Ausgerechnet der Konzern, der die KI-Rally seit Jahren mitantreibt, hinkt der eigenen Erzählung hinterher. Während der Nasdaq Composite in diesem Jahr um elf Prozent zulegte, verlor die Microsoft-Aktie 17 Prozent. Ein Widerspruch, der sich nicht allein mit Kurslaune erklären lässt.
Nadella geht seinen Partner scharf an
CEO Satya Nadella hat intern deutliche Kritik an Anthropic geübt. Bei einem Mitarbeitertreffen bemängelte er die restriktive Steuerung des KI-Modells Fable, das viele Anfragen blockiert. „Es macht keinen Sinn“, so Nadella laut internen Aufzeichnungen gegenüber Entwicklerteams, die an Microsofts Copilot-Software arbeiten. Die Aussage wiegt schwer, weil Microsoft erst im vergangenen November eine Investition von fünf Milliarden Dollar in Anthropic zugesagt hatte — im Gegenzug verpflichtete sich der Anthropic zu Azure-Ausgaben von 30 Milliarden Dollar.
Nadella wirbt zunehmend für kosteneffiziente, unternehmenseigene Modelle statt einer Abhängigkeit von wenigen großen Anbietern. „Es kann nicht sein, dass es nur zwei Unternehmen mit Rechenkapital gibt und alle anderen nur mieten“, sagte er den Engineering-Teams. Microsofts eigener Anteil am For-Profit-Geschäft von OpenAI war zuletzt mit 135 Milliarden Dollar bewertet — auch diese Beziehung gilt seit dem Führungswechsel bei OpenAI 2023 als angespannt.
Investoren rechnen mit langsamerem Ausgabenwachstum
Parallel zur Partner-Debatte wächst am Markt die Sorge, dass die milliardenschweren Investitionen in Rechenzentren an Tempo verlieren könnten. UBS erwartet für die Hyperskalierer — neben Microsoft auch Amazon, Alphabet und Meta — in diesem Jahr ein Ausgabenplus von 76 Prozent auf 673 Milliarden Dollar.
Danach soll sich das Tempo deutlich abschwächen: nur noch 25 Prozent im kommenden Jahr, bis 2028 lediglich 6 Prozent. Einige Fondsmanager haben ihre Positionen in Chipherstellern bereits reduziert und stattdessen Hyperscaler-Aktien aufgestockt — in der Erwartung, dass nachlassende Kapitalausgaben die Margen der Cloud-Konzerne entlasten, während sie die Zulieferer stärker treffen.
Die Frage nach technologischer Abhängigkeit beschäftigt auch die Politik. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger warnte kürzlich, Deutschland könnte im Ernstfall den Zugang zu Microsoft-Updates verlieren, sollte der Konzern „den Stecker ziehen“. Er verwies dabei auch auf Fälle, in denen Anthropic bestimmte KI-Modellversionen zeitweise nicht auslieferte — ein Beleg dafür, wie schnell Technologiezugang politisch zum Verhandlungsgegenstand werden kann.
Für die kommende Berichtssaison gilt Microsofts Kommentar zu den eigenen Kapitalausgaben als richtungsweisend. Bestätigt der Konzern trotz der Partner-Spannungen ein unverändert hohes Investitionstempo, dürfte das die Debatte über eine Wachstumsbremse bei den Hyperscalern zumindest vorerst dämpfen.
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