Die Risikolandschaft verschiebt sich — und Munich Re passt sich an. Der RiskScan 2026 zeigt, wohin sich die Bedrohungen bewegen. Für den Rückversicherer hat das direkte Konsequenzen für Preisgestaltung, Kapitalallokation und Wachstumsstrategie.

Die Aktie notiert aktuell bei 462,90 Euro, ein moderates Plus von 0,74 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Mit einem Minus von rund 17,5 Prozent auf Jahressicht liegt der DAX-Titel deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch von 605,00 Euro.

Cyber heute, Naturkatastrophen morgen

Der RiskScan 2026 — erstellt gemeinsam mit dem Insurance Information Institute auf Basis von mehr als 1.700 Befragten in den USA und Großbritannien — zeichnet ein klares Bild. Cybervorfälle nennen 55 Prozent der Marktteilnehmer als aktuelles Toprisiko. Betriebsunterbrechungen und neue Technologien folgen mit je 45 Prozent.

Interessanter ist der Blick nach vorn. Naturkatastrophen stehen heute bei 42 Prozent — künftig bei 52 Prozent, dann auf Rang eins. Überschwemmungen, schwere Stürme und Waldbrände gelten nicht mehr als seltene Extremereignisse. Befragte stufen sie als häufige und schwerwiegende Risiken ein. Das stellt klassische Annahmen zur Katastrophenexposition infrage.

Munich Re nutzt diese Erkenntnisse, um sein Underwriting zu schärfen und Kumulrisiken besser zu modellieren.

Cyber-Expansion und Hurrikansaison

Im Cyber-Geschäft baut Munich Re seine Präsenz in Wachstumsmärkten aus. Zum 1. Juli übernimmt Johanna Roman die Leitung für Australasien, Greater China und Afrika. Marco Petrovic verantwortet die übrigen asiatischen Märkte und zieht im August nach Singapur.

Die anstehende Hurrikansaison liefert ein gemischtes Bild. Für den Atlantik prognostiziert Munich Re eine etwas schwächere Phase. Im Pazifik warnt der Konzern hingegen vor einer überdurchschnittlichen Taifunsaison.

Pikant dabei: Munich Re hat seinen externen Schutz gegen Naturkatastrophen um mehr als 60 Prozent reduziert. Das spart Prämien, erhöht aber das Schadenpotenzial bei schweren Stürmen erheblich.

Starke Zahlen, ein offenes Fragezeichen

Operativ liefert Munich Re. Im ersten Quartal 2026 erzielte der Konzern einen Gewinn von rund 1,7 Milliarden Euro. Das Jahresziel liegt bei 6,3 Milliarden Euro — nach 6,0 Milliarden Euro im Jahr 2025. Die Solvenzquote beträgt komfortable 292 Prozent.

Das laufende Aktienrückkaufprogramm läuft konsequent weiter. Im Zeitraum vom 2. bis 9. Juni kaufte Munich Re insgesamt 92.562 eigene Aktien zurück. Das Gesamtprogramm umfasst maximal 2,25 Milliarden Euro und läuft bis zur Hauptversammlung im April 2027.

Der Markt zweifelt nicht an den aktuellen Zahlen. Er zweifelt daran, ob Munich Re die hohen Renditen auch in einem weicheren Rückversicherungszyklus halten kann. Munich Re rechnet mit weiteren Preisrückgängen, erwartet aber, das gute Preisniveau weitgehend zu halten. Am 7. August folgt der Halbjahresbericht — dann wird klarer, wie belastbar diese Einschätzung ist.