bleibt gemischt, in der Tendenz aber eher konstruktiv.

Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei 51,03 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der Markt die widersprüchlichen Signale noch verarbeitet. Auf der einen Seite steht ein überkaufter Chart, auf der anderen ein Cloud-Geschäft, das seine eigenen Rekorde bricht. Wie sich die Xbox-Kostenprobleme bis zum Herbst 2027 auf die Konzernmarge auswirken, dürfte die nächsten Quartalsberichte prägen.