Starke operative Zahlen, aber ein schwacher Aktienkurs. Bei der Münchener Rück klaffen Realität und Marktstimmung derzeit auseinander. Seit Jahresbeginn hat das Papier knapp 14 Prozent an Wert verloren. Der Vorstand reagiert auf den Druck und kauft massiv eigene Aktien zurück.

Rückkaufprogramm stützt den Kurs

Über eine Million Titel hat der Konzern seit Mai bereits vom Markt genommen. Insgesamt fließen bis Ende April 2027 maximal 2,25 Milliarden Euro in das Programm. Die erste Tranche umfasst 900 Millionen Euro.

Die zurückgekauften Papiere zieht Munich Re ein. Das stützt den Gewinn je Aktie dauerhaft. Am Freitag schloss das Papier bei 472,30 Euro. Damit notiert der DAX-Konzern rund 22 Prozent unter seinem letzten 52-Wochen-Hoch.

Harter Preiskampf im Markt

Der globale Rückversicherungsmarkt leidet unter einem enormen Überangebot. Weltweit suchen 805 Milliarden US-Dollar an Kapital nach Rendite. Dieser Rekordwert drückt die Preise massiv. Zur Juni-Erneuerung brachen die Raten für Sach-Katastrophen um bis zu 20 Prozent ein.

Munich Re reagiert mit eiserner Disziplin. Der Konzern zeichnet konsequent kein Geschäft, das die internen Preisvorgaben verfehlt. Die Folge: Das gezeichnete Volumen sank in der April-Erneuerung um 18,5 Prozent. Das Preisniveau des Portfolios gab risikoadjustiert um 3,1 Prozent nach.

Trotz des Marktdrucks liefert das Unternehmen starke Zahlen. Im ersten Quartal verdiente Munich Re rund 1,7 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 56 Prozent gegenüber dem Vorjahr. An der Jahresprognose hält das Management fest. Der Gewinn soll 2026 bei 6,3 Milliarden Euro liegen.

Mehr Risiko in den eigenen Büchern

Parallel läuft die atlantische Hurrikansaison an. Hier geht Munich Re nun deutlich aggressiver vor. Der Konzern hat externe Absicherungen durch Katastrophenanleihen massiv reduziert. Der finanzielle Schutz sank von 1,55 Milliarden auf 600 Millionen US-Dollar.

Das Management rechnet mit einer leicht unterdurchschnittlichen Saison. Der Konzern erwartet 13 benannte Stürme und sechs Hurrikane. Das Wetterphänomen El Niño bremst die Wirbelstürme über dem Atlantik.

Dafür wandert das Risiko in den Pazifik. Im Nordwesten erwartet der Rückversicherer 27 Stürme und elf schwere Taifune. Betroffen sind vor allem Japan, China und Korea.

Am 7. August legt Munich Re den Halbjahresbericht vor. Bis dahin rückt die wichtige Vertragserneuerung zum 1. Juli in den Fokus. Gelingt es dem Konzern, das Preisniveau in dieser Runde zu halten, signalisiert das einen Boden im aktuellen Preisverfall. Das würde beweisen, dass die Strategie des schrumpfenden Volumens zugunsten der Margen aufgeht.