Ausgangslage
Mutares hat mit dem Abschluss der SABIC-Übernahme die größte Transaktion der Firmengeschichte vollzogen. Der ehemalige Engineering-Thermoplastics-Bereich firmiert künftig als NexPoint Materials und bringt rund 2,0 Milliarden Euro Jahresumsatz, etwa 2.800 Mitarbeiter und acht Produktionsstandorte in Amerika und Europa mit.
Mit dem neuen Segment „Chemicals & Materials“ verschiebt sich das Portfolio des Münchener Beteiligungsspezialisten spürbar in Richtung Chemie und Materialwissenschaft.
Parallel dazu hat der Konzern die Zahlen für das erste Halbjahr vorgelegt: Der Konzernumsatz kletterte auf 3,4 Milliarden Euro, ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Entscheidender ist der operative Sprung: Das bereinigte EBITDA drehte von minus 89 Millionen auf plus 67 Millionen Euro. Genau dieser Wendepunkt macht die aktuelle Phase für Anleger relevant – die Frage ist, ob er sich fortsetzt.
Die entscheidende Frage
Der Knackpunkt liegt nicht im Umsatz, sondern im bereinigten Nettoergebnis. Dieses fiel im ersten Halbjahr auf 6 Millionen Euro, nach 70 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Der Holding-Umsatz aus Beratung und Management Fees sank zudem leicht auf 49 Millionen Euro. Damit steht die Frage im Raum, ob die operative Verbesserung auf Konzernebene tatsächlich bei den Aktionären ankommt – oder ob Integrationskosten, Finanzierungsaufwand und die Verwässerung durch die frühere Kapitalerhöhung den Fortschritt aufzehren.
Die von Mutares bestätigte Jahresguidance von 7,9 bis 9,1 Milliarden Euro Konzernumsatz und 165 bis 200 Millionen Euro Holding-Jahresüberschuss wird zum Prüfstein für das zweite Halbjahr.
Bullisches Szenario
Gelingt die Integration von NexPoint Materials reibungslos, dürfte der zusätzliche Umsatz von rund 2,0 Milliarden Euro die Guidance für 2026 im oberen Bereich absichern. Zusammen mit der bereits abgeschlossenen Übernahme des Car-Top-Systems-Geschäfts von Magna und der laufenden Vereinbarung zum Erwerb von Free2move von Stellantis würde sich das Portfolio weiter diversifizieren.
Sphene Capital bestätigte am 6. August ein Buy-Rating mit einem Kursziel von 49,30 Euro – eine rein bewertungstechnisch marginale Senkung gegenüber vorher 49,40 Euro, begründet mit höheren Diskontierungssätzen, nicht mit operativer Schwäche.
Sollte das zweite Halbjahr den EBITDA-Turnaround bestätigen und sich der Holding-Jahresüberschuss der oberen Guidance-Spanne annähern, wäre der aktuelle Bewertungsabstand zum Kursziel deutlich.
Bärisches Szenario
Das Risiko liegt in der Integrationsgeschwindigkeit und der Kapitalstruktur. Ein Sprung von 2,0 Milliarden Euro Zusatzumsatz durch NexPoint Materials bedeutet auch neue operative Komplexität über acht Standorte in zwei Kontinenten.
Bleibt das bereinigte Nettoergebnis auf dem niedrigen Niveau von 6 Millionen Euro oder sinkt es weiter, würde das die im April beschlossene Kapitalerhöhung – mit Bruttoemissionserlösen von bis zu 105 Millionen Euro und einer möglichen Verwässerung um bis zu 20 Prozent des Grundkapitals – nachträglich belasten.
Zusätzlich hängt die für Jahresende erwartete Free2move-Transaktion noch in der Schwebe; ein Rückschlag oder eine Verzögerung wäre ein weiterer Belastungsfaktor für das Vertrauen in die Exit- und Zukaufsstrategie des Konzerns.
Der Kurs notiert aktuell bei 26,00 Euro und damit rund 26 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 35,15 Euro aus dem Januar. Das signalisiert, dass der Markt die jüngsten Übernahmen bislang nicht mit einer Bewertungsprämie honoriert, sondern eher abwartet, ob sich die operative Wende in nachhaltigen Nettogewinnen niederschlägt.
Ausblick
Solange die Guidance von 165 bis 200 Millionen Euro Holding-Jahresüberschuss im Rahmen bleibt und die Integration von NexPoint Materials ohne größere Reibungsverluste verläuft, bleibt das Turnaround-Narrativ intakt.
Kippt hingegen das bereinigte Nettoergebnis erneut ins Negative oder verzögert sich der Free2move-Abschluss über das Jahresende hinaus, dürfte der Markt die Skepsis, die sich im aktuellen Kursniveau bereits andeutet, verstärken.
Der nächste konkrete Prüfstein liegt im November: Am 19. November lädt Mutares zum Investor Day nach London, wo Anleger detailliertere Einblicke in die Fortschritte bei der Integration und die mittelfristige Strategie erwarten dürfen.
Mutares-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Mutares-Analyse vom 28. August liefert die Antwort:
Die neusten Mutares-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Mutares-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 28. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Mutares: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

