Die Münchener Rück steuert auf die nordatlantische Hurrikansaison zu. Der Rückversicherer geht dabei einen offensiven Weg. Das Management hat den externen Schutzschirm massiv reduziert. Die Strategie ist klar: Wer weniger Risiko an Dritte auslagert, spart hohe Kosten. Verläuft die Sturmsaison glimpflich, treibt das den Gewinn direkt nach oben. Ein riskantes Manöver.

An der Börse honoriert man diesen Mut bisher verhalten. Die Aktie schloss am Freitag bei 472,30 Euro. Seit dem 52-Wochen-Tief Anfang Juni bei 437,50 Euro hat sich das Papier knapp acht Prozent erholt.

Auf Jahressicht steht weiterhin ein Minus von rund 14 Prozent. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt aktuell knapp elf Prozent. Das laufende Aktienrückkaufprogramm stützt den Kurs derweil leicht. Bis Mitte Juni erwarb die beauftragte Bank über eine Million Papiere via Xetra.

Weniger Schutz, mehr Profit

Parallel zur Juli-Erneuerungsrunde baut der Konzern seine Absicherung spürbar ab. Die Retrozessionsabdeckung sinkt von 1,55 Milliarden auf 600 Millionen US-Dollar. Das Management löste zwei Sidecar-Vehikel komplett auf. Ein großer Katastrophen-Bond lief ohne Verlängerung aus.

Das Unternehmen kann sich diesen Schritt leisten. Die Solvency-II-Quote liegt mit 292 Prozent weit über dem internen Mindestziel. Die Wetterprognosen stützen die offensive Linie. Experten erwarten wegen des Klimaphänomens El Niño eine unterdurchschnittliche Hurrikansaison im Nordatlantik.

Preisdruck trifft auf Rekordkapital

Trotz eines starken ersten Quartals bleibt das Marktumfeld anspruchsvoll. Der Gewinn stieg von Januar bis März um 57 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Die Jahresprognose von 6,3 Milliarden Euro bleibt bestehen.

Dennoch lastet Preisdruck auf dem Kerngeschäft. Das weltweit verfügbare Rückversicherungskapital erreichte zuletzt einen Rekordstand von 805 Milliarden US-Dollar. Dieses Überangebot verschärft den Wettbewerb spürbar. Bereits im April lehnte Munich Re unrentable Verträge ab. Das gezeichnete Geschäftsvolumen sank infolgedessen um fast ein Fünftel.

Pazifik und Währung als Risiken

Die Entwarnung für den Atlantik hat einen Haken. El Niño dämpft zwar die Stürme an der US-Küste. Im gleichen Zug steigen jedoch die Taifunrisiken im westlichen Pazifik. Ein einziger schwerer Sturm über dicht besiedeltem Gebiet kann die Jahresbilanz verhageln.

Ein weiteres Problem ist der starke Euro. Munich Re erzielt viele Prämien in US-Dollar, bilanziert aber in Euro. Allein im ersten Quartal kosteten Währungseffekte den Konzern 162 Millionen Euro.

Am 7. August legt die Münchener Rück ihren Halbjahresbericht vor. Dann liefert das Management konkrete Zahlen zur Juli-Erneuerungsrunde. Fällt die Großschadenbelastung bis dahin moderat aus, schlägt sich das höhere Eigenrisiko direkt im operativen Gewinn nieder.