Der Rückversicherer Münchener Rück hat am heutigen Freitag bei Vorlage der endgültigen Zahlen zum zweiten Quartal 2026 seinen Umsatzausblick zurückgenommen. Der DAX-Konzern rechnet für das laufende Jahr nun mit einem Versicherungsumsatz von 62 Milliarden Euro statt der bislang avisierten 64 Milliarden. Die Gewinnprognose bleibt dagegen unverändert: Konzernchef Christoph Jurecka plant weiterhin mit einem Anstieg des Nachsteuergewinns auf 6,3 Milliarden Euro nach 6,1 Milliarden im Vorjahr.

Die Aktie reagierte auf die Nachricht deutlich negativ. Im Handel notiert das Papier aktuell bei 504,80 Euro und verliert damit 3,52 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 523,20 Euro. Damit setzt sich der Rückgang der vergangenen Wochen fort, der die Aktie inzwischen mehr als 17 Prozent unter ihr 52-Wochen-Hoch vom 7. August 2025 gedrückt hat.

Preisverfall bei Erstversicherern trifft Kerngeschäft

Auslöser der Zielsenkung ist ein spürbarer Preisrückgang im Geschäft mit Erstversicherern wie Allianz und Axa. In der Rückversicherungssparte rechnet Jurecka nun mit einem um 2 Milliarden Euro niedrigeren Umsatz von 38 Milliarden Euro. Bei der Erneuerungsrunde zum 1. Juli 2026 sank das Preisniveau für das Portfolio risikoadjustiert um 5,5 Prozent, wie der Konzern mitteilte. Munich Re reagierte darauf, indem sie das Geschäftsvolumen bewusst zurückfuhr: Es sank in der Juli-Erneuerung um 9,1 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro.

„Auf Geschäft, für das wir keine risikoadäquaten Preise erhalten, verzichten wir bewusst“, sagte Jurecka bei der Vorlage der Quartalsbilanz. Für die kommende Erneuerungsrunde im Januar 2027 zeigt sich der Konzern dennoch zuversichtlich: Man erwarte, dass das „nach wie vor gute Preisniveau und die erzielten Verbesserungen in den Vertragsbedingungen“ trotz hoher Wettbewerbsintensität weitgehend gehalten werden könnten.

Bereits vor den Zahlen hatte Finanzvorstand Andrew Buchanan im Gespräch mit der „Börsen-Zeitung“ am 21. Juli eine mögliche Korrektur des Umsatzziels angedeutet. Er betonte zugleich, dass die Renditen im Schaden- und Unfallgeschäft weiterhin weitgehend angemessen seien.

Gewinn übertrifft Erwartungen deutlich

Trotz der schwächeren Umsatzaussichten bleibt die Ertragslage robust. Nach dem ersten Halbjahr steht bereits ein Konzerngewinn von 3,9 Milliarden Euro zu Buche. Bereits am 24. Juli hatte Munich Re vorläufige Zahlen gemeldet, wonach der Überschuss im zweiten Quartal bei 2,2 Milliarden Euro lag und die Analystenschätzung von rund 1,79 Milliarden Euro um 23 Prozent übertraf. Als Treiber nannte der Konzern ungewöhnlich geringe Großschäden in der Schaden- und Unfallrückversicherung sowie starke Kapitalanlageerträge. Die Erstversicherungstochter ERGO steuerte rund 300 Millionen Euro zum Konzerngewinn bei.

Die DZ Bank hatte nach den vorläufigen Zahlen am 24. Juli ihre Einstufung für Munich Re auf „Kaufen“ mit einem fairen Wert von 625 Euro belassen. Analyst Thorsten Wenzel bezeichnete den Nettogewinn damals als deutlich besser als erwartet und stufte das bestätigte Gewinnziel für 2026 als äußerst konservativ ein.

Auch bei den Wettbewerbern zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Swiss Re und Hannover Rück meldeten im selben Zeitraum ebenfalls Gewinnsteigerungen dank geringer Großschadenbelastung – ein Hinweis darauf, dass der Preisdruck den gesamten Rückversicherungsmarkt erfasst hat, in dem Munich Re neben diesen beiden Häusern zu den größten Anbietern zählt.