Moody’s, DAX & Bayer: Wenn Daten-Exklusivität überzeugt, während Glyphosat-Euphorie verpufft

Moody's Aktie steigt nach Verteidigung des Daten-Burggrabens, während Bayers Glyphosat-Vergleich als teuer und unsicher bewertet wird. Der DAX erobert die 25.000-Punkte-Marke zurück.

Moody's, DAX & Bayer: Wenn Daten-Exklusivität überzeugt, während Glyphosat-Euphorie verpufft
Kurz & knapp:
  • Moody's Aktie springt über 6 Prozent nach Analystencall
  • Bayers Vergleich über 7,25 Milliarden Dollar enttäuscht
  • DAX klettert über 25.000 Punkte getragen von Rüstungswerten
  • Anleger belohnen Substanz statt schneller Narrative

Liebe Leserinnen und Leser,

manchmal entscheiden Details über Milliarden. Moody’s Führungsetage trat gestern vor Analysten und erklärte, warum ihre Daten nicht einfach durch KI ersetzbar sind – die Aktie sprang daraufhin um über 6 Prozent. Zur selben Zeit, gut 6.000 Kilometer entfernt in Leverkusen, machte Bayer die gegenteilige Erfahrung: Ein 7,25-Milliarden-Dollar-Vergleich, der am Vortag noch gefeiert wurde, entpuppte sich bei genauerer Betrachtung als teurer Schritt mit offenem Ausgang. Die Aktie stürzte um über 11 Prozent ab. Derweil kletterte der DAX mit Schwung über die 25.000-Punkte-Marke zurück – getragen von Rüstungswerten und einer breiten Erholung bei Industrietiteln. Was diese drei Entwicklungen verbindet: Anleger schauen genauer hin, hinterfragen schnelle Narrative und belohnen Substanz statt Hoffnung.

Moody’s kontert KI-Ängste mit proprietären Daten

Die Rating-Agentur Moody’s hatte Anfang Februar einen harten Schlag einstecken müssen: Im Zuge der KI-bedingten Abverkaufswelle bei Software- und Finanzdienstleistern verlor die Aktie über 17 Prozent seit Jahresbeginn. Der Vorwurf: KI könnte Kreditanalysen automatisieren und traditionelle Rating-Geschäfte überflüssig machen. Gestern lieferte CEO Rob Fauber die Gegenargumentation – und die kam an. „Ein Großteil der Daten ist schlicht nicht öffentlich verfügbar. Wir haben ein komplexes Ökosystem aus kommerziellen Vereinbarungen und IP-Rechten aufgebaut, das Jahrzehnte gedauert hat“, erklärte er auf der Analystencall. Die Botschaft: Moody’s besitzt einen Daten-Burggraben, den KI-Modelle nicht einfach umgehen können.

Die Zahlen untermauern das Argument. Im vierten Quartal bewertete Moody’s über 70 Milliarden Dollar an Anleihen von Alphabet, Amazon und Meta – allesamt zur Finanzierung ihrer KI-Infrastruktur. Der bereinigte Gewinn je Aktie für 2026 wird zwischen 16,40 und 17,00 Dollar erwartet, über den Analystenschätzungen von 16,38 Dollar. Das Geschäft mit Kreditratings (MIS) wuchs im Schlussquartal um 17 Prozent auf 946 Millionen Dollar. Während Konkurrent S&P mit schwachen Prognosen enttäuschte und nur 2,6 Prozent zulegte, schoss Moody’s um 6 Prozent nach oben. Für deutsche Anleger zeigt der Fall: KI-Disruption ist real, aber nicht jedes Geschäftsmodell ist gleich verwundbar. Wer exklusive Daten kontrolliert, hat eine Verteidigungslinie.

Anzeige: Was bedeutet das konkret für uns als Anleger? Jörg Mahnert hat einen systematischen Ansatz entwickelt, der genau diese Frage beantwortet: das 10×10 Depot. Statt auf 50 oder 100 verschiedene Werte zu setzen, konzentriert sich dieses System auf die 10 stärksten Momentum-Aktien weltweit – Unternehmen, die nachweislich Kapitalströme auf sich ziehen und neue Allzeithochs markieren. In seinem Webinar mit Bernd Wünsche erklärt Mahnert, warum zu viel Diversifikation die Rendite verwässert und wie sein Filter aus über 40.000 börsennotierten Unternehmen systematisch die Top-Performer identifiziert. Sie erfahren, welche 10 Aktien aktuell das höchste Momentum zeigen und wie Sie mit diesem fokussierten Ansatz Ihr Portfolio auf Hochleistung trimmen. Details zum 10×10 Depot-System

Bayer: Der teuer erkaufte Vergleich und seine Haken

Am Dienstagabend sah es noch nach Befreiungsschlag aus. Bayer hatte einen Sammelvergleich über 7,25 Milliarden Dollar angekündigt, der aktuelle und künftige Glyphosat-Klagen in den USA weitgehend beilegen soll. Die Aktie sprang um über 7 Prozent. Doch schon am nächsten Morgen setzte die Ernüchterung ein. Das Papier krachte um über 11 Prozent auf unter 46 Euro – und gab damit das Vortagesplus komplett ab. Was war passiert?

Analysten begannen, das Kleingedruckte zu lesen. Ein Kernpunkt: Der Vergleich steht unter Vorbehalt. Ein Gericht in St. Louis muss zustimmen, und es besteht die Gefahr einer hohen Widerspruchsquote von Klägern, die sich gegen die Vereinbarung entscheiden. Noch entscheidender: Die Berufung vor dem Supreme Court steht weiterhin aus. Sollte das höchste US-Gericht nicht zugunsten von Bayer entscheiden, könnten erhebliche Schadenersatzurteile Bestand haben, die nicht durch den Sammelvergleich abgedeckt sind. Barclays formulierte es so: „Ein Kernpunkt bleibt die Frage, was passiert, wenn der Supreme Court nicht zugunsten von Bayer entscheidet.“

Die DZ Bank ging noch weiter und stufte die Aktie von „Kaufen“ auf „Verkaufen“ ab, mit einem neuen Kursziel von 42 Euro. Analyst Peter Spengler nannte den Vergleich einen „teuer erkauften Schritt zu mehr Planungssicherheit“. Die 7,25 Milliarden Dollar über 21 Jahre verteilt – das sind jährlich etwa 345 Millionen Dollar zusätzliche Belastung. Für einen Konzern, der ohnehin unter Margendruck steht und die Dividende bereits zusammengestrichen hat, ist das keine Kleinigkeit. Der Markt quittierte das mit einem Kursrutsch, der Bayer zum klaren Tagesverlierer im DAX machte. Die Lektion für Anleger: Ein Vergleich ist erst dann ein Vergleich, wenn alle Bedingungen erfüllt sind – und solange der Supreme Court nicht entschieden hat, bleibt das Damoklesschwert über Leverkusen hängen.

DAX durchbricht 25.000 – Rüstung und Industrie führen

Während Bayer unter die Räder kam, eroberte der DAX mit einem Plus von 1,12 Prozent die 25.000-Punkte-Marke zurück und schloss bei 25.278 Zählern. Damit erreichte der Leitindex den höchsten Stand seit Mitte Januar. Nach dem Rekordhoch vor gut fünf Wochen bei fast 25.508 Punkten und dem anschließenden Rücksetzer auf das Jahrestief von 24.266 Punkten Ende Januar erwies sich die 25.000er-Marke in den vergangenen Wochen als zäher Widerstand. Geopolitische Spannungen, Zinsunsicherheit und KI-Ängste hatten belastet. Gestern nun der Befreiungsschlag.

Getragen wurde die Erholung von einer breiten Front. Rüstungswerte führten die Gewinnerliste an: Rheinmetall legte 5,1 Prozent zu, nachdem die EU-Kommission grünes Licht für die Übernahme der Militärsparte NVL der Werftengruppe Lürssen gab – inklusive der Blohm+Voss-Werft in Hamburg. Im MDAX gewannen Hensoldt 3,1 Prozent und Renk 4,8 Prozent. Der Hintergrund: Die Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine in Genf kommen nicht voran, was die Erwartung stützt, dass europäische Verteidigungsbudgets weiter steigen.

Auch Industriewerte erholten sich. Siemens kletterte um 3,8 Prozent und machte damit einen Teil der jüngsten KI-bedingten Verluste wett. Heidelberg Materials gewann 4,6 Prozent, Infineon profitierte von starken Zahlen des US-Halbleiterherstellers Analog Devices und legte 3,4 Prozent zu. Im Nebenwerteindex SDAX honorierten Anleger die vorläufigen Jahreszahlen von Dürr mit einem Kursplus von 9,6 Prozent – der Anlagenbauer hatte beim Nettogewinn die eigene Prognose dank eines höheren Buchgewinns aus dem Verkauf des Umwelttechnikgeschäfts deutlich übertroffen.

Technisch verbesserte sich das Bild merklich. „Mit dem Sprung über das Hoch aus der Vorwoche bei knapp 25.250 Zählern hat sich das technische Bild im DAX wieder deutlich verbessert“, konstatierte Andreas Lipkow von CMC Markets. Sollte dieses Niveau in den kommenden Tagen halten, rücke auch das Allzeithoch wieder in greifbare Nähe. Mittelfristig sieht Martin Utschneider von Robomarkets den DAX zwar weiter in einer Konsolidierung, langfristig aber bleibe der Aufwärtstrend intakt. Für deutsche Anleger bedeutet das: Die 25.000 ist zurückerobert, doch die wahre Bewährungsprobe kommt erst, wenn der Index diese Marke nachhaltig verteidigen kann.

Chemie unter Druck, Schweizer Börse auf Rekordjagd

Während der DAX insgesamt zulegte, gerieten Chemiewerte europaweit unter Druck. Brenntag rutschte um 4,7 Prozent ab, BASF verlor 1,4 Prozent, Symrise 0,8 Prozent. Auslöser waren enttäuschende Zahlen des niederländischen Chemikalienhändlers IMCD, dessen Ergebnisse deutlich unter dem Konsens lagen. Die Analysten von Jefferies sahen zudem keine Anzeichen für eine Trendwende. Das belastete die gesamte Branche, die ohnehin mit schwacher Nachfrage und Überkapazitäten kämpft.

Einen ganz anderen Weg ging die Schweizer Börse. Der SMI kletterte um 0,4 Prozent auf ein neuerliches Rekordhoch von 13.807 Punkten. Treiber war die Holcim-Tochter Amrize, deren Aktie um 13,3 Prozent explodierte. Der auf das US-Geschäft fokussierte Baustoffhersteller hatte zwar mit den Quartalszahlen und dem Ausblick die Erwartungen knapp verfehlt, kündigte aber eine Sonderdividende und ein Aktienrückkaufprogramm an. Vontobel-Analysten hoben zudem den starken freien Cashflow hervor. Holcim selbst gewann 2,9 Prozent. Auch Bankaktien waren gesucht: UBS legte 2,7 Prozent zu, Julius Bär 2,6 Prozent.

US-Börsen erholen sich, Nvidia profitiert von Meta-Deal

An der Wall Street setzte sich die Erholung fort. Der Dow Jones gewann 0,6 Prozent auf 49.824 Punkte, der S&P 500 stieg um 0,9 Prozent auf 6.902 Zähler, der Nasdaq legte 1,3 Prozent auf 22.874 Punkte zu. Treiber war eine Meldung, die KI-Optimisten aufatmen ließ: Meta kündigte an, in den nächsten Jahren „Millionen“ von Nvidia-Prozessoren der Generationen Blackwell und Rubin zu kaufen. Die Nvidia-Aktie sprang um 2,6 Prozent, Meta gab leicht nach.

Auch positive Konjunkturdaten stützten. Die Industrieproduktion stieg im Januar stärker als erwartet, und der Auftragseingang für langlebige Güter fiel weniger stark als befürchtet. Allerdings blieb die Nervosität rund um KI spürbar. Palo Alto Networks stürzte um 8,7 Prozent ab, nachdem der Cybersicherheitsspezialist zwar die Quartalszahlen übertraf, aber mit der Gewinnprognose für das laufende Quartal enttäuschte. Analog Devices hingegen legte 3,3 Prozent zu, Cadence Design Systems sprangen um 6,6 Prozent – beide profitierten von starken Geschäftszahlen.

Am Abend stand das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung auf der Agenda. Anleger erhofften sich Hinweise darauf, wie die Notenbank die Balance zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsunterstützung sieht – und ob der nominierte neue Fed-Chef Kevin Warsh mit seinem Wunsch, die Bilanz zu kürzen, Unterstützung findet.

Ausblick: Supreme Court, Fed-Protokoll und Rüstungsdynamik

Die kommenden Tage werden zeigen, ob die DAX-Erholung Bestand hat oder ob die 25.000 erneut zur Hürde wird. Entscheidend wird sein, ob die Rüstungsdynamik anhält – die stockenden Genfer Verhandlungen deuten darauf hin. Bei Bayer bleibt die Lage angespannt: Solange der Supreme Court nicht entschieden hat, bleibt das Glyphosat-Thema ein Unsicherheitsfaktor. Und Moody’s hat gezeigt, dass KI-Ängste differenziert betrachtet werden müssen – nicht jedes Geschäftsmodell ist gleich verwundbar.

Für deutsche Anleger lautet die Botschaft: Genau hinschauen lohnt sich. Schnelle Narrative – ob KI-Disruption oder Glyphosat-Befreiungsschlag – halten der Detailprüfung nicht immer stand. Wer Substanz von Hoffnung trennen kann, hat die besseren Karten.

Beste Grüße und einen erfolgreichen Handelstag,
Andreas Sommer

Über Andreas Sommer 1780 Artikel

Über mich: Erfahrung für Ihren Anlageerfolg

Als Finanzanalyst und Börsenjournalist beschäftige ich mich seit über vier Jahrzehnten intensiv mit den Finanzmärkten. Meine Spezialisierung liegt auf der Analyse wachstumsstarker Aktien und der Entwicklung von Anlagestrategien, die fundamentale Bewertung mit technischer Analyse kombinieren.

Ein zentraler Aspekt ist das Timing („Timing is Money“), denn Risikobegrenzung ist essenziell („Vermeiden ist besser als Verlieren!“). Mein Ziel ist es, Ihnen klare Orientierung in dynamischen Märkten zu bieten.

Mein Weg an die Börse: Vom Bankberater zum Analysten

Meine Faszination für die Finanzmärkte entwickelte sich schon früh. Wichtige Stationen meines Weges sind:

  • Bankwesen: Über zehn Jahre Erfahrung als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank legten den Grundstein im Kundengeschäft.
  • Wendepunkt 1987: Der Börsencrash weckte mein tiefes Interesse an der technischen Analyse als wichtiges Instrument zur Risikosteuerung.
  • Finanzjournalismus: Als Finanzredakteur und Chefredakteur für Börsenpublikationen vertiefte ich meine Marktkenntnisse.
  • Strategieentwicklung: Über die Jahre entwickelte ich meinen heutigen ganzheitlichen Ansatz, der Fundamentaldaten und Charttechnik systematisch verbindet.

Meine Arbeit: Analysen, Strategien und Einblicke

Meine Expertise und meine Anlagestrategien teile ich auf verschiedenen Wegen:

  • Buch "Die Wachstumsaktien-Strategie": In diesem Buch (VNR Verlag) stelle ich praxisnah meine Methode zur Auswahl von Wachstumsaktien und zur Kombination von Fundamentalanalyse und Timing vor.
  • Markt-Barometer: Ein selbst entwickeltes Tool, das wöchentlich das Börsenklima anhand globaler Indikatoren einschätzt und bei der Risikosteuerung hilft.
  • Einblicke teilen: Meine Marktmeinung zu Aktien, Gold, Krypto und Rohstoffen teile ich regelmäßig bei Auftritten auf Finanzmessen (z.B. Invest Stuttgart), in Fachmedien (z.B. Börsen Radio Network) und auf meinem YouTube-Kanal „Chartanalyse-Trends“.

Unabhängigkeit und Transparenz sind die Grundlage meiner Arbeit.

Mein Ziel: Ihr Navigator im Finanzmarkt

Ich möchte Anlegern – ob Einsteiger oder Profi – klare, fundierte und umsetzbare Strategien an die Hand geben. Mit meinen Analysen und Werkzeugen helfe ich Ihnen, sich im oft komplexen Finanzmarkt zurechtzufinden und erfolgreich zu investieren.