Mutares hat am Dienstag vergangener Woche Zahlen vorgelegt, die auf den ersten Blick ernüchtern: Der bereinigte Nettogewinn brach im ersten Halbjahr 2026 auf 6 Millionen Euro ein, nach 70 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Grund liegt jedoch weniger im operativen Geschäft als in einem Basiseffekt. Das Vorjahr hatte massiv von Badwill-Effekten und dem Steyr-Exit profitiert – Sondereinflüsse, die 2026 fehlen.

Operativ zeigt sich ein anderes Bild. Das bereinigte EBITDA kletterte auf 67 Millionen Euro, eine Verbesserung von mehr als 150 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreswert. Der Konzernumsatz blieb mit 3,4 Milliarden Euro stabil. Der Vorstand bestätigte die Jahresprognose und stellt für das zweite Halbjahr eine deutliche Beschleunigung in Aussicht.

Vollkonsolidierung und Zukäufe sollen zweites Halbjahr tragen

Treiber dieser Erwartung sind zwei größere Transaktionen. Die Vollkonsolidierung von Nordgas Solutions sowie der Abschluss der NexPoint-Akquisition, mit der Mutares das von SABIC übernommene ETP-Geschäft integriert hat, sollen das Segment Chemicals & Materials auf einen Umsatzsprung über 2 Milliarden Euro heben. Die Integration wurde im dritten Quartal vollzogen.

Bereits vor gut drei Wochen hatte Mutares zudem die Übernahme des Car-Top-Systems-Geschäfts von Magna International abgeschlossen, um das Segment Automotive & Mobility zu stärken – die Aktie notiert seither rund 3,7 Prozent tiefer, ähnlich verlief die Entwicklung nach der vor rund einem Monat angekündigten Übernahme von Free2move, die seither mit einem Minus von 2,4 Prozent zu Buche steht.

Parallel zu den Zukäufen rückt die Exit-Seite in den Fokus. CIO Johannes Laumann kündigte an, der geplante Verkauf von NEM solle im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden und könnte einen Mittelzufluss von mehr als 100 Millionen Euro generieren.

Für das Geschäftsmodell von Mutares, das auf dem Kauf, der Sanierung und dem gewinnbringenden Wiederverkauf von Unternehmen basiert, ist ein solcher Exit-Erlös zentral – nicht zuletzt für die Bilanzstabilität.

Covenants wieder eingehalten, Liquiditätsfragen bleiben Thema

Ein wichtiges Signal für Anleger: Mutares meldete zum 30. Juni die Wiederherstellung der vollen Einhaltung seiner Anleihe-Covenants. Das nimmt Druck von der Finanzierungsseite, nachdem die Liquiditätssituation zuletzt Gesprächsstoff war.

In Finanzforen und Medienberichten wurde vergangene Woche verstärkt über mögliche Abschreibungsbedarfe bei der französischen Einzelhandelstochter Lapeyre diskutiert, während gleichzeitig hohe Erwartungen an die anstehenden Exits von Magirus und Efecec bestehen.

Weitere Bausteine für das zweite Halbjahr sind bereits in Arbeit: Ein Deal zur Übernahme einer tschechischen Chemieeinheit von Synthomer soll noch im dritten Quartal finalisiert werden.

Aktie bleibt unter Druck, Blick richtet sich auf Investor Day

An der Börse hat die Nachrichtenlage bislang nicht für Auftrieb gesorgt. Der Kurs schloss am Freitag bei 25,95 Euro, ein Plus von 1,2 Prozent auf Tagessicht, liegt aber auf Sicht von sieben Tagen 3,7 Prozent und seit Jahresbeginn 14 Prozent im Minus.

Zum 52-Wochen-Hoch von 35,15 Euro, notiert Mitte Januar, beträgt der Abstand 26 Prozent. Der RSI von knapp 38 deutet auf eine eher überverkaufte Aktie hin.

Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob die angekündigten Exits und die Vollkonsolidierung der Zukäufe die im zweiten Halbjahr versprochene operative Wende tatsächlich liefern. Am 19. November lädt Mutares zu einem Investor Day nach London, bei dem das Management seine Fortschritte weiter konkretisieren dürfte.