Mutares kauft ein verlustreiches Chemiewerk aus Tschechien — ohne einen einzigen Euro Kaufpreis. Klingt ungewöhnlich. Ist aber genau das Geschäftsmodell des Münchner Beteiligungsunternehmens: Unternehmen in Sondersituationen übernehmen und operativ verbessern.
Carve-out ohne Vorabzahlung
Am 19. Juni 2026 unterzeichnete Mutares eine Vereinbarung zum Erwerb der Synthomer a.s. von Synthomer plc. Das Unternehmen produziert Acrylsäure und Acrylester im tschechischen Sokolov und beschäftigt rund 300 Mitarbeiter.
Die Zahlen für 2025 waren noch rot: externe Umsätze von 68 Millionen Euro, bereinigter EBITDA-Verlust von 10 Millionen Euro. Anfang 2026 drehte das Geschäft in die Gewinnzone. Mutares zahlt trotzdem keinen Kaufpreis bei Abschluss. Stattdessen kann Synthomer plc über drei Jahre bis zu 12 Millionen Euro erhalten — abhängig davon, wie viel Cash das Geschäft tatsächlich generiert.
Das ist kein Schnäppchen aus Großzügigkeit. Synthomer plc hatte das Acrylat-Geschäft bereits 2022 als nicht zum Kerngeschäft gehörend eingestuft. Der Verkauf befreit den Konzern von einem zyklischen, kapitalintensiven Segment.
Zweite Säule im Chemiesegment
Für Mutares ist die Übernahme das zweite Standbein im Segment Chemicals & Materials. Den Grundstein legte im Januar 2026 die Übernahme des Engineering-Thermoplastics-Geschäfts von SABIC für einen Enterprise Value von 450 Millionen US-Dollar. Synthomer a.s. baut darauf auf.
Der Abschluss der Transaktion ist für das dritte Quartal 2026 geplant. Bestehende Liefervereinbarungen zwischen Synthomer a.s. und der Muttergesellschaft laufen nach dem Verkauf weiter.
Covenant-Prüfung am 29. Juni
Wichtiger als der Zukauf könnte die kommende Woche werden. Am 29. Juni 2026 steht ein ausgesetzter Anleihe-Covenant zur formalen Prüfung an. Konkret geht es darum, ob die Übernahme von Wärtsilä Gas Solutions das Verhältnis von Nettoschulden zu Eigenkapital ausreichend verbessert — und zwar noch vor Ablauf des Verzichts. Das Management zeigt sich zuversichtlich, den Schwellenwert deutlich zu unterschreiten.
Parallel dazu läuft ein Tender-Angebot für bis zu 10 Prozent der variabel verzinslichen Anleihe zu 101 Prozent des Nennwerts. Ab dem zweiten Quartal 2026 plant Mutares vierteljährliche Anleiherückkäufe von mindestens 25 Millionen Euro.
Die Aktie schloss am Freitag mit einem Plus von 3,70 Prozent bei 29,40 Euro. Auf Monatssicht steht ein Zuwachs von 9,29 Prozent. Damit notiert das Papier klar über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 26,70 Euro.
Am 3. Juli 2026 kommt die Hauptversammlung zusammen. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen eine Dividende von 2,00 Euro je Aktie vor — die Mutares als Mindestdividende versteht.
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