Die Mutares-Aktie hat Fahrt aufgenommen. Mit einem Plus von 2,50 % auf 28,70 € und einem Monatszuwachs von knapp 9 % sieht das Chartbild deutlich besser aus als noch im April. Wer die Erholung jetzt als Trendwende feiert, blendet allerdings einiges aus.
Technische Erholung — aber die Decke ist nah
Seit dem 52-Wochen-Tief bei 23,30 € hat die Aktie mehr als 23 % zugelegt. Mitte Mai kreuzte sie die 50-Tage-Linie nach oben — ein klassisches Kaufsignal. Der Kurs liegt nun rund 8 % über diesem Durchschnitt.
Das Problem: Der 200-Tage-Durchschnitt bei 29,00 € ist kaum noch entfernt. Nur rund 1 % trennen die Aktie von dieser Marke. Dort dürfte echter Widerstand warten. Das 52-Wochen-Hoch bei 36,75 € liegt noch immer fast 22 % entfernt — die Erholung ist real, aber der Weg bleibt lang.
Der eigentliche Kern: ein gerissener Covenant
Hinter dem Kursaufschwung steckt eine komplizierte Bilanzgeschichte. Anfang Juni gab Mutares das Ergebnis eines freiwilligen Anleiherückkaufs bekannt. Das Unternehmen kaufte Anleihen mit einem Nennbetrag von rund 18 Mio. Euro zurück — bei einem ursprünglich geplanten Volumen von bis zu 25 Mio. Euro. Die Nachfrage blieb also unter der Obergrenze.
Das ist kein Routinevorgang. Auslöser war eine Verletzung eines Bond Covenants: Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu Eigenkapital hatte die vereinbarte Grenze gerissen — durch Bewertungseffekte und gestiegene Leasingverbindlichkeiten. Die Anleihegläubiger stimmten einem Waiver zu und verhinderten so eine sofortige Fälligkeit. Bis Ende Juni 2026 verzichten sie auf die Überprüfung dieser Kennzahl.
Mutares plant weitere Rückkäufe im dritten Quartal 2026. Das Ziel: Die Anleiheverbindlichkeiten von derzeit 385 Mio. Euro bis Ende 2026 auf 250 bis 300 Mio. Euro drücken. Das ist ambitioniert — und ohne zusätzliche Exit-Erlöse kaum erreichbar.
Exit-Pipeline als Schlüssel
Das Positive: Mutares geht mit echtem Momentum ins zweite Quartal. Drei unterzeichnete Akquisitionen und sechs unterzeichnete Exits im ersten Quartal sprechen für eine aktive Transaktionsmaschine. Für den weiteren Jahresverlauf erwartet das Unternehmen weitere Exits — besonders aus den Bereichen Defense, Energie und Energieinfrastruktur.
Parallel treibt Mutares die US-Expansion voran. Neben dem bestehenden Standort in Chicago plant das Unternehmen ein zweites US-Büro. Die amerikanische Akquisitionspipeline umfasst Ziele mit einem Umsatzvolumen von rund 4,8 Mrd. Euro.
Der Vorstand geht davon aus, dass die verletzte Finanzkennzahl zum Ende Juni 2026 wieder eingehalten — und deutlich unterschritten — wird. Gelingt das, fällt ein wesentlicher Belastungsfaktor weg. Der Weg zurück über den 200-Tage-Durchschnitt wäre dann frei.
Mein Urteil: Übergangsphase, keine Krise
Die Erholung der Mutares-Aktie dürfte kein Strohfeuer sein. Aber ein nachhaltiger Trendwechsel ist sie noch nicht. Das Unternehmen befindet sich in einer selbst gebauten Übergangsphase — getrieben von zu viel Fremdkapital und dem Druck, Exits termingerecht zu schließen.
Das Langfristziel — Umsatz und Gewinn bis 2030 jährlich um mindestens 25 % steigern — ist nur erreichbar, wenn die Bilanz nicht länger als Bremse wirkt. Wer auf diese Geschichte setzt, wettet nicht auf ein Unternehmen in der Krise. Sondern auf eines, das seine Hausaufgaben noch erledigen muss. Der Covenant-Waiver läuft Ende Juni aus. Dann zeigt sich, ob der Vorstand mit seiner Einschätzung recht hatte.
Mutares-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Mutares-Analyse vom 12. Juni liefert die Antwort:
Die neusten Mutares-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Mutares-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 12. Juni erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Mutares: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...


