Der US-amerikanische Seltene-Erden-Spezialist MP Materials sieht sich an der Börse mit Gegenwind konfrontiert. Nachdem die Analysten von JPMorgan ihr Kursziel für das Unternehmen deutlich nach unten korrigiert haben, markierte die Aktie gestern ein neues Jahrestief. Trotz der strategischen Relevanz als einziger US-Produzent von Seltenen Erden im industriellen Maßstab belasten derzeit sowohl Expertenmeinungen als auch Insiderverkäufe die Stimmung der Anleger. Im heutigen Handel stabilisiert sich das Papier leicht und notiert bei 33,75 €, was einem Plus von 1,96 % entspricht.

Analysten korrigieren Erwartungen nach unten

Die Experten von JPMorgan haben ihr Kursziel für MP Materials am gestrigen Mittwoch von zuvor 75 US-Dollar auf 60 US-Dollar gesenkt. Zwar behielt das Bankhaus seine Einstufung auf „Overweight“ bei, doch die Reduzierung um 20 % löste am Markt einen merklichen Abverkauf aus. Die Analysten reagierten damit unter anderem auf die Bewertung des Unternehmens: Berechnungen von GuruFocus zufolge lag der faire Wert („GF Value“) zuletzt bei etwa 34,48 US-Dollar, während die Aktie zeitweise bei über 39 US-Dollar gehandelt wurde, was auf eine kurzfristige Überbewertung hindeutete.

Der gestrige Kursrutsch führte dazu, dass das Papier mit 33,10 € auf den niedrigsten Stand der letzten 52 Wochen fiel. Damit hat sich der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt auf -34,73 % vergrößert, was den anhaltenden Abwärtstrend der vergangenen Monate unterstreicht. Neben JPMorgan zeigten sich auch andere Häuser vorsichtiger. Während Barclays sein Kursziel auf 65 US-Dollar festsetzte, halten Experten von Wedbush mit einem Ziel von 100 US-Dollar weiterhin an einer sehr optimistischen Einschätzung fest. Im Konsens wird die Aktie von der Mehrheit der Analysten weiterhin als Kauf eingestuft, wobei das durchschnittliche Kursziel bei rund 78 US-Dollar liegt.

Insiderverkäufe und institutionelle Umschichtungen

Zusätzliche Verunsicherung lösten Meldungen über umfangreiche Anteilsverkäufe durch das Management aus. Innerhalb der letzten 90 Tage summierten sich die Insiderverkäufe auf insgesamt etwa 60,2 Millionen US-Dollar. Dabei veräußerte der CEO von MP Materials am 28. Mai ein Paket von 234.651 Aktien zu einem Kurs von 65,87 US-Dollar. Bereits am 8. Mai hatte der CFO des Unternehmens 20.000 Anteile zu einem Preis von 75 US-Dollar verkauft. Im Gegensatz dazu stehen vereinzelte Zukäufe, wie etwa durch den COO, der 17.000 Aktien zu 56,62 US-Dollar erwarb.

Auch bei den institutionellen Investoren gab es im ersten Quartal Bewegung. Dimensional Fund Advisors reduzierte seine Position geringfügig um 1,9 % auf rund 1,87 Millionen Aktien. Gleichzeitig bauten andere Schwergewichte ihre Beteiligungen massiv aus: BNP Paribas steigerte sein Engagement um 76,3 %, während Amundi seine Position sogar um über 1.300 % aufstockte. Insgesamt befinden sich derzeit etwa 52,55 % der Anteile in der Hand institutioneller Anleger.

Strategische Weichenstellung und bevorstehende Quartalszahlen

Die fundamentale Bedeutung von MP Materials bleibt derweil unbestritten. Das Unternehmen betreibt mit Mountain Pass die einzige großflächige Mine für Seltene Erden in den USA und spielt eine Schlüsselrolle bei der Unabhängigkeit von chinesischen Lieferketten. Das Pentagon hat bereits massiv in das Unternehmen investiert, um die heimische Produktion von Neodym-Praseodym-Magneten (NdPr) zu sichern, die für moderne Verteidigungstechnologien unverzichtbar sind. Ein entscheidender Terminanker ist hierbei der 1. Januar 2027: Ab diesem Datum untersagt das US-Verteidigungsministerium die Verwendung von chinesischen Seltene-Erden-Magneten in militärischen Anwendungen.

Anleger blicken nun gespannt auf den kommenden Donnerstag, den 6. August. Dann wird MP Materials seine Finanzergebnisse für das zweite Quartal 2026 vorlegen. Im ersten Quartal konnte das Unternehmen mit einem Gewinn pro Aktie von 0,03 US-Dollar die Erwartungen der Analysten, die von einem Verlust ausgegangen waren, übertreffen. Auch der Umsatz lag mit 90,65 Millionen US-Dollar deutlich über dem Vorjahresniveau. Ob dieser positive operative Trend anhält und die Skepsis der Analysten entkräften kann, wird sich nächste Woche zeigen.