Wer führt künftig den Aufsichtsrat des weltgrößten Rückversicherers? Diese Frage stellt Aufsichtsratschef Nikolaus von Bomhard selbst — und liefert gleich eine klare Antwort: Sein Favorit ist Joachim Wenning, der den Vorstandsvorsitz erst zum Jahreswechsel an Christoph Jurecka abgegeben hat.

Governance-Debatte mit Sprengstoff

In seiner vorab veröffentlichten Rede für die Hauptversammlung am 29. April trat von Bomhard Kritikern entgegen, die einen so schnellen Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat skeptisch sehen. Eine kategorische Ablehnung, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehe, sei seinerseits kritisch zu bewerten. Das deutsche Aktienrecht schreibt eine zweijährige Abkühlungsphase vor — da von Bomhard selbst bis 2028 im Amt bleibt, wäre der Zeitplan für Wenning rechtlich unproblematisch. Wenning bringe alle erforderlichen Qualifikationen mit, betonte von Bomhard in einem begleitenden Interview.

Starke Zahlen, ambitionierte Ziele

Finanziell hat Münchener Rück wenig zu klagen. Der Nettogewinn 2025 lag bei 6,12 Milliarden Euro und übertraf damit das eigene Ziel. Den Aktionären wird eine Dividende von 24,00 Euro je Aktie vorgeschlagen — ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr.

Für 2026 peilt CEO Jurecka ein Konzernergebnis von rund 6,3 Milliarden Euro an, bei einem Versicherungsumsatz von etwa 64 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalrendite soll dabei über 18 Prozent gehalten werden — trotz Gegenwind durch einen schwächeren US-Dollar.

Analysten uneinig über Kurspotenzial

An der Börse notiert die Aktie aktuell bei 551,20 Euro und damit rund neun Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 608,80 Euro. Die Bewertungen der Analystenhäuser spiegeln das gespaltene Bild wider:

  • JPMorgan („Overweight“): Kursziel 655 Euro
  • Barclays (optimistisch): Kursziel 606 Euro
  • Jefferies („Hold“): fairer Wert 600 Euro
  • RBC („Sector Perform“): Kursziel gesenkt auf 560 Euro

Auf der Hauptversammlung nächste Woche steht neben der Nachfolgefrage auch die Abstimmung über ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 2,25 Milliarden Euro auf der Tagesordnung — ein Volumen, das allein schon für Aufmerksamkeit sorgen dürfte.