Die Daten sind stark, die Reaktion ist es auch, nur in die falsche Richtung. Moderna und Merck & Co. haben beim ESMO-Kongress Phase-3-Ergebnisse zum personalisierten Hautkrebsimpfstoff vorgelegt. Die Aktie gibt heute trotzdem weiter nach, zuletzt um rund acht Prozent.

Was die Studie zeigt

In der Studie INTerpath-001 mit 1.137 Patienten senkte der Impfstoff Intismeran autogene zusammen mit Keytruda beim vollständig resezierten Melanom das Risiko für Rückfall oder Tod um 42 Prozent. Die Vergleichsgruppe erhielt Keytruda allein. Nach zwei Jahren waren 82,2 Prozent der Patienten rückfallfrei, in der Kontrollgruppe 70,0 Prozent.

Ein klarer Erfolg also. Allerdings hatten Anleger in den vergangenen Wochen vieles davon vorweggenommen, die Aktie war kräftig gelaufen. Bereits am Donnerstag brach das Papier um rund 18 Prozent ein, am Freitag folgte ein kleineres Minus. Marktteilnehmer werten das als Gewinnmitnahmen nach einer Rally, bei der die Messlatte sehr hoch lag.

Bancel bremst die Euphorie

Konzernchef Stéphane Bancel zeigte sich im Gespräch mit einem Branchenportal erleichtert. Zehn Jahre arbeite Moderna an dem Impfstoff, die meisten Fachleute hätten nicht an einen Erfolg geglaubt. Der klinische Nutzen sei „real und erheblich“.

Zugleich dämpfte er die Erwartungen. Moderna müsse nun die biologischen Grundlagen genauer untersuchen, es werde auch Risiken geben: „Der Ansatz wird nicht überall funktionieren.“ Eine Einschränkung, die zur Stimmung am Markt passt. Der Weg von der Studie zu nennenswerten Umsätzen führt noch über Zulassungsverfahren und Markteinführung.

Analysten weit auseinander

Das Analystenbild bleibt gespalten. Die Kursziele reichen von 45 bis 220 US-Dollar, das mittlere liegt bei 123,75 US-Dollar. Von 20 Analysten raten drei zum Kauf, 14 zum Halten und drei zum Verkauf.

  • Piper Sandler: Buy, Kursziel 167 Dollar
  • Citigroup: Sell, Kursziel 80 Dollar
  • Bank of America Securities: Hold, Kursziel 220 Dollar

Vorbörslich notierte die Aktie zuletzt bei 187,45 US-Dollar und damit weiterhin deutlich über dem mittleren Kursziel. Dieser Abstand erklärt, warum selbst überzeugende Daten den Kurs derzeit nicht tragen. Die Bewertung preist bereits einen Großteil des Erfolgs ein, und genau daran müssen sich neue Nachrichten messen lassen.