Die Münchener Rück steckt in einer paradoxen Situation. Das operative Geschäft brummt, der Gewinn steigt rasant. Doch an der Börse läuft es seit Monaten rund. Seit Jahresbeginn hat der MDAX-Konzern über 14 Prozent an Wert verloren. Aktuell notiert die Aktie bei 471,30 Euro.

Dagegen stemmt sich der Vorstand mit einem milliardenschweren Rückkaufprogramm.

Über eine Million Aktien eingesammelt

Seit dem 14. Mai hat Munich Re über eine Million eigene Aktien zurückgekauft. Allein zwischen dem 10. und 18. Juni waren es knapp 170.000 Stück. Das Tempo liegt deutlich über den Vorwochen.

Das Gesamtvolumen: maximal 2,25 Milliarden Euro. Das Programm läuft bis zur Hauptversammlung am 29. April 2027. Die zurückgekauften Aktien werden eingezogen. Das stützt rechnerisch den Gewinn je Aktie.

Doch der Kurs reagiert bislang nicht.

Preisverfall im Kerngeschäft

Der Grund liegt im Markt für Sach-Katastrophen-Rückversicherung. Zur Juni-Erneuerung sind die Preise laut Broker Howden Re um 15 bis 20 Prozent gefallen. Bei schadenfreien Programmen sogar um bis zu 25 Prozent.

Munich Re ist als reiner Rückversicherer davon stärker betroffen als ein breit aufgestellter Erstversicherer wie die Allianz. Die Allianz-Aktie notiert im laufenden Jahr im Plus. Hannover Rück bewegt sich näher am DAX-Schnitt. Munich Re bleibt das klare Schlusslicht im Sektor.

Operativ läuft es besser

Die Schere zwischen Börsenkurs und Geschäftszahlen ist bemerkenswert. Im ersten Quartal stieg das Konzernergebnis auf 1,714 Milliarden Euro – ein Plus von 57 Prozent. Grund war eine außergewöhnlich niedrige Großschadenbelastung. Die Combined Ratio verbesserte sich auf 66,8 Prozent nach 83,9 Prozent im Vorjahr.

Die Solvenzquote liegt bei 292 Prozent. Das ist weit über dem Zielkorridor von 200 bis 250 Prozent. Das Management hält an der Jahresprognose von 6,3 Milliarden Euro Gewinn fest.

Juli-Erneuerung als nächster Test

Am 1. Juli steht die nächste Vertragserneuerungsrunde an. Munich Re erwartet, das aktuelle Preisniveau weitgehend halten zu können. Gelingt das, wäre es ein Signal: Der Preisverfall hat seinen Boden gefunden.

Einige institutionelle Investoren zeigen sich dennoch vorsichtig. JPMorgan Asset Management senkte seinen Stimmrechtsanteil zuletzt auf 2,99 Prozent, die Capital Group auf 2,89 Prozent.

Parallel dazu hat Munich Re seinen externen Rückversicherungsschutz um 60 Prozent auf nur noch 600 Millionen US-Dollar gekürzt. Der Konzern kassiert mehr Prämien – trägt aber im Schadenfall höhere eigene Risiken.

Am 7. August folgt der Halbjahresbericht. Bis dahin entscheiden Sturmsaison und Juli-Erneuerung über die Richtung.