Ein Interview sorgt für Verunsicherung bei der Münchener Rück. Finanzvorstand Andrew Buchanan deutete an, dass der Konzern seine Prognose für die Schaden- und Unfallrückversicherung genau prüft. Die Aktie stoppte daraufhin ihre seit Juni laufende Erholungsrally.
Am Mittwoch schloss das Papier bei 504,20 Euro, ein Plus von 0,52 Prozent. Der Kurs bleibt damit deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 522,31 Euro – ein Zeichen, dass die Erholung seit Juni noch nicht abgeschlossen ist.
CFO äußert sich zur Prognose
Buchanan sprach mit der „Börsen-Zeitung“ über die Arbeiten am Halbjahresabschluss. Der Konzern schaue sehr genau auf das Geschäft in der Pipeline für das dritte und vierte Quartal. Daraus ergebe sich, welche Prognose man dem Markt gebe.
Ein Händler wertete die Aussage als Hinweis: Der Konzern hinterfrage offenbar seine Prognose für die Schaden- und Unfallsparte. Überraschend kommt das nicht ganz. Schon im Mai hatte das Unternehmen eingeräumt, dass das Umsatzziel von 40 Milliarden Euro in der Rückversicherung schwerer zu erreichen sei.
Preise fallen weiter
Der Preisdruck im Rückversicherungsgeschäft belastet die Stimmung zusätzlich. Bei der Juli-Erneuerungsrunde sind die Preise laut Buchanan weiter gesunken. Bereits bei den Verhandlungen im Januar und April waren die Preise um rund drei Prozent gefallen.
Der Finanzchef betonte dennoch, die Vertragsbedingungen blieben stabil. Von einem „weichen Markt“ könne keine Rede sein. Die Renditen im Schaden- und Unfallgeschäft seien weiterhin angemessen, auch bei der Absicherung von Naturkatastrophen.
Kapitalanlagen als Lichtblick
Beim Blick auf die Kapitalanlagen zeigte sich Buchanan zuversichtlicher. Der Konzern hält weiter an einer Renditeerwartung von 3,5 Prozent fest, obwohl das erste Quartal deutlich darunter lag. Im zweiten Quartal erwartet Buchanan eine gewisse Aufholjagd.
In der zweiten Jahreshälfte will die Münchener Rück mehr Gewinne aus Kapitalanlagen realisieren. Zusätzliches Potenzial sieht der Konzern in geplanten, aber noch nicht umgesetzten Vermögensverkäufen.
Ausblick
Ob der Rückversicherer seine Jahresprognose für die Schaden- und Unfallsparte tatsächlich anpasst, entscheidet sich erst mit dem Halbjahresabschluss. Bis dahin bleibt die Preisentwicklung in der Rückversicherung der zentrale Unsicherheitsfaktor für den Kurs.
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