Die Aktie von Microvast Holdings ist am Freitag auf ein neues 52-Wochen-Tief gefallen. Der Kurs schloss bei 0,7030 Euro, ein Minus von 7,13 Prozent innerhalb eines Tages. Der Relative-Stärke-Index von 24,4 signalisiert eine technisch stark überverkaufte Lage – ein Zustand, den Anleger bei dem Batteriehersteller zuletzt regelmäßig beobachten mussten. Zwei Entwicklungen belasten das Papier parallel: eine Sammelklage von Investoren und neue US-Handelsbarrieren, die das Geschäftsmodell des Unternehmens direkt berühren.

Sammelklage wegen Margen und Werksausbau

Die Kanzlei Rosen Law Firm erinnert Anleger an eine wichtige Frist in der laufenden Sammelklage gegen Microvast Holdings. Betroffen sind Käufer der Aktie zwischen dem 1. April 2025 und dem 16. März 2026. Wer als Lead Plaintiff auftreten will, muss sich bis zum 21. September 2026 melden. Im Kern der Vorwürfe steht die Behauptung, das Management habe die Fähigkeit überschätzt, gesteckte Margenziele zu erreichen, und den Zeitplan für den Ausbau der dritten Produktionsphase am Standort Huzhou beschönigt – die Fertigstellung war demnach bis Ende 2025 zugesagt worden. Die Klage reiht sich in eine Serie ähnlicher Verfahren ein, die in den vergangenen Monaten gegen das Unternehmen angestrengt wurden.

Für Anleger bedeutet ein solches Verfahren zunächst vor allem Unsicherheit über die Dauer und den möglichen finanziellen Ausgang – ein Urteil oder ein Vergleich stehen nicht zur Debatte, solange die Frist für die Klägerauswahl noch läuft. Belastend wirkt aber schon jetzt das Signal, dass Aussagen des Managements zu zentralen operativen Zielen juristisch angezweifelt werden.

Neue US-Zölle verschärfen die China-Abhängigkeit

Zusätzlichen Gegenwind liefert die US-Handelspolitik. Seit dem 24. Juli 2026 erhebt die US-Regierung unter Berufung auf Section 301 neue Zwangsarbeits-Zölle von 10 bis 12,5 Prozent auf Importe aus 60 Handelspartnern, darunter China mit dem oberen Satz von 12,5 Prozent. Eine aktuelle Analyse von Simply Wall St ordnet Microvast Holdings – Umsatz zuletzt 371,6 Millionen US-Dollar – ausdrücklich als einen der Werte ein, deren Lieferketten durch die neue Zollarchitektur unter Druck geraten. Die Analysten verweisen konkret auf Umsatzdruck und ein erhöhtes China-Risiko für den Batteriehersteller.

Das trifft einen wunden Punkt: Microvast fertigt Lithium-Ionen-Batterien und hängt maßgeblich von Produktionskapazitäten in China ab, während gleichzeitig der milliardenschwere Werksausbau in Huzhou im Zentrum der Anlegerklage steht. Zwar sehen manche Zollregelungen Ausnahmen für einzelne Batteriekomponenten vor, die neue US-Handelspolitik zielt aber grundsätzlich auf jene Lieferketten, in denen chinesische Fertigung eine tragende Rolle spielt. Für ein Unternehmen, das ohnehin mit Kostendruck und Verzögerungen kämpft, verengt das den Spielraum zusätzlich.

Ausblick

Die Kombination aus Rechtsrisiko und geopolitischem Gegenwind spiegelt sich im Kursverlauf wider: Binnen 30 Tagen hat die Aktie rund ein Drittel an Wert verloren, binnen zwölf Monaten mehr als drei Viertel. Ein nächster wichtiger Termin für Anleger ist die kommende Quartalsmitteilung, die für Anfang August angesetzt ist. Erst dort dürfte sich zeigen, ob das Unternehmen die im Zentrum der Klage stehenden Margen- und Ausbauziele inzwischen realistischer einordnet.